12.11.2020 - 16:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Christkindlmarkt-Absage in Weiden: Tiefschlag für Schausteller, aber kein Vorwurf an die Stadt

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Die Standbetreiber trifft die Absage des Weidener Christkindlmarktes empfindlich. Einige dürfen hoffen, dennoch zum Zuge zu kommen. Freuen können sich gar die Kollegen vom Wochen- und Bauernmarkt.

Der historische Christkindlmarkt ist abgesagt. Einige wenige Schausteller dürfen dennoch auf ein Engagement hoffen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

"Es ist hart", sagt Hans Blum. Wie seine Kollegen hat auch der Weidener Schausteller und Stadtrat am Mittwoch von der Absage des Christkindlmarktes erfahren. Blum wäre wieder mit Glühweinstand und Kinderkarussell in der Fußgängerzone vertreten gewesen. Das Aus wegen der verschärften Corona-Lage treffe die Standbetreiber empfindlich, räumt er ein. "Das wäre das Geld gewesen, das wir gebraucht hätten, um über den Winter zu kommen. Man muss bedenken: Im Gegensatz zur Gastronomie, wo wenigstens ein bisschen was ging, haben wir heuer ja überhaupt nichts machen dürfen."

Die Pressemitteilung der Stadt Weiden zur Absage

Weiden in der Oberpfalz

Von der Absage sind 15 Schausteller betroffen. Für sie hatte die Stadt eigentlich ein neues Konzept erstellt, das unter anderem eine Entzerrung der Budenstadt zwischen Oberem und Unterem Tor vorsah. Dass der Christkindlmarkt nun noch nicht mal in dieser Form möglich sein soll, kann Hans Blum nicht ganz nachvollziehen. „Die Gefährdung an der frischen Luft ist doch gering“, sagt er. Den Entscheidern um Oberbürgermeister Jens Meyer macht er dennoch keinen Vorwurf. In der Pressemitteilung vom Mittwoch begründen sie ihren Entschluss mit dem hohen Weidener Inzidenzwert von 238, der sich tags darauf sogar auf 280 steigerte. Blum: „Die Stadt hat Zwänge, steht da sicher auch unter dem Druck der Staatsregierung.“ Er hofft jetzt, dass Ministerpräsident Söder seine Zusagen nach Hilfen einhält.

Die betroffenen Schausteller hätten mit einer Absage bereits gerechnet und „verantwortungsbewusst reagiert“, teilt die Stadt auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit. Die Corona-Pandemie sorgt damit für einen historischen Einschnitt für den „historischen Christkindlmarkt“ – den ersten Totalausfall, seitdem der Markt 1976 durch die Fieranten Peter Renner, Robert Margraf, Gerhard Donhauser und Karl-Heinz Rothballer wiederbelebt wurde. Erst im vergangenen Jahr hatte die Stadt die Organisation von den Schaustellern übernommen, viele Stunden der Planung (und Umplanung) im Rathaus, lange Diskussionen und einiger Ärger wegen des veränderten Konzepts waren jetzt vergeblich.

Bauernmarkt doch am angestammten Platz

Die Organisation unter Corona-Bedingungen betraf zuletzt auch den Bauern- und den Wochenmarkt, die ab Ende November wegen des Christkindlmarktes auf den Großparkplatz umziehen sollten. Dürfen sie jetzt am angestammten Platz in der Fußgängerzone bleiben? „Wir hoffen es“, sagt Josef Wittmann, Sprecher des Bauernmarktes, am Donnerstagvormittag. Am Nachmittag gibt es Gewissheit. Die Stadt bestätigt gegenüber Oberpfalz-Medien: „Ja, der Wochen- und Bauernmarkt kann am bisherigen Platz stattfinden.“ Inzwischen dürfte sich aber noch eine andere Frage stellen: Welchen Effekt hätte ein möglicherweise noch strengerer Lockdown für Wochen- und Bauernmarkt? In der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr hat die Stadt die Märkte über Wochen untersagt. Dabei, so merkt Wittmann an, hätten andere Lebensmittelgeschäfte weiterhin öffnen dürfen. Für den Bauernmarkt-Chef ein Widerspruch: „Unter freiem Himmel ist die Ansteckungsgefahr doch wesentlich geringer als in geschlossenen Räumen.“ Die Stadt müsste den „Einkauf im Freien“ also eher fördern als verbieten.

Inzwischen dürfte sich noch eine andere Frage stellen: Welchen Effekt hätte ein möglicherweise noch strengerer Lockdown für Wochen- und Bauernmarkt? In der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr hat die Stadt die Märkte über Wochen untersagt. Dabei, so merkt Wittmann an, hätten andere Lebensmittelgeschäfte weiterhin öffnen dürfen. Für den Bauernmarkt-Chef ein Widerspruch. "Unter freiem Himmel ist die Ansteckungsgefahr doch wesentlich geringer als in geschlossenen Räumen", merkt er an. Die Stadt müsse den "Einkauf im Freien" also eher fördern als verbieten.

Wunsch: Vereinzelte Buden in der Fußgängerzone

Auch die meisten Schausteller dürfen noch hoffen: Wie bereits in den vergangenen Wochen üblich, könnte die Stadt ihnen erlauben, ihre Stände zeitweise auf Plätzen in der Fußgängerzone aufzubauen. Hans Blum hofft, dass „man da zumindest für die ortsansässigen Anbieter etwas machen kann“. „Hierzu ist noch ein interner Abstimmungsprozess erforderlich“, heißt es etwas kryptisch vonseiten der Stadt. Die vieldiskutierte Kunststoff-Eisbahn, die vor dem Alten Rathaus aufgebaut werden sollte, werde es jedoch voraussichtlich nicht geben.

Ein Ersatz für den Christkindlmarkt könnten die verstreuten Geschäfte natürlich ohnehin nicht sein, bemerkt Hans Blum. „Man merkt, dass die Leute zurzeit sehr zurückhaltend sind. Der wirtschaftliche Erfolg würde sich in Grenzen halten“, meint er. „Aber wir hätten wenigstens was zu tun.“

Kommentar:

Absage die richtige Entscheidung

Die nächste spektakuläre Absage in der Corona-Pandemie. Diesmal eine "historische": Erstmals seit der Wiederbelebung vor 44 Jahren gibt es keinen "historischen Christkindlmarkt" in Weiden. Auch das noch! Wie gefährlich kann ein Christkindlmarkt denn sein, die paar Buden unter freiem Himmel? Die Antwort: Überhaupt nicht – falls es dabei bliebe, dass stets ein einzelner Passant vor die Bude tritt, einen Glühwein oder eine Zuckerwatte ordert und sich wieder zuverlässig zurück in einen 1,5-Meter-Isolationsradius begibt. Viel wahrscheinlicher ist, dass es eben nicht dabei bleibt. Dass sich Schlangen bilden, dass viele Menschen beieinander stehen. Und, ganz ehrlich: So macht ein Christkindlmarkt doch überhaupt erst Spaß. Je mehr Leute, desto lustiger. Alles andere als ein Vergnügen sind die explosionsartig steigenden Coronazahlen in Weiden. Unter deren Eindruck gilt: Alles, was Menschen über das absolut notwendige Maß hinaus in die Innenstadt treibt und zu Gruppenbildung animiert, ist zu vermeiden. Also auch und besonders ein Christkindlmarkt. Derzeit darf in der Fußgängerzone noch nicht mal von einer Bratwurstsemmel abgebissen werden. Aber für ein Festival der Imbissbuden rührt die Stadt Weiden auch noch die Werbetrommel? Das hätte nicht zusammengepasst. Der Stadt darf kein Strick daraus gedreht werden, dass sie sich jetzt zur Absage durchgerungen hat. Im Gegenteil: Unsinnig wäre gerade die Nicht-Absage gewesen.

Ralph Gammanick

Die geplante Verlegung des Bauernmarktes

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Eine Lösung für die Gastronomie in der Fußgängerzone

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