17.02.2020 - 08:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

BRK-Pilotprojekt in Weiden-Neustadt: Nachschub für Essen auf Rädern rollt

Fast täglich erhält Klaus Laube beim BRK eine Anfrage nach Essen auf Rädern. Doch er muss absagen: Die Kapazitäten sind erschöpft. Die Anrufer sind enttäuscht. Das ändert sich jetzt: Ab März startet das Rote Kreuz ein Pilotprojekt.

Sie freuen sich, dass sie demnächst mehr Kunden mit warmen Mahlzeiten beliefern können: (von links) BRK-Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer, stellvertretende Kreisgeschäftsführerin Edeltraud Sperber, Thorsten Gradl (Leiter Sozialdienst) und Klaus Laube (Sachbearbeiter Essen auf Rädern).
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Seit 2019 sind die Anfragen beim BRK-Kreisverband Weiden-Neustadt nach dem Essensdienst enorm gestiegen. Nicht nur, weil andere Anbieter ihren Service in den letzten Jahren eingestellt haben. „Die Alterspyramide wächst. Die Nachfrage boomt, vor allem in ländlichen Gebieten. Schließlich werden die gutbürgerlichen Gasthäuser auch immer weniger“, zählt Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer auf. „Den Metzger von nebenan gibt’s auch fast nicht mehr“, fügt seine Stellvertreterin Edeltraud Sperber hinzu.

„Ihr als Rotes Kreuz müsst’s das doch machen.“ Diesen Satz bekam Klaus Laube als Sachbearbeiter für Essen auf Rädern mehrfach zu hören. Er weiß: Die Ansprüche an das BRK sind groß. „Wir wollen diesen Ansprüchen gerecht werden.“ Deshalb haben die Rotkreuz-Verantwortlichen nach einer Lösung gesucht. Und sie gefunden.

Neues Angebot ab März

Ab Montag, 2. März, bietet das BRK eine neue Form von Essen auf Rädern an: Die Heiß-Auslieferung von Mahlzeiten, die bis zu einem bestimmten Grad vorgegart beim Roten Kreuz ankommen, dort tiefgekühlt gelagert werden. Am Tag der Bestellung werden sie 70 Minuten lang bei niederer Temperatur schonend regeneriert, wie der Fachmann sagt. Sprich: Sie werden fertig gegart, dann warm ausgeliefert.

Die Kunden erhalten jeweils Speisepläne für zwei Wochen, aus denen sie ihre Menüfolge zusammenstellen. Täglich stehen zwei Gerichte zur Wahl. Laube: „Dabei achten wir stark auf Abwechslung und Ausgewogenheit.“ Die Kosten pro Menüschale (Hauptgericht plus Dessert, keine Vorspeise) betragen 8,50 Euro inklusive Lieferung. „Wir hatten ursprünglich mit unter 8 Euro kalkuliert“, sagt Edeltraud Sperber. Doch seit 1. Januar unterliege dieses Angebot der Wohlfahrtsverbände der Mehrwertsteuerpflicht. „Deshalb mussten wir die Preise leider neu berechnen.“ Gut möglich, dass andere Organisationen da noch nachziehen müssen.

Auch Tiefkühlkost

Neben den sogenannten Heiß-Menüs bietet das Rote Kreuz schon lange Tiefkühlkost an. Die ausgewählten Gerichte werden dem Kunden einmal pro Woche geliefert. Der kann so selbst entscheiden, wann er das Kalbsgeschnetzelte isst und wann den Wirsing-Möhren-Eintopf. Er muss aber noch so fit sein, dass er das Essen selbst in der Mikrowelle aufwärmen kann. „Viele sind damit überfordert“, weiß Laube. Nur 10 bis 15 Kunden in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN beziehen derzeit die Tiefkühlgerichte.

Auch Warmlieferungen gab es bisher schon. Die werden für Bestandskunden auch beibehalten. Etwa 40 Bürger aus Weiden, Weiherhammer, Luhe und Parkstein beziehen ihr Essen aus der Küche des BRK-Seniorenheims in Weiden. Rund 20 werden mit Essen des Seniorenheims in Eschenbach versorgt. Sozialdienstleiter Thorsten Gradl: „Das reicht von Grafenwöhr und Kirchenthumbach bis fast nach Kemnath.“ Nur für das Wochenende basteln die Verantwortlichen hier noch an einer Lösung. Weitere 20 Kunden im Raum Vohenstrauß versorgt das Rote Kreuz mit Essen aus einem Pleysteiner Gasthaus. „80 Bürger“, rechnet Gradl hoch. „Mehr war auf diese Art nicht zu machen.“

Dank der neuen Zubereitungsart – bezogen werden die Mahlzeiten über einen Lieferanten, der BRK-Verbände bundesweit versorgt – könne das Angebot beliebig ausgeweitet werden, versichert Laube. „Wir müssen dann eben mehr Fahrer einsetzen.“ Haupt- und ehrenamtliche BRK-Mitglieder gehen auf Tour. „Unsere Fahrer holen schon mal die Gabeln aus dem Schub oder passen auf, dass der Kunde wirklich zu essen anfängt“, erzählt Sperber. „Viele Angehörige sind beruhigt, wenn sie wissen, unser Fahrer kommt beim Opa vorbei.“ Interessenten wenden sich an Klaus Laube, Telefon 0961/3900232, oder: ear[at]kvweiden.brk[dot]de

Folgende Wohlfahrtsverbände liefern in Weiden und Kreis Neustadt noch aus:

Arbeiterwohlfahrt Weiden: Mit durchschnittlich 130 Essen pro Tag, in Spitzenzeiten bis zu 150, bedient die Arbeiterwohlfahrt Weiden aktuell die meisten Kunden. "Bei 150 Portionen am Tag geraten wir an unsere Grenzen", räumt Denis Parchomenko ein. Der Leiter des AWO-Seniorenheims Hans Bauer hat auch den Essensservice unter sich. Gekocht wird im Altenheim Hans Bauer. Die frisch zubereiteten Gerichte werden in Wärmebehältern ausgeliefert. Jedes Menü - Vorspeise, Hauptgericht und Dessert - kostet 6,80 Euro (inklusive 1,80 Euro für die Anlieferung). Täglich stehen zwei Menüs zur Wahl. "Wir bemühen uns, möglichst immer ein Gericht mit und ein Gericht ohne Fleisch anzubieten." Unter den 130 Portionen sind im Schnitt 30, die von der Arbeiterwohlfahrt Neustadt abgeholt und in Neustadt, Altenstadt/WN und Störnstein ausgeliefert werden. Kosten bei der AWO in Neustadt: 7 Euro inklusive Lieferung.

Den Rest übernehmen Fahrer der AWO Weiden, wobei die Kunden zum Großteil im Stadtgebiet wohnen, aber auch in Pirk. "Wir mussten schon Kunden ablehnen oder auf die Warteliste setzen", bedauert Parchomenko. Mit rund 900 Essen pro Tag sei die AWO-Küche aber voll ausgelastet. Denn sie verköstige nicht nur die Bewohner des Hans-Bauer-Altenheims, sondern versorge außerdem Kitas, Schulen und andere Altenheime. Dafür seien täglich acht Fahrer im Einsatz. Bei weiteren Interessenten an Essen auf Rädern, würden die Mahlzeiten nicht mehr rechtzeitig eim Kunden ankommen. "Ich empfehle deshalb andere Essensdienste oder biete als Alternative unseren offenen Mittagstisch im Heim an." Interessenten können hier für 5 Euro pro Menü ihr Essen im Speisesaal des Hans-Bauer-Altenheims einnehmen. Die Tage sind frei wählbar.

Diakonisches Werk Weiden: Zwischen 30 und 35 Menüs pro Tag liefert die Sozialstation der Diakonie aus. Je nach Bestellung, denn nicht jeder Kunde möchte täglich beliefert werden. Weitere Interessenten können aktuell nicht mehr angenommen werden. Täglich stehen zwei Essen zur Auswahl. Sie werden im Eleonore-Sindersberger-Altenheim frisch zubereitet und in Wärmebehältern ausgeliefert. Jedes Menü kostet 5 Euro plus 1,80 Euro für die Anlieferung. Das Angebot gilt inzwischen ausschließlich im Stadtgebiet, nur einige Stammkunden außerhalb werden noch bedient.

Caritas-Sozialstation Vohenstrauß mit den Außenstellen Floß und Flossenbürg: Ausgefahren werden im Schnitt 73 Portionen pro Tag. 36 Mahlzeiten werden im Prälat-Walter-Siegert-Altenheim in Vohenstrauß zubereitet. Hier stehen jeweils zwei Menüs zur Wahl. Ausgeliefert wird nach Angaben von Pflegedienstleiterin Ramona Pfaff in Vohenstrauß, Tännesberg, Letzau, Moosbach, Leuchtenberg, Oberlind, Waldau und Waldthurn. Dazu kommen 10 Portionen aus dem Gasthaus "Regina" und 4 Portionen aus dem Seniorenheim "Am Kreuzberg", für Kunden in Pleystein, Waidhaus und Eslarn sowie 23 Portionen aus dem Gasthof Schaller für den Bereich Floß und Flossenbürg.

"Wir lehnen niemanden ab", betont Pfaff. "Dann bestellen wir eben in den Gasthäusern mehr Portionen. Was sollen die Leute sonst machen? Wir fahren sogar bis nach Trauschendorf." Wer sein Essen aus dem Vohenstraußer Altenheim bezieht, hat die Wahl zwischen zwei Menüs. "Bei den Gasthäusern gibt es keine Auswahl." Die Preise variieren je nach Bezugsquelle, weshalb die Pflegedienstleiterin hier keine Zahlen nennen möchte. Das Essen wird warm gebracht. Die Bestellung ist von ein Mal bis sieben Mal die Woche möglich.

Caritas-Sozialstation Grafenwöhr: Rund 20 Kunden werden versorgt. Die Mahlzeiten für die Bezieher in Grafenwöhr werden im Altenheim St. Sebastian zubereitet. "Die Essen für die restlichen Kunden von Mantel bis Kirchenthumbach besorgen wir in Gasthäusern oder Altenheimen", berichtet Pflegedienstleiterin Johanna Schüller. Deshalb variieren die Preise stark. Sie reichen von 4,50 bis 7 Euro.

Der Allgemeine Rettungsverband (ARV) Oberpfalz bietet in der Sozialstation in Erbendorf noch Essen auf Rädern an. 30 Kunden werden damit versorgt. "Wir kaufen das Mittagsmenü im BRK-Altenheim und bringen es zu unseren Patienten", erklärt Geschäftsführer Helmut Sturm. Preis: 7 Euro. "Bei 30 Patienten lohnen sich die Touren mit Mini-Jobbern." Früher hätten das vor allem Zivildienstleistende gemacht, aber die gebe es ja nicht mehr.

In Weiden und Tirschenreuth bietet der ARV seinen Patienten folgende Möglichkeiten an: Für 14 Patienten in Weiden holt der ARV das Essen bei der Arbeiterwohlfahrt ab. "Wir vermitteln das nur und liefern es umsonst. Die Abrechnung erfolgt über die AWO." 13 Kunden in Tirschenreuth werden vom ARV mit Essen aus Gaststätten beliefert. Die Anlieferung kostet 2 Euro. "Unsere Pflegekraft bringt das Essen mit. Der Gastwirt rechnet mit den Patienten die Essenskosten ab."

Drei Verbände haben den Essensservice eingestellt

Eine ganze Reihe von Anbietern in der Region hat in den vergangenen Jahren den Essensservice eingestellt. "Das war schon weit vor meiner Zeit", erklärt Daniel Bronold, Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes, der deshalb auch keine Angaben zu den Gründen machen kann. Nur so viel: Etwa seit Anfang der 2000er Jahre werde von der Caritas in Weiden kein Essen auf Rädern mehr angeboten.

Die Ambulante Krankenpflege der Katholischen Kirchenstiftung St. Georg in Neustadt hat ihren Essensservice im Jahr 2017 eingestellt. "Wir wussten, dass das Caritas-Altenheim in Neustadt noch andere Einrichtungen der Caritas mit Essen beliefern sollte, und haben deshalb unser Angebot damals beendet", erklärt Rudolf Kneidl, Geschäftsführer der ambulanten Krankenpflege.

Bereits ein Jahr vor der Kirchenstiftung - also 2016 - beendete der Malteser-Hilfsdienst Weiden den Mahlzeitenservice. Zum einen war nach Angaben von Dienststellenleiter Dieter Landgraf die Nachfrage stark zurückgegangen. Zum anderen sei der Kostendruck gestiegen. "Wir haben in einem größeren Umkreis ausgeliefert, zum Beispiel bis Luhe. Täglich zwei bis drei Touren. Das bedeutet hohe Fahrtkosten. Dazu kamen Lohnsteigerungen. Hätten wir das auf die Menüpreise umgelegt, wäre das nicht mehr bezahlbar gewesen." Rund 40 Männer und Frauen bezogen zuletzt noch Essen auf Rädern von den Maltesern. Der MHD habe versucht, sie an andere Anbieter weiterzuvermitteln. "Aber da hieß es oft, wir haben keine Kapazitäten mehr. Oder: Wir beliefern nur Personen, die bereits anderweitig bei uns Kunden sind."

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