24.10.2020 - 18:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Corona-Leugner und Masken-Verweigerer demonstrieren in Weiden

Am Samstag fand auf dem Neuen Festplatz in Weiden eine Kundgebung der "Querdenker" statt. Sie protestierten gegen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Heftiger Gegenwind kam von Maßnahmen-Befürwortern - auf der Straße und im Netz .

von Helmut KunzProfil

Auf der Bühne der Corona-Maßnahmen-Gegner spielte ein Geiger den „Titanic“-Soundtrack. Beim Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschrechte (OBTM), bei den Linken und aus dem „Rio-Raum“, erklang noch düsterer das Mundharmonika-Stück aus „Spiel mir das Lied vom Tod“. Hier Blumenkinder, die um Frieden, vor allem um ihre persönliche Freiheit bettelten, dort die mahnenden Sensenmänner.

„Die Zahlen, die uns die Stadt Weiden vorlegt, sind mit Sicherheit getürkt“, begründete „Querdenker“ Helmut Bauer seine Aktion. „Wir haben recherchiert und diese Zahlen lassen sich nicht nachvollziehen. Mir selber ist nur ein einziger Fall bekannt von jemanden, der positiv getestet wurde.“ OBTM-Sprecher Hans Lauterbach demonstrierte dagegen: „Wir stehen da, weil Querdenker die Gesellschaft spalten und mit sehr vielen Fake-News agieren. Wir fordern die Zivilgesellschaft in Weiden auf, sich engagierter gegen rechte Bewegungen einzusetzen.“

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Angaben zur Teilnehmerzahl unterscheiden sich

Die Meinungen von „Querdenkern“ und Gegendemonstranten klafften am Samstagnachmittag ebenso weit auseinander, wie die Einschätzungen der Ordnungskräfte und Veranstalter, was die Teilnehmerzahl betraf. Bauer sprach von 1300 Demonstranten. Polizeisprecher Florian Beck vom Polizeipräsidium Oberpfalz bezifferte die Menge auf 900 Personen. Die Allerwenigsten von ihnen trugen Mund- und Nasenschutzmasken. Die Leute versuchten allerdings, die Abstandsregeln einzuhalten.

„Die Veranstaltung verläuft sehr friedlich. Es hat keine Zwischenfälle gegeben“, unterstrich Beck. „Uns ist die Deeskalation wichtig, aber natürlich auch der Infektionsschutz. Da schauen wir ganz genau hin und wirken gegebenenfalls auf die Versammlungsleitung ein.“ Ein großes Polizeiaufgebot aus Weiden, Amberg und Regensburg war vor Ort. Aus Bamberg war ein Einsatzzug angereist.

Autocorso vor der Kundgebung

Vor der eigentlichen Kundgebung rollte ein Omnibus- und Autocorso vom Festplatz nach Ullersricht und zurück. Auf der Bühne belächelten Redner die Coronaschutzmaßnahmen. „Das Ganze muss beendet werden“, forderte Busfahrer Thomas Brauner. „Kinder haben ein Recht dazu, ungefilterte Luft zu atmen.“ Eine Gymnasiastin aus Nürnberg kritisierte die Bevormundung durch ihre Schulleitung. „Ich möchte nicht in einem totalitären Staat leben.“ Der ehemalige Polizeihauptkommissar Karl Hilz stellte die Pandemie mit einer „Plandemie“ gleich. „Die Gefahrenlage ist aktuell nicht diejenige, wie sie uns von der öffentlichen Meinung und von den Politikern vorgestellt wird. Es werden Tests gemacht, die nicht wirklich eine Erkrankung nachweisen.“ Seiner Überzeugung nach nur, um die Leute in Angst und Schrecken zu versetzen.

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Der Leiter der Integrierten Leitstelle, Jürgen Meyer, der die Kundgebung am Rande beobachtete, empfahl allen „Querdenkern“ auf dem Platz, doch mal einen Tag lang die Weidener Intensivstation zu besuchen: „Dann können die mal sehen, was Covid-19 mit Menschen anstellt.“ Auch Linken-Stadtrat Ali Zant bezog Stellung: „Das sind Leute, die unsere Gesundheit hier in Weiden gefährden."

Kritik im Netz

Prominentester Redner war „Querdenker“-Gründer Michael Ballweg. Er versprach seinen Anhängern, auf friedliche Weise so weiterzumachen, wie bisher. „Wir haben viel erreicht.“ Seiner Überzeugung nach habe sich das Bundesparlament selbst entmächtigt. „Jetzt hat es Probleme damit, die Kontrolle wieder zurückzuerlangen.“ Für den Abend war ein Fackelzug durch die Innenstadt geplant.

In den sozialen Netzwerken wurde heftig kommentiert und die „Querdenker"-Kundgebung längst im Vorfeld kritisiert. „Solange es diese Idioten gibt, werden wir es nie schaffen, die Pandemie einzudämmen“, schreibt etwa Tanja Holzer. „Dumm und völlig verantwortungslos! Gegen hirnloses Handeln ist leider kein Kraut gewachsen“, meint Michael Hastaedt. Und Kerstin Scharnagl: „Alles gut und schön mit dem Demonstrationsrecht … aber diese Flachnasen demonstrieren in einer Stadt, deren Inzidenzwert über 130 liegt.“

Update

Laut dem Polizeipräsidium Oberpfalz verliefen die Versammlungen zur "Querdenker"-Demo weitgehend störungsfrei. Während der Demonstration am Neuen Volksfestplatz kam es jedoch zu einer Straftat. Zwei Männer sollen zwei Journalisten beleidigt und einen von ihnen angespuckt haben. Die Polizei nahm die beiden fest und schlossen sie von der Versammlung aus. Zudem habe sich eine Frau beschwert über "angeblich unzulässiges Verhalten einer fotografierenden Person". Die Beamten stellten fest, dass es sich dabei um einen Journalisten handelte, der nach einem Gespräch seine Arbeit weiter fortsetzte.

Der Polizeibericht zur "Querdenker"-Demo in Weiden

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Die Gegendemonstration fand größtenteils virtuell statt

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