01.07.2020 - 18:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Coronazahlen im Kreis Neustadt/WN in Gemeinden mit Seniorenheimen auffällig hoch

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So weit, so bekannt: Das Coronavirus tritt vor allem dort auf, wo viele Menschen zusammenleben. Folglich sind die größeren Städte im Landkreis Neustadt besonders betroffen. Doch das hat manchmal ganz spezielle Gründe.

Die Zahlen des Gesundheitsamts Weiden-Neustadt (Stand 30.Juni) zeigen das Infektionsgeschehen in den einzelnen Orten des Landkreises. In Städten tritt das Virus massiver auf als in kleinen Gemeinden.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Ähnlich wie der Landkreis Tirschenreuth, den ein Gerichtsurteil dazu zwang, legt nun auch das Landratsamt Neustadt die Zahlen der Covid-19-Infektionen samt Todesfällen in den 38 Kommunen des Landkreises offen. Demnach war bis zum 30. Juni die Stadt Windischeschenbach mit 135 Erkrankten und 17 Toten Schwerpunkt im Landkreis.

Wie berichtet, ist dafür zu einem Gutteil das Infektionsgeschehen im AWO-Seniorenheim im März und April verantwortlich. Doch dort hat sich die Lage längst normalisiert. Überhaupt: Dort, wo es größere Senioreneinrichtungen gibt, lag auch die Covid-Quote am höchsten. Am stärksten gebeutelt waren Vohenstrauß, Neustadt/WN, Pleystein, Pressath und Grafenwöhr.

Inzwischen entspannt sich die Situation. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die über die Ansteckungszahl innerhalb einer Woche pro 100 000 Einwohner Aufschluss gibt, liegt in Weiden und im Landkreis Neustadt Lichtjahre entfernt vom kritischen Wert von 35.

Auch in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber im Camp Pitman in Weiden hat das Gesundheitsamt Entwarnung gegeben. Die zweiwöchige Quarantäne im Gebäude 2 ist dort seit Montag aufgehoben. Mitte Juni waren dort fünf Bewohner positiv getestet worden. Sie wurden kurz danach nach Regensburg verlegt.

Größere Schlachtbetriebe fehlen in der Region. Industriezweige, wo aufgrund der räumlichen Nähe oder der Temperaturen die Coronagefahr besonders hoch ist, sind ebenfalls nicht dick gesät. Wobei: Fast alle größeren Arbeitgeber hatten Covid-Fälle in ihrer Belegschaft. Aufgrund von Hygienemaßnahmen breitet sich das Virus aber nicht flächendeckend in Abteilungen aus.

Anders als etwa in Mitterteich das Starkbierfest, ist die Verbreitung der Krankheit in Weiden und im Landkreis auf kein bestimmtes Ereignis zurückzuführen. Gemunkelt wird trotzdem: dass die Jahreshauptversammlung des Sportvereins in Kohlberg oder eine Party nach der Kommunalwahl in Mantel lokale Infektionsherde waren. Die Behörden bestätigen dies allerdings nicht. Tragisches erlebten manche Familien. So starben zwei Eheleute in einem Waldthurner Ortsteil kurz hintereinander an Covid 19. Dass das Virus brandgefährlich bleibt, zeigt die Tatsache, dass auch jede noch so kleine Gemeinde im Landkreis mindestens einen Fall hat. Nur Speinshart kam offenbar völlig ungeschoren davon. Zumindest hat das Gesundheitsamt für die Gemeinde keine Zahlen.

Die Infektionswelle im AWO-Seniorenheim in Windischeschenbach

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Kommentar:

Es ist noch lange nicht vorbei

In einer ländlichen Region wie Weiden kennt jeder irgendjemand, der jemanden kennt, der sich mit Covid-19 angesteckt hat. Zumindest konnte man diesen Eindruck im März und April gewinnen. Und heute? Die Zahlen des Gesundheitsamts zeigen kaum noch Neuinfektionen. Folglich sinkt die Betroffenheit im eigenen Umfeld.
Corona – das ist jetzt Tönnies und Wiesenhof, weit oben in Ostwestfalen. Doch genau diese Hotspots beweisen, dass ein einziger Infektionsherd reicht, um einen ganzen Landkreis fast lahmzulegen oder Urlaubspläne platzen zu lassen. Daher ergeben Masken und Desinfektionsmittel im Alltag wohl noch lange Sinn. Wahrscheinlich so lange, bis ein Impfstoff oder ein Medikament gefunden ist.
Doch auch der Einzelne kann etwas tun. So wundert es, dass die Corona-Warn-App nur relativ spärlich auf deutschen Smartphones installiert ist. Es ist zu respektieren, wenn jemand dies mit seiner Privatsphäre begründet. Wenn er zugleich Datenkraken wie Facebook oder Instagram nutzt, muss er sich aber die Frage nach der Verhältnismäßigkeit gefallen lassen. Und „Alexa“ erfährt zu Hause wahrscheinlich Intimeres, wenngleich Unwichtigeres, als ob der Nachbar möglicherweise ein Virus überträgt.

Friedrich Peterhans

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