01.02.2021 - 17:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die Befürworter des Gewerbegebiets Weiden-West IV: "Weidens letzter Schuss"

Das geplante Gewerbegebiet West IV sei alternativlos. Das verdeutlichen vier Stadtratsfraktionen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. CSU-Fraktionschef Benjamin Zeitler betont: "West IV, das ist Weidens letzter Schuss."

Für das geplante Gewerbegebiet West IV sprechen (von links) Bernhard Schlicht (Freie Wähler), Christoph Skutella (FDP), Benjamin Zeitler (CSU), Roland Richter (SPD) und Christian Deglmann (Bürgerliste) mit einer Stimme.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Alle Fraktionen und Ausschussgemeinschaften, die das Ratsbegehren für West IV tragen, sind bei der Pressekonferenz vertreten. Nur bei der Gründung der Kliniken Nordoberpfalz AG (damals mit den Fraktionschefs Walter Leupold und Jens Meyer) habe es ein derartiges Treffen gegeben, erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Richter. Auch dies mache die "hohe Relevanz" von West IV für die weitere Stadtentwicklung deutlich. Die Bürgerliste vertritt Christian Deglmann, die FPD Christoph Skutella, und für die Freien Wähler spricht Bernhard Schlicht.

Sie alle appellieren an die Weidener, bis zum 14. Februar ihr Wahlrecht zu nutzen und bei den Bürgerentscheiden abzustimmen. Es sei erfreulich, so die Sprecher, dass bisher bereits über 10 000 Bürger ihre Stimmzettel (nur Briefwahl möglich) abgegeben haben. "Wenn West IV endlich da ist, wird es der Magnet für unsere Betriebe sein", unterstreicht Zeitler.

Der leidenschaftliche Einsatz für das geplante Gewerbegebiet bzw. für den Walderhalt zeuge von einer "funktionierenden Gesellschaft und einer intakten Demokratie", so Zeitler. Der Stadtrat wünsche sich eine klare Entscheidung der Bürger. "Nichts wäre schlimmer als das Quorum nicht oder nur knapp zu erreichen." Weiden brauche West IV, um zukunftsfähig zu bleiben, neue Arbeitsplätze zu schaffen und auch um Gewerbesteuern zu stabilisieren bzw. neue zu generieren.

"Beim fairen Austausch der Argumente gibt es allerdings noch Verbesserungsbedarf", klagt der CSU-Sprecher. "Wir machen den Faktencheck, da viele Behauptungen rumgeistern, die doch nicht stimmen." Folgendes sei falsch:

"70 Hektar Wald fallen"

Es werden keine 700 000 Quadratmeter Wald gerodet, stellt Zeitler fest. Das gesamte Gebiet umfasse 74 Hektar, die reine Baufläche 47 Hektar, 13,5 Hektar blieben Grünflächen. Der Rest werde für die Erschließung benötigt, davon allein 6 Hektar für die höhenfreie Zufahrt mit dem zweigeschossigen Kreisel. Geplant werde "im Einklang mit Natur und Anwohnern".

Christoph Skutella korrigiert die Aussagen des Aktionsbündnisses Walderhalt, in West IV würden 500 000 Bäume geschlagen. Dies sei eine Rechnung mit Unbekannten. Nach den Richtlinien für Aufforstungen würden 2500 bis 3000 Bäume (je nach Art) pro Hektar vorgegeben. "Damit kämen wir bei 70 Hektar auf etwa 175 000 Bäume. Die Rechnung vom Aktionsbündnis kann nicht stimmen, die liegen um 325 000 Bäume daneben."

"Baulandpreis zu hoch"

Bernhard Schlicht (Freie Wähler) unterstreicht, dass 35 Euro pro Quadratmeter Gewerbesiedlungsfläche auch im Umland längst nicht mehr ausreichten. Weiden habe als Oberzentrum besondere Qualitäten, 100 Euro pro Quadratmeter seien durchaus marktfähig. So liege der Quadratmeterpreis etwa im Gewerbegebiet Mering-West (zwischen Augsburg und München) bei 167 Euro, in der Stadt Wörth am Main (Landkreis Miltenberg) bei 115 Euro.

"Flächen werden verramscht"

Die Stadt werde die Flächen keineswegs verramschen, sondern bei den ansiedlungswilligen Betrieben sorgfältig auswählen, kündigt SPD-Fraktionschef Roland Richter an. Mit West IV werde der Flächenbedarf der Stadt für die nächsten 30 Jahre gedeckt. "Das ist die Entwicklungsachse in diesem Jahrhundert. Wir wollen gute Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung."

"Verkehrskollaps droht"

Roland Richter spricht von 18 000 Fahrbewegungen auf der B 470. In Spitzenzeiten komme es bereits jetzt zu Staus. Dies liege auch daran, dass die verkehrliche Erschließung der Industriegebiete West I bis III noch nicht abgeschlossen sei. Deshalb werde der Kreisel nicht nur für West IV benötigt. West IV habe den Vorteil, dass der Verkehr schnell auf die A 93 geführt werden könne und damit "vor der Stadt bleibt".

"Alternativenprüfung zu lasch"

Bei der Suche nach einem neuen Gewerbegebiet hat die Stadt neun Standorte untersucht, erinnert Christian Deglmann (Bürgerliste), der den Vorwurf, Weiden habe sich von vorne herein auf West IV festgelegt, vehement zurückweist. In der Tendenz bestätige auch die "noch nicht ins Reine geschriebene vertiefende Standortalternativen-Prüfung" West IV als "eindeutigen Gewinner". "Wir haben uns mit alternativen Standorten auseinandergesetzt. Das Aktionsbündnis Walderhalt war immer involviert."

"Besser interkommunal"

Christian Deglmann betont, dass derzeit für ein interkommunales Gewerbegebiet der Partner fehle. Der Bedarf an Gewerbefläche sei groß. Dies zeige nicht zuletzt die Entwicklung in den Nachbargemeinden. Die Stadt Weiden selbst dürfe aber nicht weiter seine prosperierenden Unternehmen ins Umland verlieren.

Die Naturschützer stellen sich vor den Wald im Weidener Westen

Weiden in der Oberpfalz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Sebastian Schwarzmeier

Richtigstellung dieser "Richtigstellung"

„70 Hektar Wald fallen“
Mindestens. Bei den Zahlenspielen von Herrn Zeitler kann jeder selbst die 7 Hektar finden, die er im Artikel unterschlägt. Auch im Randgebiet des Areals werden weiter Bäume schwinden. Vor allem der Waldstreifen zwischen West IV und B470 wird sich nicht lange halten können. Herr Skutella bezieht sich bei seiner Berechnung der Baumanzahl auf die Richtlinien zur Aufforstung. Diese greift jedoch nicht bei Bestandswald. Für den Pressather Wald werden erwachsene Bäume und nachwachsender Bestand gezählt. Wenn man die Formel zu Berechnung für Gesamtbestand heranzieht, stehen auf der Fläche, die für West IV gerodet werden soll, ca. 500.000 Bäume. Diese Zahl stammt vom zuständigen Beamten für besagten Staatsforst.

„Baulandpreis zu hoch“
Wieso vergleicht Herr Schlicht den Gewerbeflächenpreis von West IV mit Flächen zwischen München und Augsburg, und nicht mit Luhe und Altenstadt/WN? Für den Standort West IV muss in gleicher Größe und Qualität Tauschwald angeschafft werden, zudem Ausgleichsfläche zur Wiederaufforstung, und immer mehr verkehrliche Maßnahmen werden notwendig. Natürlich macht das den Quadratmeterpreis für West IV deutlich teuer, als für Gewerbeflächen in unmittelbarer Nachbarschaft.

„Verkehrskollaps droht“
Es verwundert durchaus, dass Herr Richter den Kreisel plötzlich zur ’nicht abgeschlossenen verkehrlichen Erschließung der Industriegebiete West I bis III‘ rechnet. Sollte diese Baumaßnahme dann nicht schon längst im Bundesverkehrswegeplan zu finden sein? Denn dort steht sie noch nicht.

„Alternativenprüfung zu lasch“
Es ist kein Geheimnis, dass die Stadt seit 2008 Pläne für ein zusätzliches Gewerbegebiet im Westen schmiedet. Herr Brodrecht, der auf Vermittlung von Stadtkämmerin Taubmann die erste Planung für West IV ohne Ausschreibung übernommen hat, ist geschäftlich öffentlich mit MdL Nussel (CSU) verbunden, der auch als Waldflächen-Immobilenmakler tätig ist und schon 2013 Tauschwald für West IV über die SGW an Weiden verkauft hat. Zum damals unüblich hohen Kaufpreis von 4,10 Euro pro Quadratmeter. Vieles davon ist dank einer schriftlichen Anfrage an die Staatsregierung durch MdL Mistol (Grüne) öffentlich. Vor diesem Hintergrund wundert es wenig, dass die Stadt West IV gerne als alternativlos darstellt. Wie OB Meyer in der ersten städtischen Videosprechstunde angemerkt hat, sollte nichts davon kriminell sein. Korrekt ist es deshalb aber noch lange nicht. Das endgültige Prüfungsergebnis aller potentiellen Standorte für ein neues Weidener Gewerbegebiet liegt derweil immer noch nicht vor.

„Besser interkommunal“
Walderhalt und neue Gewerbeflächen schließen sich nicht aus, auch wenn die Stichfrage auf dem Bürgerentscheid genau das bewusst suggeriert. Laut Zeitler brauche Weiden West IV, um zukunftsfähig zu bleiben, neue Arbeitsplätze zu schaffen und auch um Gewerbesteuern zu stabilisieren bzw. neue zu generieren. Diese Aussage ist an der entscheidenden Stelle falsch. All das kann nachweislich auch ohne West IV und mit einer besseren Lösung erreicht werden, einem Standort, der ökologisch und wirtschaftlich Sinn macht.

Zur möglichen Reaktivierung der vielen Brachflächen in Weiden, nicht zuletzt angeregt durch Architekt und Stadtplaner Karlheinz Beer (CSU), äußert sich die Stadt auch nicht. Viele Brachflächen sind zum Teil sehr günstig anzukaufen und die Entfernung der Altlasten wird staatlich gefördert. Wieso setzt die Stadt da nicht den Hebel mit der gleichen Energie an, wie für West IV, bevor überhaupt zusätzliche Bodenversieglung in Betracht gezogen wird?

Die Argumente der Stadt für West IV greifen auch bei jedem anderen Standort. Ein Argument, das den Standort West IV alternativlos macht, habe ich noch nicht gehört.

06.02.2021