27.08.2021 - 13:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Diese Schnecken schaden und so wird man sie los

Wer in diesem Sommer Schnecken im Garten loswerden will, hat es schwer. Manche Hobbygärtner gehen konsequent gegen die Tiere vor, andere bleiben gelassen. Gibt es tierfreundliche Lösungen, und sind alle Schnecken gleich schädlich?

Wegschnecken sind bei Gärtnern oft besonders gefürchtet, weil sie sich liebend gerne an Gemüse und Zierpflanzen bedienen.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

„Nach den heißen und trockenen Sommern der letzten Jahre bietet der diesjährige Sommer ideale Voraussetzungen für ein erfolgreiches Schneckenleben“, weiß Dagmar Thimm-Böhringer, Kreisfachberaterin mit dem Schwerpunkt Landespflege im Landratsamt Neustadt/WN. „Schnecken lieben Feuchtigkeit und meiden Sonneneinstrahlung. Sie bestehen zu 85 Prozent aus Wasser und müssen ihre Körperflüssigkeit vor Verdunstung schützen.“ Zwischen Mai und Juli hätten die Niederschlagsmengen im Großraum Weiden zwischen 120 und 200 Prozent über dem Jahres-Durchschnitt gelegen, und im Mai, Juli und August habe die Sonne unterdurchschnittlich oft geschienen. „Bei diesen Bedingungen bieten sich im Garten für die Schnecken paradiesische Verhältnisse, es lässt sich in der Feuchtigkeit flott kriechen und die frischen Pflanzen schmecken besonders gut“, fasst sie zusammen.

Gute und böse Schneckenarten?

Wer die Kriecher loswerden möchte, greift nicht immer zu tierfreundlichen Lösungen. Selbstversorgung, Naturnähe und Tierwohl in Einklang zu bringen, wird zum Balanceakt. Doch gibt es gute und böse Schneckenarten? „Die Einteilung in ,gute und böse‘ Tiere ist nicht sinnvoll“, antworten Christine Egeter, Gärtnermeisterin für Zierpflanzenbau bei der Weidener Stadtgärtnerei und Martin Scheidler vom Umweltamt schriftlich auf diese Frage. Es gebe aber „eine Menge heimischer Schnecken, die keinen oder kaum Schaden im Haus- oder Ziergarten anrichten“.

Das weiß auch die Kreisfachberaterin. Sie zählt Schnecken mit Häuschen zu den aus Gärtnerperspektive guten Schnecken. „Sie fressen überwiegend abgestorbene Pflanzenteile, und manche Arten, insbesondere Weinbergschnecken, machen sich sogar nützlich, indem sie Eier von Nacktschnecken fressen.“ Schneckenfraß-Schäden würden hauptsächlich von wenigen Nacktschnecken-Arten verursacht. Allerdings gibt es eine Ausnahme.

  • Ackerschnecken und Wegschnecken gehören zu den von Gärtnern gefürchteten Nacktschnecken, die sich an Blumen und Gemüse bedienen. Ackerschnecken sind klein und hell, Spanische Wegschnecken groß und braun-rötlich. Weitere Wegschnecken-Arten: Große Wegschnecke, Gartenwegschnecke, Genetzte Ackerschnecke.
  • Große Tigerschnegel sind die größten heimischen Nacktschnecken. Sie werden 20 Zentimeter lang, sind gräulich und haben eine Art Leopardenmuster. Sie unterstützen den Gärtner: „Diese Schnegel leben vorwiegend räuberisch und können sogar die großen Wegschnecken überwältigen“, so die Weidener Experten. Auch Thimm-Böhringer findet: „Sie sollten bei der Schneckenbekämpfung verschont werden.“
  • Heimische Weinbergschnecken haben große Häuser und mögen zwar neben totem Pflanzenmaterial frischen Salat, fressen aber auch Eier von Nacktschnecken und sind vor allem gesetzlich geschützt.
  • Bänderschnecken haben kleine bunte Häuschen und fressen am liebsten verwelktes Pflanzenmaterial, „verschmähen aber auch nicht ein paar frisch gepflanzte Tagetes oder Dahlien“, erklären die beiden Fachleute aus Weiden. Der durch sie verursachte Schaden hält sich meist in Grenzen.

Schneckenkorn "letztes Mittel"

Probleme können Schnecken auch auf öffentlichen Grünflächen verursachen. „Bei den Wechselflorpflanzungen haben die Schnecken in diesem Jahr vorrangig die Studentenblumen (Tagetes) angefressen“, berichten Egeter und Scheidler. Dennoch versucht man, bei der Stadtgärtnerei Pflanzenschutz und Tierwohl in Einklang zu bringen. „Integrierter Pflanzenschutz“ nennt sich das. Dabei werden möglichst wenige chemische Mittel eingesetzt. Die Verteilung von Schneckenkorn sei auf Grünflächen in Weiden „das letzte Mittel, bevor alle Pflanzen vernichtet werden“. Heuer sei ein Mittel auf der Basis von Eisen-II-Phosphat nur ein einziges Mal punktuell zum Schutz von Studentenblumen angewendet worden. Mittel mit diesem Wirkstoff sollen im Gegensatz zu Mitteln, die Metaldehyd enthalten, für Haus- und Wildtiere ungefährlich sein. Eine häufige Kritik an Schneckenkorn: Es wird von allen Schneckenarten gefressen, auch von geschützten.

Kein nennenswertes Problem mit Schneckenfraß gibt es laut Thimm-Böhringer auf den Außenanlagen der Liegenschaften des Landkreises. „Unsere robusten Gehölze und ,schneckenresistenten‘ Stauden werden vom Schneckenangriff größtenteils verschont.“ Für Schulgärten gelte dies jedoch nicht.

"Lasse sie einfach kriechen"

Hobbygärtnerin Ursula Sommer verzichtet in ihrem naturnahen Garten in der Rheinländerstraße in Weiden komplett auf Chemie. „Ich mache nichts gegen Schnecken. Ich ärgere mich zwar drüber, dass sie den Salat fressen, aber an meinen heimischen Pflanzen wie Natternkopf, Disteln, Glockenblumen, Lungenkraut, Rainfarn, Karde, Färberkamille, Wilde Möhre und Königskerze habe ich überhaupt kein Problem mit Schnecken.“ Fraßschäden habe sie nur an jungen Pflanzen sowie an Wegwarten und Funkien entdeckt. „Ich lasse sie einfach kriechen. Die Natur regelt sich selber. Heuer sind die Feuchtigkeitsliebenden dominant, in anderen Jahren die Trockenheitsliebenden. Es ist spannend, wie sich das immer wieder neu entwickelt. Da mische ich mich nicht ein.“

Wird nach diesem Sommer automatisch auch der nächste ein Schnecken-Sommer sein? „Voraussetzung dafür ist vorrangig das Wetter im aktuellen Jahr“, antworten Egeter und Scheidler. „Wenn es nächstes Jahr wieder feucht und nicht zu kalt ist, dann ist es sicher wieder ein ,gutes‘ Schneckenjahr.“

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Diese zwei Hainbänderschnecken bieten sich ein Rennen mit einer Weinbergschnecke und setzen kurzerhand zum Überholmanöver an. Beide Schneckenarten sollten Gärtner nicht fürchten. Die Weinbergschnecke ist sogar geschützt.
Tigerschnegel fressen vornehmlich abgestorbene Pflanzenteile oder andere Nacktschnecken und sollten daher nicht bekämpft werden.
Hintergrund:

Tipps für den tierfreundlichen Umgang mit Schnecken

Das raten Christine Egeter, Gärtnermeisterin Zierpflanzenbau (Stadtgärtnerei Weiden) und Martin Scheidler (Umweltamt):

  • Vorbeugen: Nützlinge wie Igel, Spitzmäuse und Kröten fördern, die Schnecken fressen.
  • Keine Verstecke bieten: Um besonders gefährdete Bereiche herum den Boden möglichst offen halten und mit grobem Sand bedecken, damit er gut abtrocknen kann und keine Verstecke bietet.
  • Barriere anlegen: In Gemüsebeeten für mechanischen Schutz sorgen, zum Beispiel durch Kupferbänder oder einen Schneckenzaun.
  • Gezielt sammeln: "Lockangebote" machen, zum Beispiel Bretter auslegen und die sich darunter sammelnden gefräßigen Arten absammeln.
  • Richtig gießen: Morgens gießen, damit es nachts nicht feucht ist, wenn die Schnecken unterwegs sind.
Kommentar:

Wo meine Schnecken-Toleranz aufhört

Beinahe finde ich Schnecken niedlich mit ihren suchenden Stielaugen. Sie vertilgen so manches, das verschwinden darf. Igelhäufchen zum Beispiel. Glühwürmchen leben von ihren Eiern. Und wer mag schon keine Glühwürmchen? Aber wenn sie den jungen Salat über Nacht auffressen, gerate ich in einen Zwiespalt. Ich möchte ihn nicht mit kriechenden Schleimwürsten teilen. Aber meine Ernährung hängt auch nicht vom Gemüsegarten ab, also was rege ich mich überhaupt auf?

Definitiv weit überschritten war meine Toleranzgrenze nach dem Grillabend am Wochenende. Mit der Dunkelheit kamen Hunderte Schnecken aus ihren Verstecken. Nach dem Essen stehe ich in der Küche und wundere mich, dass sich meine Wade plötzlich so anfühlt, als würde kaltes Wasser am Bein herablaufen. Ich hebe das Hosenbein hoch – und entdecke einen langen Tigerschnegel, der mitten auf meinem Unterschenkel in aller Ruhe nach oben kriecht. Offenbar mögen diese Tiere nicht nur junges Gemüse.

Sonja Kaute

 

 

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