22.07.2020 - 13:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ausstellung erinnert an Ullersrichter Porzellanfabrik

Viele haben es vergessen: In Ullersricht gab es einst eine große Porzellanfabrik. Eine Ausstellung im Keramikmuseum erinnert ausführlich daran.

Oberbürgermeister Jens Meyer blickt auf den Porzellan-Stempel von Bavaria Ullersicht. Mit dabei Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz (links) und Keramik-Museumsleiterin Stefanie Dietz.
von Siegfried BühnerProfil

Im Keramikmuseum in Weiden können derzeit zwei Jubiläen gefeiert werden. 30 Jahre alt ist das Museum geworden und gleichzeitig wird an die vor 100 Jahren gegründete Porzellanfabrik Bavaria Ullersricht erinnert.

Mit Sonderausstellungen werden beide Anlässe ausführlich gewürdigt. Eine davon trägt die Überschrift „100 Jahre Porzellanmanufaktur Bavaria Ullersricht“ und wird am 28. Juli eröffnet. „Wir freuen uns, dass das Stadtmuseum bei uns zu Gast ist“, erklärt nun Museumsleiterin Stefanie Dietz. Schließlich stammen die Ausstellungsstücke alle aus den Beständen des Stadtmuseums Weiden.

Die Ausstellung erinnert daran, dass es im heutigen Stadtgebiet Weiden einst drei große Porzellanfabriken gegeben hat. Neben dem Firmen Bauscher und Seltmann existierte von 1920 bis 1931 die Porzellanfabrik Bavaria AG Ullersricht. In den Gebäuden, die nach dem Konkurs dieses Porzellanunternehmens vom Unternehmer Josef Witt ersteigert wurden und bis heute von der Witt-Gruppe genutzt werden, wurde laut Ausstellungsbeschreibung „nur gutes Gebrauchs- und Hotelporzellan“ produziert. Zahlreiche Beispiele aus dieser Produktion sind bis zum 10. Januar des nächsten Jahres in drei Räumen des Stadtmuseums zu besichtigen.

Zierporzellanstücke, Rauchservice, Sammeltassen, Kannen und Speiseservice bis hin zu Suppenterrinen mit hochwertigen Motiven können bewundert werden. Eine „nicht tropfende Kanne“ gehört darunter zu den ganz besonderen Musterexemplaren. Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz stellte einige davon vor, lobte die große Vielfalt und sprach von „einer wunderbaren Firma, die leider nur 11 Jahre existiert hat“. Zusammen mit dem Historiker Sebastian Schott bildet die Kulturamtsleiterin das Kuratoren-Team der Ausstellung. Schott beschrieb die Produkte: „Je länger das Unternehmen bestanden hat, desto mehr hochwertige Ware wurde produziert.“ Aus einem einfachen Blumendekor sei nach einigen Jahren ein „ausgeprägter Art-déco-Stil“ geworden. In vielen überregionalen Ausstellungen dieses Kunst- und Architekturstils würden auch Objekte von Bavaria Ullersricht gezeigt werden.

Erkennbar ist Porzellan aus Ullersricht vor allem aus einem in den späteren Produktionsserien verwendeten Stempels, der einen „schreitenden Löwen“ zeigt. Ausführlich schilderten Vorsatz und Schott die Geschichte des Unternehmens. Bis zu 500 Arbeitnehmer hätten an sechs Hochöfen gearbeitet. Große Teile der Produktion wurden exportiert. Vor allem die Weltwirtschaftskrise hätte das endgültige Aus für Bavaria Ullersricht bedeutet.

Oberbürgermeister Jens Meyer freute sich, durch die Ausstellung "Stück für Stück immer mehr Stadtgeschichte kennen zu lernen“. Schließlich gebe es ja auch eine große Verpflichtung der Stadt Weiden gegenüber dem Porzellan.

Nach wie vor ist das Stadtmuseum laut Vorsatz am Ankauf von Bavaria Ullersricht-Porzellan interessiert. Erst kürzlich habe sie eine „wunderbare blaue Dose“ im Internet erworben. Vor allem eine Kuchenplatte würde dringend noch benötigt.

Im Begleitprogramm zur Ausstellung ist unter anderem am 21. Oktober ein Gastvortrag zur Geschichte der Bavaria Ullersricht durch Kuratorin Vorsatz sowie eine Kuratorenführung mit Historiker Schott am 25. November vorgesehen.

Das Keramikmuseum feiert in diesem Jahr Geburtstag

Weiden in der Oberpfalz
Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz (Erste von rechts) zeigt besondere Ausstellungsstücke der Ausstellung über die ehemalige Porzellanfabrik Bavaria Ullersricht. Mit dabei (von links) Keramik-Museumsleiterin Stefanie Dietz, Oberbürgermeister Jens Meyer und Historiker Sebastian Schott.
Hintergrund:

Geschichte der Bavaria Ullersricht

Eine Unternehmer- und Kaufmanns-Gruppe um den Porzellanfabrikbesitzer Edmund Mannl aus Krummenaab hatte sich zu dieser Aktiengesellschaft zusammengeschlossen. Mit dem Bau der Fabrik wurde im Herbst 1919 begonnen. Bauern hatten die Grundstücke gegen Aktien an die AG abgetreten. Im Spätherbst 2020 wurde die Produktion mit 330 Arbeitnehmern begonnen.

In Schnaittenbach besaß die Gesellschaft eine große Kaolingrube. Alleiniger Direktor der AG war der 25-jährige Karl Häupler. Begünstigt wurde die überwiegend auf das Exportgeschäft setzende Produktion durch die bis 1923 bestehenden vorteilhaften Währungskurse der Rentenmark. Nach der damaligen Währungsreform jedoch kam die Bavaria aus den roten Zahlen nicht mehr heraus. Rasch waren die Gründer aus dem Aufsichtsrat verschwunden.

Das endgültige Aus kam mit dem großen Bankkrach im Jahr 1931. Am 16. Juli dieses Jahres wurde vom Amtsgericht Weiden das Konkursverfahren eröffnet. Fortführungsbemühungen scheiterten. Von der Porzellanfabrik Schlottenhof bei Arzberg wurden zahlreiche Produktideen der Bavaria übernommen. (sbü)

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