09.07.2021 - 16:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Außengastronomie, Christkindlmarkt, Wochenmarkt: In Weiden geht der Platz aus

Seit Corona gibt es im Winter nicht genug Platz für alle in Weidens Innenstadt. Die Erkenntnis ist hart, aber nicht neu. Bereits 2020 kämpften Außengastronomie, Wochen- und Christkindlmarkt um jeden Meter. Nun geht's erneut ans Eingemachte.

An einem trüben Sommertag sieht es nach viel Platz aus am Unteren Markt. Aber in diesem Winter wollen sich neben der Außengastronomie hier auch noch die Fieranten des Wochenmarktes sowie Schausteller des Christkindlmarktes ihren Platz sichern.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Es ist Sommer. Eben endete die Bewerbungsfrist für den Christkindlmarkt in Weiden, Ende Juli sollen die Zu- und Absagen rausgehen. Doch die Stadtverwaltung kann es drehen und wenden, wie sie will: Gibt es heuer nach der coronabedingten Absage 2020 wieder einen Christkindlmarkt in Weiden - "und das hoffen wir inständig", betont Rechtsdezernentin Nicole Hammerl -, reicht der Platz in Weidens Innenstadt nicht für alle.

Denn die Gastronomen fordern seit den herben wirtschaftlichen Einbußen in der Coronakrise auch über den bisher üblichen 31. Oktober hinaus ein Sondernutzungsrecht für die Bewirtschaftung der Flächen vor ihren Cafés, Lokalen und Kneipen in der Innenstadt. Doch wo sollen dann noch Christkindl- und Wochenmarkt Platz finden? Der Interessenskonflikt ist vorprogrammiert, eine Lösung auch am Donnerstag im Hauptverwaltungs-, Umwelt und Energiewendeausschuss im Neuen Rathaus nicht in Sicht. Aber die Bemühungen werden deutlich.

Die Stadtverwaltung etwa gibt alles. Das zeigen die detaillierten Ausführungen der Rechtsdezernentin – auch unter den aufmerksamen Augen von Gastronomen, die in den Sitzungssaal gekommen sind. Variante um Variante spielt Nicole Hammerl durch, nachdem sie klargestellt hat: "Dass alle auf ihren bisherigen Flächen wie gehabt bleiben, das gibt der Platz nicht her." Aber wer soll weichen? Drei entscheidende Fragen:

Wohin mit dem Wochenmarkt?

Der Wochenmarkt war 2020 in der Vorweihnachtszeit mal am Ausweichort Naabwiesenparkplatz vorgesehen gewesen. Die Folge: Proteste, helle Aufregung. "Wir haben schon damals gesehen, Kompromissbereitschaft fällt allen Interessengruppen schwer", erinnert sich Hammerl. Nach der Absage des Christkindlmarktes waren die Umzugspläne hinfällig. Und heuer? Den Wochenmarkt einzuschränken ist nicht möglich, die Fieranten haben eine Jahreserlaubnis bis 31. Dezember, klärt die Rechtsdezernentin auf.

Wo ist Platz für den Christkindlmarkt?

Muss der Christkindlmarkt weichen? Nein, findet die Stadtverwaltung. "Der Christkindlmarkt gehört in die Altstadt, davon profitieren auch Einzelhandel und Gastronomie", sagt Oberbürgermeister Jens Meyer. Zumal die Ausweichorte ihre Tücken hätten. Hammerl spricht von einem eventuell "stark aufgeweichten Boden am Kinderbürgerfest-Standort Max-Reger-Park" oder vom Areal um die Max-Reger-Halle als "ein Stück weit abgelegen von der Altstadt", "da kommen keine Gelegenheitsbesucher".

Wo bekommt die Außengastronomie Raum?

Die Außengastronomie müsste zugunsten des Christkindlmarktes weichen, findet die Stadtverwaltung. Hammerl leitet den Verwaltungsvorschlag geschickter ein: "Es ist schwer, eine Lösung zu finden. [...] Aber der Christkindlmarkt soll bis 23. Dezember Raum in der Innenstadt bekommen." Auch weil bei bisher 27 eingegangenen Bewerbungen für den Weihnachtsmarkt und einer Platzbeschränkung etwa vom Alten Rathaus bis zum Oberen Tor "ein massiver Eingriff" nötig wäre. Kurzum: Kaum ein Schausteller käme – auch wegen einzuhaltender Rettungswege – mehr zum Zug. Zudem sei die schwierige Situation der Schausteller zu berücksichtigen, die seit Pandemiebeginn kaum mehr Verdienstmöglichkeiten gehabt haben. Und die Gastronomen hätten deutlich gemacht, mit einer Platzbeschränkung, sprich einer Mini-Außengastro, auch nicht glücklich zu werden. "Mit vollem Herzen stehe ich aber nicht hinter diesem Vorschlag", gibt Hammerl zu. "Irgendeinen Tod aber werden wir sterben müssen", erklärt Oberbürgermeister Meyer.

"Jeder soll zurückstecken müssen"

Widerspruch kommt schließlich zuvorderst von CSU-Stadtrat, Schausteller und Tradtionsbeschicker am Christkindlmarkt Hans Blum, den die Situation persönlich belaste, der sich aber über den Rückhalt für den Christkindlmarkt seitens der Verwaltung freue und der trotzdem findet: "Jeder sollte zurückstecken müssen." Klar gehöre sich der Weihnachtsmarkt ins Herz einer Stadt und damit rund ums Rathaus. Da pflichten auch Gabriele Laurich und Sema Tasali-Stoll (beide SPD) bei. Nur kleiner müsse der Markt werden, findet Blum, um auch der Außengastronomie Platz zu geben.

Um das zu stemmen, solle die Stadt – trotz der nicht aushebelbaren europäischen Ausschreibungsrichtlinien, auf die Rechtsdezernentin und Oberbürgermeister immer wieder hinweisen – nur auf regionale Beschicker setzen und den Zulassungsraum von Ende Juli bis Ende August verlängern. "Ich will den Gastronomen, aber auch mir nicht schaden. Und der Wochenmarkt soll auch bleiben. Deshalb lautet mein Vorschlag: Wir sollten trotzdem nochmal alle miteinander reden."

"Neue Idee ausprobieren"

Neue Wege statt neue Gespräche sucht dagegen Rainer Sindersberger (FDP/Freie Wähler). Sein eindringlicher Appell, weil alle ihre Daseinsberechtigung in vollem Umfang haben: "Lasst uns eine neue Idee ausprobieren." Die da wäre: Raus mit dem Christkindlmarkt aus der Innenstadt und rein in die Kurt-Schumacher-Allee von der Wopperer-Brücke bis zur Brücke beim Finanzamt. Geteerte Wege rechts und links seien optimal, die Buden der Schausteller könnten auf dem Grünstreifen Platz finden. Parkraum existiere an beiden Enden mit dem Naabwiesen-Areal und dem Parkdeck Friedrich-Ebert-Straße. Und es sei ein Katzensprung über mehrere Wege hinauf in die Altstadt. "Diese 50 Meter dürfen in der Pandemiezeit keine Rolle spielen", findet Sindersberger. Genauso wenig wie das Risiko, dass die Grünanlage danach wieder hergerichtet werden muss, oder das Geld, das das Vorhalten von Strom im Park koste. "Das muss uns das wert sein."

Am Ende der Sitzung steht alles auf Anfang: Einstimmig wird die Verwaltung beauftragt, ein weiteres gemeinsames Gespräch mit Schaustellern, Wochenmarktvertretern und Gastronomen über das weitere Vorgehen zu organisieren. Auch wenn sich der Oberbürgermeister verwundert von dem Vorschlag zeigt: "Ich bin der Letzte, der sich Gesprächen verweigert. Aber Sie alle forderten doch die Verwaltung auf, dass wir bis 31. Juli Klarheit schaffen sollen." Es sei den Beteiligten schließlich unbenommen und seitens der Verwaltung auch wünschenswert gewesen, sich vorab zusammenzusetzen und einen Vorschlag ins Rathaus zu bringen.

Nun aber werde nach einem erneuten Gespräch, die Verwaltung beauftragt, ein Lösungskonzept zu erarbeiten. Darüber abstimmen kann erst wieder der Ferienausschuss des Stadtrats – er tagt im August.

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