05.08.2020 - 10:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Augustinus-Schüler Gregor Michl gewinnt Landespreis

Gregor Michl vom Augustinus-Gymnasium gewinnt mit einem Beitrag über Hermann Brenner den ersten Preis beim Schülerlandeswettbewerb "Erinnerungszeichen". Der 16-Jährige geht in einem Film auf Spurensuche in Vergangenheit und Gegenwart.

Gregor Michl ist 1. Landessieger in der Königsdisziplin "Gymnasium, Klassen 10 bis 12" beim Wettbewerb "Der Geschichte ein Gesicht geben".
von Helmut KunzProfil

Gregor Michl hat den „Hermann-Brenner-Platz“ direkt vor der Haustür. Jeden Morgen, wenn sich der 16-jährige auf den Weg ins Augustinus-Gymnasium macht, radelt er in Höhe der FOS/BOS am Straßenschild vorbei. Sein Beitrag zum Schülerlandeswettbewerb „Erinnerungszeichen – Der Geschichte ein Gesicht geben" setzt also mit einer einfachen, alltäglichen Beobachtung an: Wer war der Mensch, der diesem Platz seinen Namen gab? Welche Bedeutung hatte er für Weiden? Vier Monate lang beschäftigte sich der Zehntklässler intensiv mit der Familie Brenner. Seine Arbeit wurde jetzt mit dem 1. Landespreis in der Kategorie „Gymnasium, 10. bis 12. Klasse“ ausgezeichnet.

Hermann Brenner war einer der wenigen aus seiner Familie, der Shoa und Konzentrationslager überlebt hatte und – anders als ursprünglich geplant – nicht nach Israel oder in die USA auswanderte, sondern in Weiden ein Textilgeschäft betrieb und mehr als 40 Jahre lang Vorsitzender der dortigen jüdischen Gemeinde war. Der Schüler arbeitete im abgelaufenen Schuljahr im Wahlkurs „Werkstatt Geschichte“ unter Leitung von Studiendirektor Thomas Peter. "Insgesamt ging die Rekordzahl von 130 Beiträgen bei der Jury ein", sagte Peter.

„Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht, wie ich die Geschichte präsentieren möchte.“ Ihm sei dann klar geworden, dass eine klassische schriftliche Arbeit nicht ausreichen würde, um diesen Wettbewerb zu gewinnen, erklärt Michl. Deshalb habe er sich dafür entschieden, sich bei einer Spurensuche in einem filmischen Dokument mit der jüdischer Geschichte in Weiden, mit Hermann Brenner (1916 bis 2004), aber auch mit Ereignissen aus der Gegenwart auseinander zu setzen.

Er beginnt seinen Film mit TV-Meldungen über den Anschlag auf die Synagoge in Halle, blendet über auf die Reichspogromnacht, bevor er sich dann selbst und die Beweggründe seiner Arbeit vorstellt. Der Schüler nimmt den Zuschauer auf diesem Weg mit und regt ihn zum Nachdenken an. Denn er zeigt nicht nur die Lebensgeschichte eines jüdischen Holocaust-Überlebenden, der in Weiden eine neue Heimat fand. Er beleuchtet vielmehr Kontexte in unterschiedliche Zeitebenen. „Antisemitismus im Wandel der Zeit war dann das zweite Standbein des Films und um den Kreis zu schließen, entschloss ich mich auch die Geschichte der Juden in Weiden und auch zum Teil in Deutschland zu erzählen.“

Als Produzent, Regisseur und Sprecher beschreibt Michl, was die Ereignisse von heute mit der Zeit zu tun hätten, die Hermann Brenner als Jugendlicher und junger Mann erlebt hat und wie er mit seiner Frau und den beiden Söhnen im oberpfälzischen, katholischen Weiden lebte. Der „Hermann-Brenner-Platz“ wurde am 13. April 2013 am Campus der FOS/BOS Weiden eingeweiht.

Eine tragende Säule des Films sind Gespräche, die der Preisträger mit Michael Brenner, Hermann Brenners Sohn, geführt hat. In den Erzählungen des Sohnes – Lehrstuhlinhaber für jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München– der in manchen Szenen von Henny Brenner, seiner Mutter („Das Lied ist aus“), begleitet wird, lassen sich einzelne Spuren von Herman Brenners Leben erkennen.

Michael Brenner unterstützte die Arbeit gerne, hatte er doch mit Burkhard Röhlinger 1981 denselben Tutor, der jetzt Michl zum Landessieg begleitete. Der einstige Lehrer am Kepler-Gymnasium hatte den damals ebenfalls erst 16-jährigen Michael Brenner bei seiner Arbeit „Am Beispiel Weiden – Jüdischer Alltag im Nationalsozialismus“ begleitet, für die er vor 39 Jahren den Bundespreis in Geschichte gewann. Verantwortlicher Tutor war Thomas Peter, der sich über den "Touch eines Dokumentarfilms" freute.

„Auch Petra Vorsatz betreute mich im Stadtarchiv sehr nett und ich bekam Hintergrundinfos zur jüdischen Gemeinde aber vor allem zur Zeit des Nationalsozialismus.“ Auch Sebastian Schott half gerne. Michl besuchte den Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde in Nürnberg, Andre Freud, den er interviewte. Mit viel Material in der Tasche machte sich der Hobbyfotograf endlich daran, den Film in Form zu gießen. „Ich schrieb ein grobes Storyboard und begann mit meinen Sprechparts, die ich immer und immer wieder einsprechen musste, bevor es fehlerfrei war.“

„Am Ende war diese Arbeit nicht nur eine Herausforderung für mich, sondern vielmehr eine tolle Lebenserfahrung. Ich habe viel über meine Stadt und ihre Geschichte erfahren und kann daraus sehr viel für die Zukunft mitnehmen.“

Schüler des Augustinus-Gymnasium drehen ein Erklärvideo über wehrhafte Demokratie

Weiden in der Oberpfalz
Gregor Michl mit seinen beiden Tutoren Burkhard Röhlinger (links) und Thomas Peter (rechts).
Das Schild, das Gregor Michl für seine Arbeit inspiriert hat.
Das Schild, das Gregor Michl für seine Arbeit inspiriert hat.
Das Cover der DVD.
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