06.05.2020 - 17:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Begegnungen per Bildschirm

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

"Virus und wir" - so heißt die Kolumne, in der Redaktionsmitglieder von Oberpfalz-Medien ihre Gedanken zur Coronakrise aufschreiben. Friedrich Peterhans kommt bei Videokonferenzen ins Grübeln.

Wie effektiv sind Videokonferenzen?Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres versucht, digital die Welt zu erklären.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Das erzwungene Stubenhocken ist die Zeit der Küchenpsychologie. Fernsehnachrichten oder Zeitungslektüre regen dazu an. Darin loben Manager wie Sachbearbeiter die Vorteile von Videokonferenzen, die in der Arbeitswelt von Nach-Corona-Zeiten weiterwirken sollen. Andererseits fingerhakeln Regierungschefs hinter den Bildschirmen so heftig, dass "Der Spiegel" ständig fragt, wann die EU auseinanderbricht.

Dem Küchenpsychologen fällt dazu eine Anekdote von Helmut Schmidt ein. Der frühere Bundeskanzler hatte sich in den siebziger Jahren auf Abrüstungskonferenzen mit dem sowjetischen Staatschef Leonid Breschnew halbwegs angefreundet. Der Grund: Schmidt ließ den herzkranken Breschnew, dem die Ärzte Tabak strikt verboten hatten, ab und zu an seiner Kippe riechen. Seitdem bestand Breschnew bei Sitzordnungen immer auf dem Platz neben dem deutschen Kanzler. Entspannungspolitik im Marlboro-Modus.

Wären sich die beiden lediglich per Video begegnet, hätte Schmidt vielleicht nur den eiskalten Appartaschik gesehen und Breschnew den ewigen Wehrmachtssoldaten. In solchen Momenten wünscht man sich, Angela Merkel, Emanuel Macron und der italienische Premier Giuseppe Conte wären Raucher und machten in Brüssel Zigarettenpause, statt via Skype oder Zoom über Eurobonds und Rettungsschirme zu streiten.

Wenn es nur so einfach wäre. Man erinnere sich an den Kommunalwahlkampf in Weiden. Da tauchten Sätze auf, die desolate Finanzlage der Kliniken AG wäre in den Griff zu kriegen, wenn man sich nur mal lang genug zusammensetzte. Das haben die Entscheidungsträger getan. Herausgekommen ist die Schließung zweier Häuser.

Ob Videokonferenz oder Besprechungsraum: Dieses Ergebnis war irgendwie zu erwarten. Und auch, dass sich der Beifall dafür sehr in Grenzen hält, wenngleich keine bessere Lösung auf dem Tisch liegt. Womit Brüssel und Weiden laienpsychologisch ganz eng aneinander rücken.

Mehr "Virus und wir"

Weiden in der Oberpfalz

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.