22.02.2021 - 15:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Brücken bauen in frühe Bildung": Projekt in Weiden ein voller Erfolg

Mit Musik geht alles leichter: Selbst Sprachen lernen oder neue Freunde finden. Kein Wunder also, dass bei dem Projekt "Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung" in Weiden musikalische Aktionen besonders beliebt waren.

Kinder kennen keine Vorurteile, was Herkunftsland, Hautfarbe oder sozialen Status betrifft, haben die Akteure in Weiden festgestellt. Kleine Kinder schließen schnell Freundschaften und verstehen sich oft auch ohne Worte.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Ein Tonstudio im Kleinformat, ein Sinnespfad, bei dem die Kinder selbst mit Hand angelegt haben. Dank der Fördermittel, die über das Bundesprogramm "Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung" flossen, konnten Kindertagesstätten in Weiden Projekte realisieren, die sonst kaum möglich gewesen wären. Als vollen Erfolg werten Michael Trummer vom Amt für soziale Dienste und Beratung der Stadt Weiden sowie Martina Weiß von der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration ("gfi") die erste Phase, die nach etwas mehr als drei Jahren im Dezember endete. Und sie freuen sich, dass die Bundesregierung beschlossen hat, das Programm 2021 und 2022 fortzusetzen und weitere Mittel bereitzustellen.

"Musik war ein beliebtes Thema", bestätigt Martina Weiß. Sie leitet die bei der "gfi" angesiedelte Koordinierungs- und Netzwerkstelle für das Brücken-Programm in Weiden. Der Kindergarten St. Dionysius in Neunkirchen war eine der ersten Einrichtungen, die sich beteiligt haben. Mit einem Percussions- und Musikprojekt, das mit einem besonderen Clou endete. Die Buben und Mädchen nahmen im Tonstudio des Kindergartens eine CD mit Kinderliedern auf. Auch die Kindergärten Kreuz Christi, Lorenz Werthmann und Spatzennest (AWO) realisierten Musikprojekte. Weiß: "Die nötige Ausstattung mit Instrumenten, Mikrofonen oder was sonst nötig war, wurde über das Bundesprogramm finanziert."

Im Kindergarten St. Elisabeth haben die Buben und Mädchen gemeinsam mit Kindern von außerhalb die Felder des Sinnespfades befüllt und dabei zugleich neue Kontakte geknüpft. Bei einem Tag der offenen Tür erhielten interessierte Familien zudem Einblick in den Kindergartenalltag.

Einstieg in Kita erleichtern

Ziel des Bundesprogramms ist es, Kindern aus sozial schwachen Familien oder aus anderen Kulturen den Einstieg in den Kindergarten zu erleichtern und eine qualitativ hochwertige Bildung zu ermöglichen. Deshalb setzen die Akteure auch schon im Vorfeld an. Zum Beispiel mit der Vorschulgruppe "Schlaue Füchse", die im März 2020 ins Leben gerufen wurde. Bei diesen Freitagstreffen sollen Kinder aus Migrantenfamilien, die noch keinen Kita-Platz haben, die ihnen in der Regel fremden Strukturen einüben und erste Wörter lernen, damit sie im Kita-Alltag dann besser zurecht kommen. Zugleich erhalten die Eltern Einblicke in die Kita-Struktur, Kontakte zu Kindertagesstätten oder Spielgruppen.

Bildung beginnt vorm Kindergarten

Weiden in der Oberpfalz

Natürlich wurden auch die "Schlauen Füchse" durch die beiden Corona-Lockdowns ausgebremst, räumt Martina Weiß ein. "Unsere Fachkräfte haben die Familien aber weiter mit Fördermaterial versorgt. Zum Beispiel mit kurzen Geschichten auf Deutsch, zu denen Ausmalbilder gehörten für Schwungübungen, mit denen die Kinder ihre Feinmotorik trainieren können. "Auch Stifte, Schere und Kleber waren mit dabei." Das gilt auch für die Kinder, die den Vorschulkurs in der Gemeinschaftsunterkunft besuchen. "Sobald es die Lockerungen möglich machen, werden die Treffen wieder aufgenommen." Martina Weiß hofft, dass das bereits im März der Fall ist. Von Seiten der "gfi" sind die Sozialpädagogin Anna Bauer und die Erzieherin Bianca Kiener-Dittrich für die Betreuung zuständig in enger Kooperation mit Leila Smekal von der Fachstelle Kindertagesbetreuung der Stadt Weiden.

Freie Plätze schwer zu finden

Ein wichtiges Ziel 2021 und 2022 werde weiterhin sein, Eltern bei der Suche nach einem freien Kindergartenplatz zu unterstützen, erklärt Weiß. Denn einen zu finden, das sei in Weiden aktuell gar nicht so einfach, von den coronabedingten Schließungen einmal abgesehen. Das gelte auch für deutsche Eltern, die beispielsweise während des Jahres nach Weiden ziehen und auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind. "Wir helfen Migranten außerdem, sich auf dem neuen Kita-Online-Portal zurecht zu finden." Menschen aus Tschechien, Iran, Somalia oder Syrien suchen da Hilfe. Ist ein Platz gefunden, begleiten die "gfi"-Mitarbeiterinnen die Eltern auf Wunsch zu den ersten Terminen und sorgen – falls nötig – für einen Dolmetscher. "Die Übersetzungsarbeit übernehmen oft Eltern, die wir durch das Projekt kennengelernt haben."

Diam und Nahom (von links) beim Vorschulkurs in der Weidener Gemeinschaftsunterkunft im Jahr 2019.

"Alle Projekte waren super spannend, für uns vor allem die Kontakte mit den Eltern aus anderen Ländern, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben", freut sich Weiß. In diesem und nächstem Jahr sollen die bereits gestarteten Aktionen fortgesetzt und weiter gefestigt werden. Weiter ausgebaut werde außerdem die Fortbildung für Fachkräfte. "Und wir hoffen, die Kommunen davon zu überzeugen, dass sie das Programm auch nach 2022 weiter fortsetzen", spricht die Leiterin der Weidener Koordinierungsstelle eine Hoffnung aller am Bundesprogramm beteiligten Akteure aus.

Hintergrund:

Programm "Kita-Einstieg" in Zahlen

  • 400 bis 500 Kinder im Vorschulalter wurden über das Programm "Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung" in Weiden erreicht.
  • 100 bis 200 Elternteile in Weiden haben das Programm genutzt
  • Erste Projektphase von November 2017 bis Ende Dezember 2020: Finanzvolumen rund 535 000 Euro, davon Förderanteil durch Bundesmittel rund 482 000 Euro.

 

 

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