21.10.2020 - 18:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Außengastronomie und Christkindlmarkt in Altstadt Weidens: Stadt sagt Ja

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Falls der Weidener Christkindlmarkt überhaupt stattfinden kann, sieht er dieses Jahr ganz anders aus. Mit dem Konzept können auch die Altstadt-Gastronomen leben. Die meisten. Halbwegs.

Wenn nur die Coronazahlen endlich ins Rutschen kommen würden: So beschwingt soll es nach dem Willen der Stadtverwaltung heuer auf der Eisbahn auf dem Christkindlmarkt zugehen. Die soll dieses Jahr erstmals auf dem Oberen Markt stehen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Am Dienstag saßen Bürgermeister Lothar Höher, Marktmeister Peter Rackl, Steffen Maier von der Stadtverwaltung und jede Menge Weidener Altstadtwirte zusammen. Das Thema hatten sie letzte Woche bereits ergebnislos besprochen: Wie teilen sich Gastronomen und Schausteller den kostbaren Platz in den Adventswochen, wenn engeres Zusammenrücken aus bekannten Gründen nicht möglich ist?

"Befriedigend", nennt Martin Sauer (Café Ristretto) diesmal den Ausgang. "Die Stadt hat sich viel Mühe gegeben." Auch Alexander Driessen ("Edelweiß") klingt nicht mehr so enttäuscht: "Die Stadt hat auf unsere Bitten hin die Planung des Weihnachtsmarkts nochmals überarbeitet, was dazu führt, dass wir alle unsere Außenflächen in den Wintermonaten nutzen können. Dafür sind wir sehr dankbar."

Konkret: In den Wintermonaten dürfen Kneipen und Speiselokale auch unter Zeltplanen und Heizpilzen Gäste bewirten. Diese Sondernutzung kostet sie eine Gebühr, normalerweise wäre das Recht aber Ende Oktober ausgelaufen. Jeder einzelne Wirt muss nun eine Genehmigung beantragen, teilt Stadtsprecherin Roswitha Ruidisch mit.

Lieber Wochenmarkt als Buden

Grundsätzlich tun sich die Kneipiers mit dem Christkindlmarkt weiter schwer. Martin Sauer hat bereits in einem Interview eingeräumt, dass viele lieber eine kleines Budendorf, das auch Wochen- und Bauernmarkt Platz geboten hätte, bevorzugt hätten. Diese lokalen Anbieter müssen nun auf den Großparkplatz in den Naabwiesen ausweichen und sind darüber gar nicht glücklich.

An ihren Stammplätzen steigt nun der Historische Christkindlmarkt. Darüber, wie der aussieht, hält sich die Stadt als Veranstalterin noch bedeckt. Immer mehr sickert jedoch durch. So berichten mehrere Gastronomen, dass die Kunststoff-Eisbahn, die 2019 Premiere feierte, heuer wieder mit von der Partie ist, allerdings an einem neuen Standort: statt hinter dem Alten Rathaus direkt davor auf dem Oberen Markt.

Zudem sollen dort dem Vernehmen nach drei Holzhütten auf der Schulgassen-Seite stehen: Langos-Stand, Halbmeter-Bratwurst und Weinausschank. Das alles, inklusive Eisbahn, gehört zum Inventar der Schausteller-Familie Franz Kollmann aus Dingolfing. Die gegenüberliegende Seite des Oberen Marktes soll frei bleiben. Dafür soll sich eine weitere Bretterhütten-Zeile vom Anwesen Uhren-Pöllmann bis zum Oberen Tor ziehen.

Auf dem Unteren Markt sollen sich die Buden auf der Sandfläche unter den Bäumen konzentrieren. Dadurch bliebe den Gastronomen genügend Platz für Außenbestuhlung. Was die Händler darin anbieten, ist offen. Der Stand von Glühwein-Renner, um den es vergangenes Jahr große Aufregung gegeben hat, soll angeblich nicht dabei sein.

Essen nicht überall erlaubt

Rätselraten herrscht zudem über eine andere Vorgabe. Sie besagt, dass Essen, das am Christkindlmarkt oder in den umliegenden Geschäften auf die Faust verkauft wird, nicht an Ort und Stelle verputzt werden darf, denn dazu müsste der Genießer die Maske von Mund und Nase nehmen. Wer in seine Pizzaschnitte oder Bratwurst beißen will, muss also entweder damit aus der Fußgängerzone raus, oder er begibt sich in speziell vorgesehene Bereiche. Dort sollen Stehtische mit ausreichend Abstand voneinander vom übrigen Markttreiben abgegrenzt sein.

Esszonen eben, ähnlich wie Raucherkammern an Flughäfen. Apropos Rauchen: Das soll in den Außenbereichen der Kneipen und Restaurants zumindest während der Wintermonate verboten werden. Ob wegen Brandschutz, Passivrauchens oder Aerosolen ist unklar.

Insgeheim atmen manche aber aus einem anderen Grund durch: Sie hatten damit gerechnet, dass Ministerpräsident Markus Söder in seiner Regierungserklärung vom Mittwoch Weihnachtsmärkte in Regionen mit Coronazahlen wie Weiden dieses Jahr gar nicht sehen will.

Nun können die Planungen vorerst weitergehen. Am Donnerstagnachmittag bereits im Bauausschuss. Dort beraten die Fraktionen den SPD-Antrag auf Sondernutzung für Gastronomen - in der Hoffnung, dass die Infektionszahlen nicht bald alle Vorbereitungen zunichte machen.

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Absprachen sind nicht mehr das Problem

Das klingt schon besser: Altstadt-Wirte und Stadtverwaltung steuern auf eine Einigung zu. Das sogenannte Kommunikationsproblem scheint ausgeräumt. Dafür schwebt jetzt über allem ein großes Fragezeichen. Kommt Weiden nicht bald von den scheußlich hohen Infektionszahlen runter, schmilzt die Aussicht auf jede noch so kleine Winterfreiheit wie ein Eiswürfel im Glühwein. Ein Christkindlmarkt mit maximal 50 Besuchern: Wie soll das gehen?
Die Idee, zweigleisig zu planen, ist deshalb richtig. Abgesagt ist nämlich schneller als sorgfältig vorbereitet. Und vielleicht wird es ja doch noch etwas, selbst wenn die Aussicht, gebratene Mandeln in einem eigens geschaffenen Bereich zu schnabulieren, ziemlich seltsam anmutet.
Da bis Ende November mit weiter verschärften Hygienemaßnahmen zu rechnen ist, scheint das, was auf den ersten Blick als Zumutung erscheint, der einzige Weg, in einem Pandemiejahr überhaupt so etwas wie Weihnachtsstimmung in der Altstadt aufkommen zu lassen.

Friedrich Peterhans

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