01.07.2021 - 13:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Angestellten angefahren: Unternehmer muss Strafe zahlen

Gegen eine Verurteilung zu 2500 Euro Geldstrafe durch das Amtsgericht hat ein Unternehmer aus dem Regensburger Umland Berufung eingelegt. Er soll sich gewaltsam ein Auto seines Betriebs von einem ehemaligen Angestellten zurückgeholt haben.

Die Skulptur der Dame Justitia hat zweierlei Merkmale: Verbundene Augen und eine Waagschale.
von Autor RNSProfil

Ein 41-Jähriger hatte vor gut einem Jahr versucht, ein Auto seines Betriebs von einem gekündigten Arbeitnehmer aus dem Landkreis Neustadt/WN zurückzuholen. Daran hinderten ihn der Schweißer und dessen Lebensgefährtin dadurch, dass sie sich vor und hinter das Fahrzeug stellten. Der Selbständige ließ sich jedoch nicht aufhalten, rangierte in der engen Zufahrt vor und zurück und fuhr dabei den Mann und die Frau leicht an. Schließlich rief eine Nachbarin die Polizei, die den Tumult beendete. Erst am nächsten Tag erhielt der Verheiratete sein Firmenfahrzeug. Wegen Körperverletzung kam es zu einer Verurteilung in Weiden. Nun verwarfen Richter Reinhold Ströhle und zwei Schöffen der 2. kleinen Strafkammer des Landgerichts die Berufung. Es bleibt bei der verhängten Strafe.

Rechtsanwalt Maximilian Strohmayer (Regensburg) bezweifelte die Glaubwürdigkeit der Zeugen „aus dem Lager der Geschädigten“. Sie hätte „Belastungseifer“ gezeigt und sich in Widersprüche verwickelt. Sein Mandant habe nur sein Eigentum holen wollen und niemanden verletzt. Er forderte Freispruch. Staatsanwältin Carolin Ammon dagegen hielt die Aussagen der Geschädigten, obwohl sie „emotional aufgeladen“ waren, für glaubhaft. „Es hätte durchaus mehr passieren können“, warf sie dem nicht vorbestraften Angeklagten vor. Ammon beantragte, die Berufung zu verwerfen, was Richter Ströhle und die Schöffen auch taten.

Etwas schwierig war, die Höhe des Einkommens des angeklagten Manns für die Strafhöhe zu bestimmen. Der Chef über sieben Arbeitnehmer hat einen Bank-Kredit über 500.000 Euro, seine Frau einen Minijob in seinem Unternehmen. Er lebt auf großem Fuß, zahlt 1400 Euro Miete – verdient aber, nach Bescheinigung einer Steuerberaterin, nur 215 Euro im Monat. Richter Ströhle ließ trotzdem die Tagessatzhöhe bei 50 Euro gelten. Mit ungläubigem Kopfschütteln verfolgte der 41-Jährige die Urteilsverkündung.

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