14.06.2020 - 12:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Coronakrise trifft Hartz-IV-Bereich weniger

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In der Coronakrise stellt sich die Frage, ob alle Gruppen der Arbeitslosen gleichmäßig betroffen sind. Der Blick auf die Zahlen im Bereich der Arbeitsagentur Weiden zeigt deutliche Unterschiede.

Geschäftsführer der Jobcenter in der nördlichen Oberpfalz Peter Witt, Weiden-Neustadt (links) und Leonhard Merkl, Tirschenreuth.
von Siegfried BühnerProfil

Der Arbeitsmarkt steht unter Corona-Einfluss, keine Frage. Anders als seit Jahrzehnten im Frühjahrsaufschwung der Wirtschaft üblich, gibt es derzeit im Bereich der Arbeitsagentur Weiden keinen Rückgang der Arbeitslosenzahlen, sondern, vor allem gegenüber dem Vorjahr, einen kräftigen Anstieg. Die Auswirkungen der Krise treffen jedoch überwiegend den Bereich der Arbeitslosenversicherung (Sozialgesetzbuch III) und nur erheblich weniger den Hartz-IV-Bereich (Sozialgesetzbuch II). Die Zahlen über die Arbeitsmarktentwicklung im Mai liefern dazu ein ziemlich eindeutiges Bild.

2500 Arbeitslose im Bereich der Arbeitslosenversicherung sind fast 42 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dagegen ist im Bereich Hartz-IV die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vorjahr gerade einmal um 5,5 Prozent angewachsen. Manchen wird es überraschen: Ursächlich für die wachsenden Arbeitslosenzahlen sind nicht vermehrte Zugänge in Arbeitslosigkeit, zum Beispiel weil derzeit so viele Arbeitnehmer entlassen werden. Tatsächlich liegt in Anbetracht weit verbreiteter Kurzarbeit der Zugang in die Arbeitslosigkeit im SGB III-Bereich nur knapp über dem Vorjahr, im Hartz-IV-Bereich sogar deutlich unter dem Vorjahr.

Entscheidend dafür, dass Arbeitslosigkeit in der Krisenzeit überhaupt wächst, sei vielmehr die Tatsache, dass sehr wenig Arbeitnehmer sich aus der Arbeitslosigkeit abmelden konnten, zum Beispiel weil sie einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. Von März bis Mai sanken die Abmeldungen im Hartz-IV-Bereich insgesamt gegenüber dem Vorjahr um rund 40 Prozent, im Bereich der Arbeitslosenversicherung um knapp 18 Prozent.

Dass der Hartz-IV-Bereich jedoch insgesamt nur wenig von der Krise bisher betroffen ist, zeigt auch der Blick auf die Gesamtheit der von den Jobcentern betreuten Personengruppen. Zusammengefasst werden diese in der Statistik als „Personen in Bedarfsgemeinschaften“ ausgewiesen. Dazu gehören sowohl die Arbeitslosen selbst sowie alle sonstigen in einer Bedarfsgemeinschaft lebenden Personen. Mit rund 7300 Personen insgesamt blieb diese Zahl in den Jobcentern Weiden-Neustadt und Tirschenreuth im Vergleich zum Vorjahr weitestgehend konstant. Auch die Gruppe der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten liegt mit knapp 4900 Personen auf Vorjahresniveau.

Peter Witt, Geschäftsführer des Jobcenters Weiden-Neustadt kommentiert die Entwicklung mit dem Satz „Trotz in der Krisenzeit geltenden erleichterten Zugangsbedingungen zum Leistungsbezug nach dem Sozialgesetzbuch II kam es im Bereich der Grundsicherung nicht zu dem von vielen befürchteten kräftigen Anstieg der Leistungsempfänger“. Vielmehr habe die Entwicklung im Bereich des Zweiten Sozialgesetzbuches sogar stabilisierend auf den gesamten regionalen Arbeitsmarkt ausgewirkt.

Und freuen kann sich der Jobcenter-Geschäftsführer auch darüber, dass die nördliche Oberpfalz im Bereich der Hartz-IV-Arbeitslosigkeit bisher deutlich besser durch die Krise gekommen ist, als die meisten anderen Regionen in Bayern. Von März bis Mai 2020 ist bayernweit der Bestand an Arbeitslosen im Hartz IV-Bereich um 23 Prozent angewachsen, dagegen in den Jobcentern Weiden-Neustadt und Tirschenreuth zusammengerechnet nur um 13 Prozent. Was bei Arbeitslosen in Arbeitslosenversicherung stattgefunden hat (wir berichteten) wiederholt sich also auch in der Grundsicherung. Für alle Regionen gilt im Hartz-IV-Bereich: Betroffen von zunehmender Arbeitslosigkeit sind seit Beginn der Coronakrise fast ausschließlich Beschäftigte in Hilfstätigkeiten.

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