12.08.2020 - 12:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Calisthenics-Park am Juz: "Es ist unser Traum, dass die Anlage eine Lawine auslöst"

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Die Calisthenics-Anlage am Jugendzentrum Weiden kommt schon vor der Eröffnung an. Was ist Calisthenics, wer darf die Sportgeräte nutzen und warum geht es dabei um mehr als Fitness? Ewald Zenger und Nico Erhardt klären im Interview auf.

Juz-Mitarbeiter Nico Erhardt macht eindrucksvoll vor, wofür die beiden Stangen auf dem Boden gedacht sind. Ewald Zenger, Geschäftsführer des Stadtjugendrings, spricht mit Peter Göttert (25, links) und Anton Gühl (23), die die neue Calisthenics-Anlage am Jugendzentrum schon intensiv nutzen.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Ende 2017 reichten CSU und SPD einen Antrag zur Erneuerung des Jugendspielplatzes am Juz im Stadtrat ein. Darin äußerten sie auch die Idee, dort eine Calisthenics-Anlage zu installieren. Die neue Anlage wird kommende Woche eröffnet. Ewald Zenger, Stadtjugendpfleger und Geschäftsführer beim Stadtjugendring Weiden, und Nico Erhardt, der beim Juz unter anderem für die Aggressions- und Gewaltprävention zuständig ist, erklären im Interview, was es mit der Anlage auf sich hat.

ONETZ: Was ist Calisthenics?

Nico Erhardt: Calisthenics kennen wir seit nicht einmal zehn Jahren. Die Sportart war in Amerika eine Art Ghetto-Workout. Man trainiert nur mit dem eigenen Körpergewicht, so ähnlich wie beim Turnen, mit Elementen des Parkour und Breakdance. Es gibt klassische Übungen, man kann aber auch freestylen. Manche springen von einer Stange zur anderen, machen Drehungen im Flug. Es geht um Schönheit und Körperbeherrschung.

ONETZ: Ist es ein Einzel- oder ein Gruppensport?

Nico Erhardt: Das Schöne daran ist, dass sich Calisthenics für Gruppen eignet und das Miteinander fördert. Es entwickelt sich eine Eigendynamik: Der eine hilft dem anderen, ohne Zwang und mit schnellen Erfolgserlebnissen. Aber man kann auch alleine trainieren. Viele Jugendliche können sich kein Jahresabo in einem Fitnessstudio leisten. Calisthenics ist für alle Altersgruppen und Fitness-Level gut. Das sieht man bei der Calisthenics-Gruppe Loonybarz aus der Region, die bei unserer Eröffnungsfeier zu sehen sein wird.

ONETZ: Wie ist die Idee für diese Anlage entstanden?

Nico Erhardt: Sie kam von einem Jugendlichen, der in Eschenbach auf der Calisthenics-Anlage trainiert hatte und fragte, warum wir so etwas nicht in Weiden haben.

ONETZ: Haben Sie ein Ziel vor Augen, wenn Sie an die Anlage denken?

Ewald Zenger: Es ist unser Traum, dass die Anlage eine Lawine auslöst. Dass sich die Jugendlichen gegenseitig unterstützen und eventuell jemand eine ganze Gruppe übernimmt. Niemand geht frustriert raus, sondern man kann gemeinsam lernen. Die Anlage kann auch eine Anregung für Vereine sein. Das Negative, was manche Jugendliche mit Vereinen verbinden, ist nicht dabei. Manche haben kein Interesse an Bindungen, Sitzungen, Regelmäßigkeit im Sport.

ONETZ: Zuletzt haben Unbekannte den frisch aufgebrachten Belag beschädigt. Wie ist das ausgegangen?

Ewald Zenger: Der Boden wurde zwei Mal betreten, bevor er ausgehärtet war, trotz Absperrzaun und Plakaten. Wir haben aber nicht den gesamten Belag neu ausgegossen. Das hätte wohl rund 20 000 Euro gekostet. Wir haben die Fußspuren ausgeschnitten und mit grünem Belag gefüllt. Es ist ein optischer Schaden, aber der weiche Untergrund, der vor Verletzungen schützt, wirkt nach wie vor. Die Schadenshöhe wird noch geklärt.

Rückblick: 20 000 Euro Schaden am Belag des Calisthenics Parks

Weiden in der Oberpfalz

ONETZ: Auch eine Erneuerung des Skateparks ist immer wieder im Gespräch. Wie ist der Stand?

Ewald Zenger: Die Stadt hat im Haushalt 500 000 Euro für unsere Außenanlage eingeplant. Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr mit dem Bau der Skateranlage anfangen können. Konkrete Pläne gibt es noch nicht.

ONETZ: Wie läuft es denn im Juz, mitten in der Coronakrise?

Ewald Zenger: Furchtbar. Wir haben seit den Schulschließungen zu. Zurzeit können Gruppen bis zu acht Personen nach Anmeldung ins Juz. Offenheit, Niedrigschwelligkeit, Eigenständigkeit und dass sich die Jugendlichen sorglos begegnen sind eigentlich unser Ziel. Das können wir derzeit nicht erfüllen.

Markus Braun (58) von den Loonybarz zeigt sein Können

September 2017: Stadtratsfraktionen von CSU und SPD stellen Antrag auf umfangreiche Sanierung der Juz-Außenanlage

November 2017: Stadtrat einstimmig für neue Juz-Außenanlagen

Service:

Calisthenics-Sport und Anlage am Juz

  • Calisthenics leitet sich aus den griechischen Wörtern „kalos“ und „sthenos“ ab, was „schöne Kraft“ bedeutet. Schon im alten Griechenland haben Soldaten mit ihrem Körpergewicht ihre Kraft aufgebaut.
  • Die Sportart: Calisthenics ist ein Eigengewichtstraining an Recks, Barren und Stangen. Der Sport stärkt alle Muskelgruppen und fördert die Beweglichkeit. Das Verletzungsrisiko ist gering. Die Übungen werden an das individuelle Fitness-Level angepasst.
  • Die Anlage am Juz: Der Calisthenics-Park ist jederzeit für jedermann kostenlos nutzbar.
  • Suchprävention: Das neue Fitness-angebot am Jugendzentrum dient der Suchtprävention, da Sport Lebenskompetenzen fördert, das Selbstbewusstsein steigert und hilft, Probleme zu kompensieren.
  • Kosten: Der Bayerische Jugendring hat mit einer Spende in Höhe von 10 000 Euro die Anschubfinanzierung ermöglicht. Die restlichen 40 000 Euro für Fallschutz, Landschaftsbau und Geräte hat die Stadt Weiden zur Verfügung gestellt.
  • Eröffnungsfest: Die Anlage wird am Samstag, 22. August, eröffnet. Ab 16 Uhr zeigt die Calisthenics-Gruppe Loonybarz ihr Können und leitet Besucher (soweit es die Coronaregelungen zulassen) an. Es spielt die Band „Loud’n’Proud“.
Finanziert wurde der Calisthenics-Park dank einer Spende des Bayerischen Jugendrings in Höhe von 10.000 Euro und Mitteln der Stadt Weiden.
Anton Gühl (links), Nico Erhardt (Mitte) und Peter Göttert zeigen eine Auswahl der Übungen, die an den Calisthenics-Geräten möglich sind.

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