21.09.2020 - 13:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Drogen aus dem Darknet: Gericht verurteilt Angeklagten

Er rauche zwar Marihuana. Er habe aber keine Ahnung gehabt, dass sich in den Päckchen, die für einen Bekannten an seine Adresse geliefert worden waren, Rauschgift gewesen sei. Vor Gericht nutzten dem Angeklagten diese Ausreden nichts.

Eine Bronzestatue der Justitia steht in Frankfurt am Main.
von Autor RNSProfil

Am Ende glaubten es Richter Hubert Windisch und die Schöffen einem Angeklagten nicht, dass er nie in die gelieferten Drogen-Päckchen geschaut hatte. Ausschlaggebend für die Verurteilung des 39-Jährigen zu zweieinhalb Jahren war die Aussage eines mittlerweile zu dreieinhalb Jahren und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilten Dealers. Dieser hatte in seiner eigenen Verhandlung und nun auch im Prozess gegen den 39-Jährigen ausgesagt, dass sein Bekannter über das Darknet die Drogen mitbestellt hatte. Von den Lieferungen habe dieser jeweils knapp die Hälfte bekommen. Bezahlen habe der gelernte Schreiner etwas weniger müssen, da er das Risiko als Empfänger der Sendungen gehabt habe. An seine eigene Adresse habe er wegen seiner vielen Vorstrafen nichts liefern lassen können.

Für 16 Bestellungen von bis zu 100 Gramm Haschisch, geringere Mengen Marihuana und Amphetamin und damit „Besitz von Betäubungsmitteln“ forderte Staatsanwältin Sandra Dechant drei Jahre und neun Monate. Man müsse bedenken, dass es sich um insgesamt 1,2 Kilogramm Haschisch mit einem extrem hohen Wirkstoffgehalt gehandelt habe. Rechtsanwalt Clemens Sammet plädierte auf Freispruch für seinen nicht vorbestraften Mandanten. Der Belastungszeuge sei völlig unglaubwürdig. Dieser habe während seines Prozesses und dann in der Haft einen Hass entwickelt und wolle nun "irgendjemanden mit hineinziehen". Auf dem Konto des Angeklagten seien keinerlei relevante Geldflüsse festzustellen gewesen. Der Ledige lebe sozial eingeordnet. Somit gebe es keinen Raum für einen Schuldspruch.

Im Gegensatz dazu beurteilte das Schöffengericht die Aussagen des Großdealers aus dem nördlichen Landkreis Neustadt/WN als extrem glaubwürdig. Seine Vorstrafen würden zwar drei Seiten füllen, aber er habe keinen Grund gehabt, den Mann aus dem gleichen Ort zu Unrecht zu belasten. Zudem, so Richter Windisch, habe ein Haargutachten ergeben, dass der Angeklagte drogenabhängig sei. Verteidiger Sammet und der Verurteilte kündigten Berufung gegen das Urteil an.

Päckchen mit Rauschgift statt Computer-Zubehör

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