01.12.2021 - 18:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Booster-Impfung mit Moderna: Ärzte müssen viel Überzeugungsarbeit leisten

Der Impfstoff von Biontech ist in den Impfzentren und bei Hausärzten im Moment rar. Beim Boostern ist Moderna angesagt. Von ihm gibt es noch genügend. Doch nicht jeder will den Stoff haben. Für die Ärzte bedeutet das viel Redebedarf.

Der Impfstoff von Moderna ist beim Boostern in den Impfzentren und bei Hausärzten in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN im Moment erste Wahl. Die Liefermenge für Biontech wurde stark reduziert.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Im Aufklärungsgespräch kann es der Arzt im Impfzentrum kaum glauben. Die 54-jährige Frau, die bereits zwei Mal mit Biontech geimpft ist, hat kein Problem damit, dass ihr als Drittimpfung das Vakzin Moderna gespritzt werden soll. Dass es auch anders laufen kann, erleben die Mediziner in diesen Tagen jedoch mehr als ihnen lieb ist. Da reagieren Impfwillige plötzlich ungehalten, reißen sich die Maske vom Gesicht und verlangen nach einer Impfung „nur mit dem guten Stoff Biontech“. „Der ist aktuell aber den unter 30-Jährigen vorbehalten“, erklärt Impfzentrumsleiter Sebastian Seibert gegenüber Oberpfalz-Medien. „Wir müssen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) Folge leisten. Uns sind da die Hände gebunden.“

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bundesregierung das Lieferkontingent für Biontech stark eingeschränkt hat. Seibert nennt Zahlen. Im Normalfall werde das Impfzentrum Weiden mit den Außenstellen Pressath und Vohenstrauß mit 3000 bis 3500 Impfdosen beliefert. „In der letzten und in dieser Woche waren es gerade einmal 600 Dosen. Das ist nur ein Bruchteil“, bedauert Seibert. Er hofft demnächst wieder auf eine Steigerung der Liefermenge. Zum Glück gebe es – zumindest im Moment – von Moderna noch genügend Vorrat.

Unmut nimmt zu

Doch nicht jeder möchte sich mit diesem mRNA-Impfstoff boostern lassen. Und so nimmt der Unmut der Bürger zu. Seibert hat zum Teil dafür Verständnis. Er sagt aber auch, dass „Studien zeigen, dass die Wirkung sowie der Aufbau von Moderna als Boosterung oder als Zweitimpfung mindestens gleich wirksam ist“. Moderna sei keinesfalls wirkungsloser als Biontech. Dass sich auch viele nach dem Arztgespräch umentscheiden, einfach, weil sie geschützt sein wollen, stimme ihn wieder froh.

Impfen auch sonntags

Über die Impfzentren haben bislang insgesamt 59 216 Menschen eine Erstimpfung erhalten (in den vergangenen 7 Tagen 382), 57 144 sind zwei Mal (in den vergangenen 7 Tagen 366) und 9164 Menschen drei Mal geimpft (in den vergangenen 7 Tagen 2975). Das ist vor allem bei den Booster-Impfungen ein ordentlicher Zuwachs.

Damit das so weitergeht wurden nochmals die Kapazitäten nach oben geschraubt. Die Impfzentren bieten nun von Montag bis Sonntag Impftermine an (siehe Infokasten). Aufgestockt wurde auch das Personal. Aktuell schieben 130 Mitarbeiter bis zu 10 000 Stunden Dienst. Im September waren es 50 Mitarbeiter, so Seibert. Seit dem 1. Dezember unterstützen das Team wieder zehn Bundeswehrsoldaten, drei Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und zwei Mitarbeiter der Stadt Weiden. Auch ein Sicherheitsdienst helfe seit dieser Woche bei der Organisation. „Es gibt genügend Impftermine“, sagt Seibert. „Sie werden sukzessive freigeschaltet und automatisch online gestellt. Am Dienstag wurden bereits Termine bis zum 10. Januar freigegeben.“ Aber auch bis zum 24. Dezember gebe es noch wenige Plätze.

Auch in den Hausarztpraxen der Stadt Weiden und im Landkreis Neustadt/WN wird fleißig geimpft – und noch mehr geredet. „Mit der Verknappung von Biontech wurde uns ein Knüppel zwischen die Beine geworfen“, ärgert sich Dr. Martin Poschenrieder, hausärztlicher Sprecher im Kreis. Von den zugesagten 48 Dosen gab es nur 30. Für kommende Woche seien es sogar nur 18 Impfdosen Biontech. Das verunsichere die Patienten und er müsse nun noch mehr aufklären, warum Moderna ein ebenso hervorragender Impfstoff sei. Der Impfschutz halte sogar etwas länger an und die Verträglichkeit sei vergleichbar, wiederhole er bei den Impfsprechstunden gebetsmühlenartig. Seine Kollegen tun es ihm anscheinend gleich, denn die Impfzahlen waren in den vergangenen sieben Tagen erfreulich hoch.

  • Stadt Weiden: 24 013 Impfungen insgesamt; davon Erstimpfungen 10 326 (Vorwoche 10 205), Abschlussimpfungen 11 039 (Vorwoche 10 927), Auffrischungen 2648 (Vorwoche 1722).
  • Landkreis Neustadt/WN: 52 329 Impfungen insgesamt; davon Erstimpfungen 21 456 (Vorwoche 21 124), Abschlussimpfungen 23 377 (Vorwoche 23 119), Auffrischungen 7496 (Vorwoche 4422).

„Im Landkreis haben sich letzte Woche 3664 Personen impfen lassen. Das ist neuer Rekord“, freut sich der Arzt. Zusammen mit den 1159 Impfungen in Weiden seien so fast 5000 Menschen versorgt worden. Das dürfe gern so weitergehen.

Über 100 neue Coronafälle

Weiden in der Oberpfalz

Online-Terminvereinbarung für Impftermine

Info:

Impfungen 7 Tage in der Woche möglich

  • Alle drei Impfzentren in Weiden, Pressath und Vohenstrauß haben seit dem 1. Dezember an sieben Tagen in der Woche (Montag bis Sonntag) geöffnet.
  • Öffnungszeiten: 9 bis 18 Uhr
  • Eine Online-Terminvereinbarung vorab ist zwingend erforderlich
  • Impf-Sonderaktion im NOC bis auf weiteres jeden Freitag von 13 bis 18 Uhr (nur mit Online-Anmeldung)

 

 

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