22.10.2020 - 12:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Corona-Demo in Weiden: "Querdenker" mit vollem Programm, Gegner mit Absagen

Die "Querdenker"-Kundgebung am Samstag am Festplatz soll ihren Abschluss in der Altstadt finden: mit Fackelumzug und "Menschen-Friedenskette". Abgesagt sind die geplanten Gegendemos.

Anfang Mai demonstrierten rund 300 Menschen vor dem Alten Rathaus gegen Corona-Maßnahmen. Für 50 war die Versammlung angemeldet.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Das Demonstrationsrecht geht vor – auch in der Stadt Weiden mit ihrer dunkelroten Corona-Ampel. Wie Stadtsprecherin Roswitha Ruidisch am Donnerstag bestätigt, gibt es keine rechtliche Handhabe für die "Querdenker"-Kundgebung am Samstag, 24. Oktober, auf dem Weidener Festplatz. Helmut Bauer und seine Mitstreiter halten auch weiter an der Demo und weitere Aktionen gegen die Hygienemaßnahmen fest. Nach dem Ende der Kundgebung soll sich der Protest am Abend sogar in die Altstadt verlagern.

  • Beginn ist um 12 Uhr mit einem Auto- und Fahrradcorso am Festplatz
  • Die Kundgebung der Gruppe "Querdenken 961 Weiden" unter dem Motto "Beenden der Corona-Maßnahmen – Weg mit der Maske" beginnt um 14 und endet um 18 Uhr
  • Es folgt ein Fackelumzug in die Stadtmitte. Dort soll eine "Menschen- Friedenskette um die Altstadt" gebildet werden. Im Anschluss gibt es eine Abschlusskundgebung in der Fußgängerzone"

In der Innenstadt werde "für Frieden und Selbstbestimmung" demonstriert, erläutert die Anmelderin der Abend-Veranstaltungen, Martina Lorenz. "Unsere Forderung ist die Beendigung der epidemischen Lage der nationalen Tragweite." Weitere "Kollateralschäden" müssten begrenzt. Zudem fordert Lorenz die "richtige Darstellung der Zahlen", "Aufklärung über Coronalviren" und "offene Darlegung der momentanen wirtschaftlichen Lage, ohne Verhüllung hinter Covid-19". "Querdenker" Bauer hat die Kundgebung für 200 Teilnehmer angemeldet. Die werden für die Menschenkette aber nicht reichen, sagt Lorenz. Dafür "werden natürlich auch mehr Menschen benötigt". Sie kündigt an: "Die Abstände werden durch entsprechend viele Ordner gewährleistet."

Die Veranstaltungen, die ursprünglich für 24. Oktober angemeldet waren

Weiden in der Oberpfalz

Gegenaktionen im Netz

Wie vergangene Woche bereits angedeutet, wird die Aktionsgruppe Weiden/ Neustadt des „Oberpfälzer Bündnisses für Toleranz und Menschenrechte“ (OBTM) nun tatsächlich auf große Gegenveranstaltungen verzichten. Bereits angemeldet waren eine Gegendemo am Festplatz und eine Kundgebung mit Musik und Reden im Max-Reger-Park. Beides ist jetzt abgesagt, nur "die eine oder andere kleine Protestaktion" am Festplatz soll noch stattfinden (Motto: "Ihr seid laut und wütend – wir sind leise und vernünftig, aber wir sind mehr"). "In einer Stadt, in der die Corona-Fallzahlen/7-Tage-Inzidenzwerte auf deutlich über 100 angestiegen sind, wird es von Seiten des Bündnisses keine Präsenzveranstaltungen geben", heißt es in einer Pressemitteilung. "Um das Risiko zur weiteren Ausbreitung der Coronapandemie zu minimieren, wurde ein Großteil des Widerstands ins Internet verlegt."

So sind die Bürger aufgerufen, unter "#wirzeigenmaske" ein Bild von sich mit Maske hochzuladen. Auf Facebook (https://www.facebook.com/obtmwennew) und Instagram hätten sich bereits zahlreiche Unterstützer angeschlossen. Auch die Kundgebungen selbst sollen online stattfinden: Das Bündnis kündigt an, Redebeiträge von Ärzten, Politikern, Gewerkschaftern und Bündnismitgliedern im virtuellen Raum zu veröffentlichen. In der Mitteilung greift das Bündnis die "Querdenker" heftig an: "Mit ihrem unangemessenen aktiven Protest gegen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, riskieren sie die Verbreitung des Coronavirus und nehmen keinerlei Rücksicht auf das Recht der Mitmenschen auf gesundheitliche Unversehrtheit. Zudem verhalten sie sich respektlos gegenüber den Menschen, die aufgrund einer Covid19-Erkrankung Angehörige verloren haben." Bei vergangenen Demos hätten die "Querdenker" zudem keinerlei Distanz zu Teilnehmern aus dem rechten Lager gehalten.

Appell des Oberbürgermeisters

In einer Pressemitteilung appelliert OB Jens Meyer an die Demo-Veranstalter, den Teilnehmerkreis so klein wie möglich zu halten und bei den Kundgebungen auf Abstand, Hygiene und Alltagsmaske zu achten. "Wir müssen alle unseren Teil zur Bekämpfung der Pandemie beitragen.“ Stadtrat Ali Zant (Grün.Bunt.Weiden) wandte sich am Donnerstag an Polizeichef Klaus Müller. Mit Blick auf die Infektionszahlen bittet Zant darum, "am Samstag bei kleinsten Verstößen gegen die Infektionsschutzverordnung des Freistaates Bayern durch den/die Versammlungsleiter, die Kundgebung/Demonstration sofort aufzulösen". Das Demonstrationsrecht sei wichtig, aber Verstöße müssten Konsequenzen haben.

Die Initiative Arbeit und Leben sowie das Bündnis „Weiden ist bunt“ weisen auf ihren Infostand am Samstag von 12 bis 14 Uhr beim Neuen Rathaus hin. Motto: „Helden tragen Masken“.

Vorstoß von Grün.Bunt.Weiden zur Demo

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