18.06.2020 - 18:42 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bahn plant Stromtrasse an der Autobahn

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Oberpfälzer Politiker fordern, die Stromtrasse Süd-Ost-Link entlang der Autobahn A 93 zu verlegen. Mit mäßigem Erfolg. Bei der Bahn würden sie mit dem Wunsch offene Türen einrennen. Doch deren Leitung dient nur den Zügen.

Das von der Bahn zur Verfügung gestellte Bild zeigt einen Bahnstrommasten entlang einer Bahnstrecke in Unterfranken.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Das Thema Bau von Stromtrassen im Zuge der Energiewende spaltet schon seit langem Oberpfälzer Gemeinden. Dagegen herrscht zumindest unter Politikern über die Elektrifizierung der Bahnlinie zwischen Hof und Regensburg weitgehend Einigkeit. Nun könnte ein Randthema des Bahnausbaus in der Oberpfalz ebenfalls zum Spaltpilz werden.

Mit den Oberleitungen über den Schienen ist es bei einer Elektrifizierung nicht getan. Die Bahn braucht entlang der Schienenwege eine eigene Stromtrasse zur Stromversorgung. Und: Eine Erdverkabelung ist aus technischen Gründen nicht möglich, sagt die Bahn. "Witterungseinflüsse würden im Fall einer Erdverkabelung zu Spannungsüberschlägen und damit zu Störungen im Bahnverkehr führen."

Elektrifizierung bis Regensburg: Lärmschutz Thema Nummer eins

Weiden in der Oberpfalz

Bedeutung der Trasse Hof-Regensburg

Die zweigleisige Bahnstrecke von Hof nach Regensburg ist 177 Kilometer lang und Teil einer zentralen Verkehrsachse der Europäischen Union, des Skandinavien-Mittelmeer-Korridors. Im Güterverkehr erwartet die Bahn zwischen Marktredwitz und Regensburg künftig rund 65 Güterzügen am Tag, wobei nicht auf allen Abschnitten die Höchstzahl erreicht werden soll.

Im Personenverkehr verspricht die Bahn IC-Züge nach Dresden und nach München. Die Staatsregierung setzt auf eine Beschleunigung des Zugverkehrs aus der Landeshauptstadt über Schwandorf nach Prag. Doch dazu müssen noch die Tschechen eingebunden werden. Es soll umweltfreundlicher gefahren werden, weil die Dieselzüge verschwinden, auch im Regionalverkehr.

Die Bahn stellt das Projekt vor

Schwandorf

Was wird zwischen Hof und Regensburg gemacht?

An der Strecke liegen 24 Bahnhöfe, und es gibt 29 Bahnübergänge, 142 Eisenbahnbrücken und 83 Straßenbrücken. Diese müssen im Zuge des Baus der Oberleitung über den Schienen für die Elektrifizierung des Bahnverkehrs entsprechend angepasst, ausgebaut oder neu gebaut werden. Zudem soll die Strecke mit dem digitalen europäischen Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) ausgerüstet werden. Es wurde einer breiten Öffentlichkeit bekannt, weil dessen Ausfall nach der Eröffnung auf der Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt zu Verspätungen nach Berlin führte.

Der Neubau der Bahnstromversorgung

Bislang endet die Bahnstromversorgung in Hof, in Lauf und in Burgweinting bei Regensburg. "Für den Ausbau und die Elektrifizierung der Bahnstrecken in der Region ist es erforderlich, dass wir den Bahnstrom zu den Strecken leiten", sagt Franz Lindemair, Sprecher der Bahn in Bayern. Die Bahn sagt, etwa alle 50 Kilometer müsse Strom in die Strecke eingespeist werden.

Derzeit werde untersucht, wie ein geeigneter Leitungsverlauf aussehen könnte. Dazu soll auch der laufende Bürgerdialog beitragen. Der Entwurf ist noch ein rund 200 Meter breiter Korridor, innerhalb dessen die Leitung am Ende stehen könnte.

Die Masten für den Bahnstrom sind mit rund 28 Metern deutlich kleiner als die Masten einer 380 Kilovolt-Leitung. Sei können darunter gebaut werden.

Die Masten

Die Bahn verwendet meist Stahlgittermasten mit einer Höhe von durchschnittlich 28 Metern. Diese haben vier Leiterseile und in der Regel eine Traverse. Der Abstand zwischen zwei Masten beträgt rund 300 Meter. Diese könnten mit einem Sicherheitsabstand neben bestehende Strommasten, etwa von 380-Kilovolt-Leitungen, gebaut werden. Schutzstreifen beider Masten würden sich überlagern, wodurch weniger Platz benötigt würde.

Bei der Planung stimmt sich die Bahn mit den Netzbetreibern und Energieversorgungsunternehmen ab. Wer im Fall eines Konflikts Vorrang erhält ist nicht gesetzlich geregelt, sondern das müssen Bahn und Versorger aushandeln.

Wo sollen die Trassen für den Bahnstrom verlaufen?

Die Bahn argumentiert, der Trassenentwurf orientiert sich an bestehenden Stromleitungen. "Mehr als die Hälfte des Leitungsentwurfs verläuft mit anderen Leitungen." Der Entwurf sieht vor, dass die Trasse für die Bahnstromversorgung von Mitterteich an entlang der Autobahn A 93, an Windischeschenbach vorbei bis vor Neustadt/WN verläuft. Dort würde sie nach Westen abbiegen und östlich von Parkstein Richtung Etzenricht führen, ehe sie nördlich von Luhe-Wildenau wieder an die Autobahn 93 zurückkehrt, um dem bestehenden Ostbayernring zu folgen. Ein Alternativvorschlag sieht vor, dass die Trasse bereits nördlich von Windischeschenbach nach Westen abbiegt und an Kirchendemenreuth vorbei Richtung Parkstein läuft.

Noch vor dem Autobahnkreuz Oberpfalz verlässt die Trasse wieder die Autobahn und läuft an Schmidgaden vorbei nach Schwarzenfeld. Dort endet auch die Trasse für die Bahnstromversorgung der Strecke Nürnberg-Schwandorf. Diese führt von Etzelwang nördlich an Ammerthal und südlich von Amberg und Kümmersbruck vorbei Richtung Osten. Über Ensdorf geht es nach Schwarzenfeld. Zwischen beiden Orten geht eine Abzweigung Richtung Schwandorf und weiter Richtung Wildpark Höllohe bei Teublitz, ehe sich die Trasse bei Maxhütte-Haidhof wieder an die A93 anlehnt und Richtung Regensburg läuft.

Amberg

Der Zeitplan

Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Projekts Ende Mai in Schwandorf wollte sich der DB-Konzernbevollmächtigte für Bayern, Klaus-Dieter Josel, nicht auf eine Termin für die Fertigstellung festlegen. Eine Jahreszahl kam vom Verkehrsministerium: "Wir peilen das Jahr 2030 an", sagte Staatssekretär Klaus Holetschek (CSU). Noch werden die Planungsergebnisse mit der Öffentlichkeit diskutiert. Danach gibt es weitere Vorplanungen für den Planfeststellungsantrag für erste Bauabschnitte.

Bürgermeister im Landkreis Tirschenreuth: An Lärmschutz führt kein Weg vorbei

Wiesau

Lärmschutz

Beim Lärmschutz greift die Anweisung des damaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) aus dem Jahr 2017, wonach Bürger einen Anspruch auf Lärmschutz haben. Dazu wird entlang der Strecke ein Lärmschutzgutachten erstellt, in das etwa die Anzahl der Züge und die örtlichen Gegebenheiten einfließen.

Was wird noch gemacht:

Neben der Elektrifizierung der Bahnstrecken Hof-Regensburg und Nürnberg-Amberg-Schwandorf bis Furth im Wald wird auch die Verbindung Nürnberg-Marktredwitz bis nach Schirnding an die Grenze elektrifiziert. Zudem wird die Strecke zwischen Regensburg und Obertraubling ausgebaut.

Die Online-Bürgerversammlung der Deutschen Bahn für den Abschnitt von Immenreuth bis Schirnding

Immenreuth

Klimaschutzziel:

Der Schienen-Ausbau in Nordostbayern wird ein Einsparpotenzial von 60 Millionen Kilometern an Pkw-Fahrten pro Jahr, von 90 Millionen Kilometern an Lkw-Fahrten pro Jahr und von 100 000 Tonnen CO2 im Jahr erwartet.

Hintergrund:

Bürgerdialog zum Bahnausbau

Seit dieser Woche läuft der Bürgerdialog der Bahn zur Elektrifizierung – im Internet wegen der Corona-Pandemie. Wer die Termine verpasst hat, kann sich Videos der Präsentationen auf der Seite des Ausbauprojekts ansehen. Zudem bietet die Bahn an, Termine für Einzelgespräche per Telefon oder Video-Chat zu vereinbaren oder Fragen und Anregungen per E-Mail zu senden.

Bereits abgeschlossen sind die Runden zur Strecke Immenreuth bis zur tschechischen Grenze bei Schirnding (ohne den Bereich Marktredwitz) sowie Wiesau–Luhe. Offen sind unter anderem die Termine zu Bahnbau und Bahnstromversorgung im Bereich von Irrenlohe über Amberg bis Ottensoos am 23. Juni um 18 Uhr sowie am 24. Juni um 18 Uhr zum Bahnausbau und Bahnstromversorgung im Abschnitt von Pegnitz über Schnabelwaid und Speichersdorf bis Haidenaab-Göppmannsbühl. Am 30. Juni um 18 Uhr ist dann die Runde zu Bahnausbau und Bahnstromversorgung zwischen Wernberg, Schwandorf und Regensburg

Beim Start des Blogs der Bahn im November hatte Projektleiter Matthias Trykowski versprochen: „In einem neuen Projekt-Blog gibt es außerdem zukünftig regelmäßige Einblicke in die tägliche Arbeit im Projekt-Team Bahnausbau Nordostbayern.“ Derzeit finden sich dort unter anderem Termine, Pläne, Videos sowie in der Mediathek Protokolle und Präsentationen bisheriger Veranstaltungen.

Die Seite der Bahn zum Ausbau

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