21.06.2020 - 12:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Chefin des Schwimmvereins Weiden: Vorwürfen und Angriffen wegen Schätzlerbad ausgesetzt

Das Maß scheint voll. Die Vorsitzende des Schwimmvereins und Chefin des Schätzlerbads berichtet von täglichen Vorwürfen, persönlichen Angriffen und unbegründeten Forderungen nach Rückerstattung der Mitgliedsbeiträge – und nimmt Stellung.

Ilona Forster ist Vorsitzende des Schwimmvereins Weiden und klagt: Mit der Coronakrise kommen tägliche Vorwürfe und persönliche Angriffe gegen sie.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Es sind klare Worte, die Ilona Forster über die aktuelle Situation zum SV Weiden 1921 und zu ihrere Position als Vorsitzende des Schwimmvereins in einer Stellungnahme an Oberpfalz-Medien richtet. Dabei geht sie zuerst ein paar Jahre zurück. 2017 habe der SV Weiden kurz vor dem Aus gestanden, erinnert Forster. Ein Vorsitzender war nicht zu finden. "Letztendlich bin ich eingesprungen", sagt Ilona Forster, die auch die Gaststätte im Schätzlerbad führt. "Die seitdem übertragenen Aufgaben erfüllten mich in den vergangenen 2,5 Jahren mit viel Freude und Stolz." Zudem lobt die Vorsitzende das überdurchschnittliche Engagement von Trainern und Übungsleitern sowie das gesamte Führungsgremium, das tagtäglich mit viel Herzblut und unentgeltlich für das Wohl des Vereins, der Freizeitanlage und des Sports arbeite. Eitel Sonnenschein herrscht trotzdem nicht. Im Gegenteil.

Zur eingeschränkten Öffnung des Schätzlerbades gezwungen

"Als erste Vorsitzende des Schwimmverein Weiden 1921 e.V. höre ich seit Bekanntgabe der teilweisen Schließung beziehungsweise eingeschränkten Öffnung des Schätzlerbades in dieser Badesaison täglich Vorwürfe gegen die von uns gezwungenermaßen getroffenen Maßnahmen, welche rein aus den behördlichen Vorgaben resultieren", klagt Forster. "Es erreichen mich persönliche Angriffe sowie auch unbegründete Forderungen, nach der Rückerstattung der Mitgliedsbeiträge." Manche gingen davon aus, dass mit einer Mitgliedschaft im Verein ein Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Eintritt und auf kostenloses Baden im Schätzlerbad Weiden bestünde. "Das ist allerdings nicht richtig." Die Mitgliedschaft sei analog jeder anderen Mitgliedschaft in einem Sportverein zu sehen, und diene des Erhalts dessen sowie der Förderung des Sports. Forster betont deshalb: "Der kostenlose Eintritt ist ein weiterer Bonus, allerdings keine Verpflichtung des Vereins gegenüber seiner Mitglieder."

Einige Mitgliedern wollen Beiträge zurück

Weiden in der Oberpfalz

"Überschuldung droht"

Auch auf die finanzielle Situation des Schwimmvereins geht die Vorsitzende ein, spricht von "drohender Überschuldung". Mitglieder könnten demnach in jeder Jahreshauptversammlung Einblicke erhalten. "Dann werden sie erst einmal sehen, mit welchen Größenordnungen an Verpflichtungen und Kosten wir umgehen müssen." Genau vor diesem Hintergrund will Forster "sämtliche Kritiker darauf hinweisen, dass wir alle Entscheidungen vor ihrer Wirksamkeit ausführlich in der Presse kommuniziert und stets zum Wohle der Mehrheit getroffen haben". Abgestimmt seien die Entscheidungen obendrein gewesen – mit Stadt und Oberbürgermeister. "Als Vorstand habe man neben Rechten auch Verpflichtungen. Dazu zähle, Entscheidungen zu treffen, "vor allem dann, wenn die Gefahr einer drohenden Überschuldung des Vereins besteht oder größere Risiken für Badebesucher erkennbar sind".

Schätzlerbad und Coronakrise

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Harte Kritik an einigen Mitgliedern

Sehr deutlich wird Ilona Forster auch in Richtung Mitglieder. "Einige zeigen eindeutig, dass sie am Schwimmverein Weiden 1921 e.V. und am Sport kein Interesse, sondern lediglich die Mitgliedschaft in den vergangenen Jahren missbraucht haben." Dabei sei der Schwimmverein das zentrale Element. Heiße es "Der Schwimmverein ist mir egal" treffe das Ilona Forster tief: "Anscheinend ist vielen nicht bewusst, dass es ohne den SV Weiden 1921 e.V. das Schätzlerbad auch nicht länger geben wird."

Versöhnliche Schlusstöne

Am Ende aber hofft die Vorsitzende des Vereins " auf das Verständnis sowie die Solidarität der Bevölkerung, um den SV Weiden 1921 e.V. weiter am Leben halten zu können". Sie wolle aus dem "ich will" ein "wir schaffen das" machen. Bis dahin dankt sie den Unterstützern und den Vorstandskollegen.

Kommentar:

Überzogene Vorwürfe der Schwimmvereins-Chefin

Missbrauch der Mitgliedschaft – das wirft Ilona Forster vielen Beitragszahlern des Schwimmvereins vor. Doch das Problem ist hausgemacht.
Keine Frage, als Chefin des Schwimmvereins hat Ilona Forster einen schweren Job. Das wusste sie bereits, als sie vor knapp drei Jahren einen Vorsitz übernahm, den sonst keiner haben wollte. Und dann kam auch noch Corona. Jetzt muss die hochengagierte Ehrenamtliche ihren Kopf für Maßnahmen hinhalten, über die viel höhere Stellen entschieden haben. Dass der Schwimmverein das Schätzlerbad heuer nicht wie gewohnt öffnen und betreiben kann, haben Forster und ihre Vorstandskollegen überzeugend begründet. Trotzdem ebbt die Kritik der Mitglieder nicht ab. Der Frust sitzt tief. Auf beiden Seiten.
Was sich Ilona Forster vorwerfen lassen muss: Sie hat zu spät und unzureichend auf Fragen geantwortet, ob und wie die Badesaison in Coronazeiten stattfinden kann. Ein Fehler in der Kommunikation. Und als die Antwort endlich kam, entlud sich die angestaute Spannung in einem Proteststurm. Nun lässt sich die Vorsitzende zu einem Gegenschlag hinreißen. Und zum Vorwurf an die – seien wir ehrlich! – allermeisten der rund 6000 Mitglieder, dass sie nur deshalb Beiträge bezahlen, um sich den kostenlosen Eintritt ins Schätzlerbad zu sichern. Sie hätten, so Forster, "die Mitgliedschaft missbraucht".
Diese Bemerkung ist völlig überzogen. Schließlich hat der Schwimmverein den "Bonus" des freien Eintritts einst bewusst geschaffen, über Jahrzehnte gerne beibehalten und auch enorm davon profitiert. Die hohe Mitgliederzahl garantiert dem Schwimmverein Bedeutung und Einfluss, die hohe Beitragssumme schafft Jahr für Jahr ein verlässliches Finanzpolster. Kurz: Als Beitragszahler waren dem SV die Badegäste bisher ganz recht. Sie identifizieren sich nicht mit dem Verein und dem Sport? Das hat der Verein auch nie von ihnen verlangt.
Ein hausgemachtes Problem, das sich jetzt rächt. Die Beitragszahler vermissen plötzlich eine Gegenleistung für ihr Geld. Ilona Forster sollte nicht Öl ins Feuer gießen, sondern sich bemühen, die Wogen zu glätten – mit besserer Kommunikation als bisher. Sie selbst setzt sich zum Ziel, die grundverschiedenen "Ichs" unter den SV-Mitgliedern zu einem "Wir" zusammenzuführen. Ihr Job ist derzeit schwerer denn je.

Ralph Gammanick

 

 

Kommentare

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Günter Kellner

Dass Mitglieder auf die Idee kommen den Mitgliedsbeitrag zurück zu bekommen, weil sie nicht oder eingeschränkt ins Schätzlerbad dürfen, halte ich für nicht angebracht. Wenn man die Jahreskarte für 90 Euro gekauft hätte, lass ich mir eine Rückforderung noch eingehen. Sonst könnte ja jedes Fußballvereinsmitglied seinen Beitrag zurückfordern, weil monatelang keine Spiele sind. Oder wie in meinem Fall, den Jahresbeitrag 2020 für eine Mitgliedschaft in einem Galoppclub e.V. mit 3 Pferden zurückverlangen, weil man nicht zu den Rennen kann. Die laufenden Kosten sind aber trotzdem da. ... Man könnte den Mitgliedsbeitrag 5 Euro höher als die Jahreskarte ansetzen. Mal sehen, wie viele dann noch den Verein unterstützen...............

22.06.2020