07.07.2021 - 11:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Einbruch in Tierarztpraxis: 40-jähriger Suchtkranker will Therapie

Um "noch eine Chance" flehte ein Verurteilter das Weidener Gericht in seiner Berufungsverhandlung an. Der suchtkranke Mann war 2020 in eine Tierarztpraxis eingebrochen. Nun wolle er eine Therapie probieren.

Eine Bronzestatue der römischen Göttin der Gerechtigkeit, Justitia.
von Autor RNSProfil

Auch in der Berufung vor dem Landgericht bekam ein 40-jähriger Straftäter die gewünschte Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nicht. Laut dem Gutachten von Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder bestehen größte Zweifel an den Aussichten auf Erfolg.

Der schwerst suchtkranke Ledige hatte im Juni vergangenen Jahres in eine Tierarztpraxis im Weidener Norden und die darüberliegende Wohnung eingebrochen. Er erbeutete Schmuck im Wert von 11.345 Euro, größere Bargeldsummen in in- und ausländischen Währungen sowie eine wertvolle Designerhandtasche.

Bei Flucht schnell gefasst

Als ihn der Wohnungsbesitzer entdeckte, flüchtete der Mann zu Fuß Richtung Altenstadt, wurde aber nach schnell eingeleiteter Fahndung gefasst. Außer zwei Schmuckstücken und etwas Bargeld konnte alles an den Bestohlenen zurückgegeben werden.

Vom Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Hubert Windisch wurde der in Kasachstan geborene Deutsche zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Schon damals hatte Rieder die Ansicht vertreten, dass „nach aller Erfahrung keine Erfolgsaussichten“ bestehen, die schwere Suchterkrankung zu heilen.

Er habe den Angeklagten 2007 erstmals untersucht. Nach einer erneuten Straftat habe dieser 2014 die Untersuchung abgelehnt. Eine Therapiemaßnahme habe er abgebrochen und 2017 sei er, nach einiger Zeit ohne Drogen, wieder rückfällig geworden, berichtete Rieder in der Berufungsverhandlung.

Entwicklung "Kaffesatz-Leserei"

Die abgebrochene Therapie sei vor acht Jahren gewesen, entgegnete Rechtanwalt Jörg Meyer (Regensburg). Die Rückschlüsse Rieders auf die zukünftige Entwicklung seines Mandanten sei daher „Kaffeesatz-Leserei“. Staatsanwältin Dr. Franziska Enghofer dagegen hielt den Angeklagten für „nicht empfänglich für die Maßnahmen in der Therapieanstalt“ und beantragte, die Berufung zu verwerfen.

Richter Reinhold Ströhle und die beiden Schöffen urteilten entsprechend Enghofers Antrag. Nachdem in Regensburg nun schon wieder zwei größere Verfahren – wegen eines Einbruchs und wegen Drogenhandels – anstehen, hält es Ströhle für möglich, dass der 15-fach Vorbestrafte dort von einem anderen Gutachter untersucht wird und dieser den Weidener auf stationäre Therapie schickt.

Mehr zur ersten Verhandlung vor dem Weidener Schöffengericht

Weiden in der Oberpfalz

"Der Angeklagte ist nicht empfänglich für die Maßnahmen in der Therapieanstalt."

Staatsanwältin Dr. Franziska Enghofer

 

 

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