21.08.2020 - 15:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bavaria Ullersricht: Die vergessene Porzellanfabrik

Petra Vorsatz informiert in einer exklusiven Führung über die Sonderausstellung "100 Jahre Porzellanfabrik Bavaria Ullersricht" im Keramik-Museum Weiden. Das Unternehmen beschäftigte einmal über 300 Mitarbeiter.

Bavaria Ullersricht dürfe in der Geschichte der Porzellanstadt Weiden nicht in Vergessenheit geraten, sagt Petra Vorsatz.
von Helmut KunzProfil

In der Porzellanstadt Weiden gab es früher nicht nur die heute noch existierenden Firmen Bauscher und Seltmann, sondern auch eine Porzellanfabrik im Weidener Süden. Sie bestand nur wenige Jahre. Stadtarchivarin Petra Vorsatz beleuchtete am Donnerstag in einer Kuratorinnenführung im Internationalen Keramikmuseum die aktuelle Sonderausstellung „100 Jahre Porzellanmanufaktur Bavaria Ullersricht“.

Die Fabrik wurde am 13. Februar 1920 auf Initiative der beiden Porzellanfabrikbesitzer Edmund Mannl und Ottmar Opfinger, Rechtsanwalt Karl Häupler, Bankier Alfred Frischholz, Kaufmann Wilhelm Bühler und Großkaufmann Josef Röger gegründet. Zum alleinigen Direktor wurde der 25-jährige Karl Häupler gewählt. Mit dem Bau der Fabrik sei schon 1919 begonnen worden, berichtete Vorsatz. In Schnaittenbach besaß man eine Kaolingrube.

In Spätherbst 1920 habe die Fabrik mit 330 Arbeitern ihre Produktion aufgenommen. „Erzeugt wurde nur gutes Gebrauchs- und Hotelporzellan", sagt Vorsatz. Das habe man in großen Posten am Binnenmarkt in Fachgeschäften, Hotels und Kaufhäusern abgesetzt. „Weit mehr ging ins Ausland, denn die deutsche Porzellanindustrie konnte damals, bedingt durch die Valuta-Verhältnisse, fast konkurrenzlos arbeiten.“

Damals seien rund 70 Prozent der Porzellanproduktion exportiert worden. Hauptabnehmer der Bavaria waren die USA, Belgien, Holland und Dänemark. Erste Schwierigkeiten habe dem Unternehmen die Stabilisierung der Mark 1923 eingebracht. Anstatt aber zu sparen, habe man den Betrieb vergrößert. Trotz eines katastrophalen Geschäftsberichts. Die Kaufkraft der Mark sei immer geringer geworden. Tatsächlich sei die Firma in all den Folgejahren nicht mehr aus den roten Zahlen herausgekommen. „Ein häufiger Prokuristenwechsel fällt auf.“

Mitarbeiter entlassen

Die Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 habe die schon angeschlagene Bavaria umso härter getroffen. Mehr noch als in vorangegangenen Jahren habe die Belegschaft reduziert werden müssen. 1931 seien die Aufträge der Porzellanindustrie durchwegs gering gewesen. „Die In- und Auslandsumsätze sanken trotz Preisnachlässen." Die Folge: Die Bavaria habe vor ihrem Untergang gestanden.

„Der große Bankenkrach Mitte 1931 versetzte ihr dann den Todesstoß. Am 16. Juli 1931 eröffnete das Amtsgericht Weiden das Konkursverfahren über das Vermögen der Bavaria.“ Die Verarbeitung der noch lagernden Rohstoffe und der Verkauf des Geschirrs hätten sich noch bis 1933 hingezogen. Verzweifelte Versuche, die Bavaria wiederzueröffnen, seien fehlgeschlagen. Trotz der nur wenigen Jahren ihres Bestehens dürfe die Porzellanfabrik Bavaria Ullersricht – nicht zuletzt wegen der hohen Qualität ihrer Produkte, vor allem der aufwendigen Dekoren – nicht in Vergessenheit geraten, bat die Stadtarchivarin.

Die Sonderausstellung ist noch bis zum 10. Januar 2021 zu den Öffnungszeiten im Internationalen Keramik-Museum zu besichtigen.

 

 

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