16.05.2021 - 18:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mit Bierdoktor Johannes Sauer den Geschmack sensibilisieren und Bierwissen diskutieren

Online miteinander anstoßen, Biere verkosten, Hopfenwissen teilen und Gutes tun. Die Teilnehmer des "Lichtblicke"-Tastings mit "Bierdoktor" Johannes Sauer saßen nicht nur in der Oberpfalz vor dem Laptop und PC.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

Zur Entdeckung für viele Gäste des Bier-Tastings zugunsten der Aktion "Lichtblicke" wurde am Freitagabend die Zoiglwerkstatt aus Wernberg, eine der jüngsten Brauereien der Region. "Ich habe mir vorgenommen, mal in die Oberpfalz zu kommen und die Zoiglwerkstatt zu besuchen", sagte Anna-Lena Diehl, die im hessischen Neuberg an der Verkostung mit "Bierdoktor" Johannes Sauer teilnahm.

Der aus Neustadt stammende Nürnberger Radiologe habe mit seiner einleitenden Erklärung einen Leitfaden durch den Abend mit fünf regionalen Bieren gegeben, urteilte Diehl. "Ich fand es sehr gut, dass diese Kleinbrauereien drankamen." Ursprünglich sei sie ein Fan des Bergdoktors und folge dem Schauspieler Hans Sigl auf Instagram. Durch dessen Live-Chat mit dem Bierdoktor wurde sie auf Dr. Sauer aufmerksam, ist seitdem mit ihm per sozialen Medien in Kontakt und erfuhr so von der "Lichtblicke"-Aktion.

"Solche Abende sind in diesen Zeiten eine schöne Abwechslung zum Lockdown und Fernseher", resümierte Sauer über die Veranstaltung. Offenbar sahen das viele Bierliebhaber ebenso. Die Karten für die 50 Verkostungssets waren innerhalb von drei Tagen ausverkauft. Vor den Laptops und PCs saßen altersmäßig bunt gemischt zahlreiche Neustädter und Weidener sowie einige aus anderen Orten der Oberpfalz bis hinunter nach Burglengenfeld. Darüber hinaus gab es Gäste in ganz Deutschland wie Anna-Lena Diehl aus der Nähe von Frankfurt, ein Kollege von ihr in Duisburg und einen Fan des Bierdoktors in Hamburg, der schon bei mehreren Bierseminaren von Sauer dabei war.

Für die Veranstaltung habe man sich ganz im Sinne von #oberpfalzverbunden für Biere von Brauereien aus der Region entschieden, sagte Geschäftsführende Verlegerin Viola Vogelsang vom Verlagshaus Oberpfalz-Medien. Diese Aktion hat das Medienhaus im vergangenen Jahr zur Unterstützung des regionalen Handels ins Leben gerufen. #oberpfalzverbunden ist aber noch mehr: Es verbindet die Region mit Informationen und Themen, sorgt so für einen Austausch und fördert den Zusammenhalt in der Region. „Deshalb liegt der Fokus dieser Veranstaltung auf regionalen Gerstensäften.“

Hartes Wasser sei besser für dunkle Biere geeignet, weiches für Helle. "So haben sich die Bierstile geografisch entwickelt", informierte Sauer zu Beginn und gab einiges an Hintergrundwissen zum Brauprozess sowie die Grundstoffe Malz, Wasser, Hopfen und Hefe weiter. "Meine Lieblingspflanze ist der Hopfen." Der kommt entweder als Bitterhopfen beim Würzekochen in das spätere Bier, um seine Bitterstoffe abzugeben oder erst relativ spät als Aromahopfen. "Für meine Rumplerweiße koche ich die Dolden vom Nachbarn der Eltern in Neustadt eine Stunde mit", verriet der Bier-Sommelier und Hobbybrauer. Für Schmunzeln sorgte die Bemerkung, dass er für seine kleine gasgefeuerte Brauanlage anders als die großen Brauereien kein Rührwerk habe. "Deshalb musste mein Vater rühren."

"Die, die moderat ab und zu Bier trinken, leben länger als die, die zu viel oder nichts trinken."

"Bierdoktor" Johannes Sauer

Hopfen gehöre zu den Hanfgewächsen, wirke antioxidativ und gegen zellulären Stress. Eine gewisse Wirkung gegen Demenz sei bewiesen. „Das schlechte am Bier ist das Zellgift Alkohol“, warnte der Mediziner. 20 bis 24 Gramm Alkohol beim Mann und 12 bis 14 Gramm bei der Frau pro Tag nannte er als tägliche Höchstmenge. Das entspricht etwa 0,6 Liter Bier für Männer und 0,33 für Frauen. Dr. Sauers Empfehlung: „Man sollte nicht täglich Alkohol trinken.“ Die Dosis mache das Gift. „Das gesündeste Bier ist das alkoholfreie.“ Sauer hatte für Bierliebhaber etwas tröstliches parat: „Die, die moderat ab und zu Bier trinken, leben länger als die, die zu viel oder gar nichts trinken.“

"Frisch, blumig, fruchtig mit leichten Zitrusnoten." Mit diesen Worten beschrieb der Sommelier den Geschmack des Flosser Kellerpilses, dem ersten Gerstensaft in der Verkostung. "Fast zu süß für ein Pils", bemerkte ein aus Thüringen stammender Teilnehmer. Warum Kellerpils? "Weil es nicht ganz klar ist, sondern noch Hefe enthält", erklärte Bierexperte Sauer.

Vor dem Testen des hellen Zoigls aus Wernberg, machten Inhaber Felix Weinfurtner und Markus Eismann einen Live-Rundgang durch die Kleinbrauerei, in der sie an diesem Tag einen Sud gebraut hatten, der frisch im Gärbottich lag. 7 Hektoliter können sie auf einmal brauen. Der Lagerkeller fasst in vier Tanks insgesamt 4000 Liter. Die umgebaute Industriespülmaschine schafft 180 Flaschen pro Stunde. "Die Hauptarbeit beim Brauen ist das Saubermachen", berichtete Eismann, der Neffe des Altenstädter Kultbrauers Michael Eismann. Bis hin zu den Etiketten, die sie mit dem Tintenstrahldrucker herstellen, sei alles bei der Zoiglwerkstatt handgemacht.

"Süßlich, honigartig mit einer angenehmen, gefälligen Bitternote", attestierte Sauer dem Bier. In 100 Kilogramm Malz sind bei den Wernbergern rund 10 Prozent Karamellmalz. Das enthält einen Zucker, den die Hefe nicht verwerten kann und das für einen guten Malzcharakter sorgt. Ideales Glas nach Sauers Worten ist der weitverbreitet Willybecher. "Der Mundraum wird gleichmäßig vom Bier geflutet und bringt die gesamte Geschmackbreite zur Geltung."

Bei den ersten Schlucken habe ihn die Kohlensäure fast erschlagen, schaltete sich Lukas Konz ein. "Am Ende des Glases ist das Bier so, wie ich es vom Windischeschenbacher Zoigl kenne." Weinfurtner antwortete, dass er sich etwas abheben wolle vom klassischen Zoigl mit ein wenig mehr Kohlensäure. "Die stammt ausschließlich aus der Gärung."

Einen ganz anderen Geschmack zeigte das Konrad Max Kunz Weißbier. Die Weißbierbrauerei Plank in Wiefelsdorf hat dieses stärker eingebraute Festbier zum 200 Geburtstag des aus Schwandorf stammenden Komponisten der Bayern Hymne hergestellt. Bekannt ist die zu Naabecker gehörende Braustätte in der Nähe von Schwandorf für ihr Jura Weizen. Sauer sprach beim Verkosten von einem ausgeprägten karamelligen Malzkörper sowie von der Hefe stammenden Fruchtaromen nach Pfirsich, Banane und Birne. Er selbst sei ein Weißbierfan. Doch der Trend gehe wieder weg vom Weizen, berichtete Sauer. „Einige Weißbierbrauereien setzen zusätzlich auf Helles.“

Einen fruchtigen Duft schickte das Hop! Hop! Hop! aus dem Glas in die Nase. Nur 20 Prozent des Geschmacks nimmt der Mensch direkt im Mund auf. Der weit überwiegende Teil geschehe über das Riechorgan orthonasal, das heißt von vorne und retronasal, was an Aromen beim Hinunterschlucken wieder nach oben steige, berichtete der Bierdoktor. Das Flosser Spezialitätenbier gehört zu der Kategorie, die man hierzulande oft als Craft-Beer versteht. Es ist dreifach hopfengestopft. Die Hopfensorten Enigma, Simcoe und Citra geben ihm Noten von provozierender Ananas, harzigen Pinienaromen und Citrusanklängen verbunden mit einer ausgeprägten Bittere und fruchtiger Süße.

"Zoiglbier ist für mich keine Biersorte, sondern das Drumherum, das Gemütliche, das vom Bürger für Bürger gebraute Bier", sagte Wolfgang Scheidler. Der von ihm beim Bräuwirt in Weiden gebraute dunkle Zoigl, solle das Charakteristikum eines dunklen Bieres haben mit Malzkörper, bei dem der Hopfen keine so große Rolle spiele. "Für ein Dunkles fast schlank, mit deutlichen Röstmalzen", beschrieb Sauer das Geschmackserlebnis. "Bier muss nicht ein Jahr haltbar sein", sagte Brauer Scheidler. "Es ist ein Frischeprodukt wie Hackfleisch oder Milch." Je kleiner das Gebinde sei, desto mehr ändere sich der Geschmack. "Aus dem Tank schmeckt es anders als aus dem Fass, oder der Flasche und auch aus jedem Glas."

Mit Genuss Gutes tun

Weiden in der Oberpfalz

Bierdoktor im Gespräch mit dem Bergdoktor

Neustadt an der Waldnaab
Hintergrund:

Die Biere in der Verkostung

  • Flosser Kellerpils
  • Heller Zoigl von der Zoiglwerkstatt Wernberg
  • Konrad Max Kunz Weißbier der Weißbierbrauerei Plank in Wiefelsdorf
  • Hop! Hop! Hop! drei Hopfen Lagerbier vom Flosser Brauhaus
  • Dunkler Zoigl vom Bräuwirt in Weiden

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