14.07.2021 - 15:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Der Aufschrei bleibt zu Unrecht aus

Stell dir vor es gibt Impfstoff, aber keiner geht hin. Dieser Fakt hätte das Zeug zum Aufreger, findet unser Kommentator.

Im BRK-Impfzentrum Weiden ist genug für alle da. Erstimpfungen sind nun sogar ohne Termin möglich.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil
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Über 15.000 Dosen Astrazeneca sind in Bayern vom Verfall bedroht. Vergleicht man solche Schlagzeilen mit dem bislang sechsmonatigen Mangelangebot an Impfstoff, fällt der Aufschrei vergleichsweise mickrig aus.

Dabei ist es ein Skandal. An einem der reichsten Industriestandorte der Welt lassen Bürger Impftermine wegen Urlaubsreisen sausen, während dicht besiedelte afrikanische Länder laut WHO Impfquoten von zehn Prozent unterschreiten und rettbare Covid-Patienten kaum Hilfe bekommen.

Bequemlichkeit ist das eine, Impfablehnung das andere. Dass beides, Stand heute, dazu führt, dass die Impfquote hierzulande bei gut 55 Prozent vor sich hindümpelt, ist eine deprimierende Nachricht. Sie bedeutet, dass im Herbst wieder Homeschooling, Verzicht auf Kulturveranstaltungen oder Restaurantbesuche drohen, weil die Delta-Variante des Coronavirus’ nur bei 80-prozentiger Durchimpfquote in Schach zu halten ist. Das muss man sich erst einmal leisten können. Noch nie war so viel Vakzin, egal welchen Herstellers, vorhanden, und nun gehen die Impfwilligen aus.

Erschreckend daran: Die Impfskepsis beschleunigen nicht nur Verschwörer aus den Schmuddelecken des Internets. Minister wie Hubert Aiwanger oder Horst Seehofer leben vor, dass sie es mit der schützenden Spritze nicht so eilig haben oder hatten, während ihre Kabinettskollegen und Kommunalpolitiker sich den Kopf über gezieltere Impfkampagnen zermartern.

Neue Impfstrategien und aktuelle Zahlen in Weiden und Neustadt/WN

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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