04.03.2020 - 11:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Coronavirus: Testwelle rollt auf Synlab in Weiden zu

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Die Zahlen klingen nach schierem Horror. Das Weidener Synlab-Labor untersuchte im Januar noch 9 Proben auf das Coronavirus, im Februar bereits 400. Inzwischen waren es allein am letzten Montag 600 aus ganz Deutschland und Österreich.

Das nennt man wohl Standortvorteil, obwohl der korrekte Name Polymerase-Kettenreaktion (PCR) lautet. Auf dieses Verfahren zum Erregernachweis kann Synlab im Weidener Labor bauen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die gute Nachricht: Fast alle sind negativ. Doch der Ärztliche Leiter schätzt, dass dies nicht so bleibt. Der Standort Weiden ist so etwas wie das Coronazentrum innerhalb der 35 deutschen Synlab-Niederlassungen, erklärt Leiter Dr. Richard Mauerer. Der Grund: Es ist eines der großen Labore, wo das Verfahren der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zur Anwendung kommt, eine sehr spezielle Methode zum Erregernachweis. "Viren kann man nicht einfach wie Bakterien auf einer Kulturplatte ansetzen und züchten", sagt Mauerer. "Stattdessen vermehrt und extrahiert man die genetischen Informationen des Erregers." Dafür ist Weiden Kompetenzzentrum innerhalb des deutschen Synlab-Verbunds.

Das bedeutet in Coronazeiten unheimlich viel Arbeit. In der PCR-Abteilung geben zurzeit rund 25 Spezialisten, etwa Medizinisch-technische Laborassistenten, Montag bis Samstag in Schichten von 6.30 Uhr bis Mitternacht ihr Äußerstes. Innerhalb von spätestens 24 Stunden muss der Kunde - Krankenhaus, Praxis, Kassenärztliche Vereinigung, Gesundheitsamt - Gewissheit haben, ob eine Probe positiv oder negativ ist. Egal, ob sie aus Hamburg oder Hof stammt. Oder aus Österreich. Auch für das Nachbarland testen die Weidener mit. "Das schaffen wir in der Regel ganz gut mit eigenen Fahrdiensten. Wenn die Probe am Vormittag kommt, sogar noch am gleichen Tag, aber wir könnten locker noch drei bis vier Leute brauchen."

Doch nicht allein das lässt sich Synlab etwas kosten, sondern auch die entsprechenden Geräte. "In Weiden handelt es sich um eine Investition im sechsstelligen Bereich", unterstreicht Mauerer. "Wir erwarten, bald 1000 Proben pro Tag testen zu können und arbeiten daran, bei Bedarf auch noch größere Mengen zu stemmen."

Von einer Art Corona-Konjunkturprogramm für den Standort will er nicht sprechen. In normalen Influenza-Zeiten stemmt das Labor rund 500 Grippeabstriche täglich, bei der Schweinegrippeepidemie waren es auch schon über 2000. Und die Grippewelle rollt unabhängig von Corona zurzeit ohnehin durchs Land.

Aus dieser Erfahrung lassen sich auch mögliche Szenarien für Corona (Sars-CoV-2) entwerfen, sagt der Ärztliche Leiter: "Wenn die Grippesaison beginnt, sind kaum Proben positiv, dann erreicht es irgendwann einen Peak mit zwei Drittel positiven Ergebnissen, dann fällt es schnell wieder ab." Heißt dies, dass wir bald mit einer Explosion positiver Coronaproben rechnen müssen? "Vermutlich kommen die noch in ein bis zwei Monaten, aber das ist jetzt wirklich ein Blick in die Glaskugel."

Neben den üblichen Hygiene- und Vorsorgemaßnahmen könnten wärmere Tage gegen die Ausbreitung von Coronaviren helfen. Ganz verschwinden wird der Spuk wohl nicht, mutmaßt Mauerer. "Auch bei der echten Influenza haben wir inzwischen ganzjährig ein gewisses Grundrauschen."

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Dr. Richard Mauerer, Ärztlicher Leiter des Synlab-Standorts Weiden.

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