27.09.2021 - 00:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bundestagswahl 2021 im Wahlkreis Weiden: Jubel bei der SPD, kritische Worte bei der CSU

Uli Grötsch jubelt über das „Wahnsinnsergebnis“ seiner SPD im Bund, legt selbst im Wahlkreis Weiden aber nur minimal zu. Das Direktmandat holt wie gehabt CSU-Mann Albert Rupprecht. Am Ende verpasst ein Dritter knapp den Sprung nach Berlin.

Mit Blumen gratuliert (von links) Bundeswahlkreisgeschäftsführerin Carmen Pepiuk CSU-Mann Albert Rupprecht zum Direktmandat. Derweil freuen sich Weidens Altoberbürgermeister Kurt Seggewiß und SPD-Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch über das gute Abschneiden der SPD auf Bundesebene.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Sie ist zurück bei der SPD: die Feierlaune. Zeigen doch die ersten Prognosen am Sonntag die Genossen als knappe Wahlsieger. „Das hätte vor einem halben Jahr niemand gedacht“, ruft Direktkandidat Uli Grötsch gut 30 Parteifreunden unter großem Applaus in der Weidener Gaststätte „Almrausch“ zu. „Wahnsinn“, freut er sich, und spricht vom Auftrag für die SPD zur Regierungsbildung.

Das Gros der Genossen zeigt sich im Lauf des Abends verhalten optimistisch. Vielleicht auch, weil vom Olaf-Scholz-Rückenwind, der nach dessen Wahlkampfauftritt in Weiden durch die Stadt pfiff, der SPD-Bundestagsabgeordnete selbst im Wahlkreis Weiden nicht wirklich profitieren konnte.

Schnell wieder nach Berlin

Grötsch legt im Vergleich zu 2013 nur minimal zu (plus 0,2 auf 22,5 Prozent). Im Bund klettert die SPD in der Wählergunst immerhin fast 6 Prozentpunkte. Ob der 46-Jährige, den die Töchter Johanna und Verena bei der Wahlparty begleiten, sich mehr erhofft hat? Am Sonntag kann er dazu vor Ort nichts weiter sagen. Grötsch muss schnell weiter – über Regensburg und München nach Berlin. Bereits am Montag, 11 Uhr, warte dort die Partei. Grötschs Wiedereinzug in den Bundestag sichert die Liste ab.

Vor Ort bleibt also alles wie gehabt: CSU-Mann Albert Ruprecht holt das Direktmandat – sinkt aber deutlich in der Wählergunst. Sollten die rund 60 Gäste der CSU im Weidener Postkellersaal enttäuscht sein, groß anmerken lassen sie es sich nicht. Stehend applaudieren sie Rupprecht gegen 20 Uhr. 2022 wird er dem Bundestag 20 Jahre lang angehören. Zwar hat der 53-Jährige nochmals knapp 8 Prozentpunkte im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 verloren und seit 2013 insgesamt 17 Prozent, für das Direktmandat reichen seine 38,5 Prozent vom Sonntag aber immer noch locker. Seine Verluste spiegeln ziemlich exakt den Bundestrend der Union wider. Vor den Parteifreunden wirkt der Albersriether erleichtert, dass ein „brutal anspruchsvoller Wahlkampf“, so Rupprecht, endlich zu Ende ist. Er zählt auf: Corona, die lange ungelöste Kandidatenfrage, ein Hauptgegner, der erst Grüne, dann plötzlich SPD hieß.

„Es sind Fehler passiert“

Und: „Es sind Fehler passiert“, bekennt Rupprecht. Was er damit genau meint, will er bei der Landesgruppensitzung am Dienstag in Berlin vortragen. Die Personalie Laschet? „Natürlich hätte Söder ein besseres Ergebnis gekriegt“, sagt der Bundestagsabgeordnete im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. „Der Führung von CDU und CSU“ lastet er jedoch an, dass die Kandidatenfrage lange nicht eindeutig geklärt war. Nun gelte es, dem Anspruch der Union als prägende Volkspartei auch in Zukunft gerecht zu werden.

Auf Platz drei im Wahlkreis Weiden: Direktkandidat Manfred Schiller und die AfD, die rund 10,3 Prozent der Erst- und 11,3 Prozent (minus 2,1 Prozentpunkte) der Zweitstimmen einfahren. Ob es für den 60-jährigen Stadtrat Schiller zum Einzug in den Bundestag reichen würde, war am Sonntagabend lange unklar. Am späten Abend dann erklärt der AfD-Kandidat, den Sprung nach Berlin voraussichtlich um Haaresbreite verfehlt zu haben. 14 Listenkandidaten der AfD ziehen in den neuen Bundestag ein. Schiller ist Nummer 15.

Von den Verlusten der CSU profitierten offenbar insbesondere Tobias Groß und seine Freien Wähler, die 7,1 bzw. 9,2 Prozent der Stimmen erhielten und sich damit noch vor Silke Klotz und der FDP (4,8/7,3 Prozent) platzierten. Anne Droste und die Grünen können im Wahlkreis zwar zulegen (1,5 beziehungsweise 2 Prozentpunkte), bleiben aber mit 5,0 bzw. 7,0 Prozent weit hinter dem Bundesergebnis ihrer Partei zurück. Und auch Einzelkämpfer Konrad Dippel dürfte schwer enttäuscht sein. Nur 7,1 Prozent geben diesmal dem Trabitzer ihre Stimme – satte 2 Prozentpunkte weniger als 2017.

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Info:

So viel mehr Menschen wählen im Wahlkreis Weiden

  • Die Wahlbeteiligung steigt: 2021 liegt sie im Wahlkreis Weiden bei 79,8 Prozent und damit um 2 Prozentpunkte über dem Wert von 2017.
  • Insgesamt geben 132 274 Menschen ihre Stimme ab.
  • Wahlberechtigt sind 165.807.

 

 

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