22.06.2020 - 18:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ampelanlage für Anschlussstelle Weiden-Süd

Die Ausfahrten an der Anschlussstelle Weiden-Süd der A 93 haben sich mittlerweile zu einem Unfallschwerpunkt entwickelt. Beim Abbiegen kracht es immer wieder. Eine Ampelanlage soll Abhilfe schaffen.

Die Baustelle an der Anschlussstelle Weiden-Süd ist am Montag eingerichtet worden.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

„Wenn in bestimmten Streckenabschnitten über einen längeren Zeitraum eine gewisse Unfallhäufigkeit erkennbar ist, dann sprechen wir von einem Unfallschwerpunkt“, klärt Johann Wurm, Verkehrssachbearbeiter der Verkehrspolizeiinspektion Weiden auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien auf. Eine solche Häufung stellte nicht nur die Polizei, sondern auch das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach an der Anschlussstelle Weiden-Süd der Autobahn A 93 fest. In diesem Sommer werden nun an beiden Einmündungen Ampelanlagen errichtet, die das Unfallrisiko minimieren sollen.

24 Verkehrsunfälle bei Weiden-Süd

In den vergangenen fünf Jahren zählte die Verkehrspolizei an den Auffahrten bei Weiden-Süd insgesamt 24 Verkehrsunfälle mit 2 Schwer- und 23 Leichtverletzten. „Alles Abbiege- oder Vorfahrtsfehler“, sagt Wurm mit Hinweis auf einen kleinen, interessanten Unterschied. So passieren aus Richtung Hof kommend an der Einmündung vermehrt Vorfahrtsunfälle (z. B. Missachtung Rechts-vor-Links). „Die Linksabbieger von der Autobahn übersehen oft den von Ullersricht kommenden Verkehr. Liegt vielleicht auch der leichten Kuppe an dieser Stelle.“ An der anderen Auffahrt aus Richtung Regensburg gibt es hingegen vermehrt klassische Abbiegeunfälle. „Hier missachten sehr häufig die Linksabbieger, die von der Tangente auf die Autobahn einbiegen wollen den Gegenverkehr.“

So oder so macht der Verkehrsexperte der Polizei noch ein anderes Problem auf diesem Streckenabschnitt aus. „Leider fahren die meisten Autofahrer viel zu schnell. Kaum jemand hält sich an die vorgeschriebenen 60 Stundenkilometer. Wir haben sogar schon den Spitzenwert von 100 gemessen.“ Mehr Kontrollen wären wünschenswert. Doch sei das in dem Bereich ziemlich aufwendig. „Die Ausrüstung muss über den hohen Ranger und durch Gehölz geschleppt werden,“ sagt Wurm. Die Ampel werde die Raser hoffentlich einbremsen.

Enorme Rückstaus entzerren

Auch Staus könnten sich durch eine Ampel regeln lassen. „Die meisten Einpendler nach Weiden kommen von Norden. Viele wollen zur FOS/BOS im Weidener Osten. Da kommt es schon vor, dass sich zur Rushhour morgens um 8 Uhr der Verkehr über die Süd-Ost-Tangente bis zur Schule staut. Wir hatten schon Rückstaus bis zurück auf die Autobahn. Da wird’s dann gefährlich“, weiß der Verkehrspolizist. Mit dem Bau der Ampelanlage sollen auch, von der Autobahn kommend, eine getrennte Links- und Rechtsabbiegespur angelegt werden. Auch das lenke den Verkehrsfluss positiv.

Ampeln an Autobahnabfahrten war erst 2019 Thema. Seit September gibt es sie auf der B 470 an der Anschlussstelle Weiden-West. Nach anfänglichen Bedenken aus der Bevölkerung („Die bremst den Verkehr auf der B 470 aus“), scheint der Verkehr dennoch zu fließen. „Es funktioniert“, bestätigt Baudirektor Gerhard Kederer vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach, das auch hier Bauherr war. Für Weiden-Süd erwartet er ähnliche Erfolge.

Verkehrsbehinderungen rund um Weiden-Süd

Weiden in der Oberpfalz

Neue Ampeln an Autobahnauffahrt Weiden-West

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Chaos bleibt aus

Das befürchtete Chaos am ersten Tag bei der Anschlussstelle Weiden-Süd blieb aus. „Wir haben die Sperrung am Montag um 10 Uhr in Kraft gesetzt, daher haben viele Pendler davon gar nichts mitbekommen“, erklärt Johann Wurm von der Verkehrspolizeiinspektion Weiden. Bisher funktioniere die Sperre reibungslos, berichtet er am Montagnachmittag. „Ein paar Verzögerungen gibt es in der Dr.-Seeling-Straße/Moosbürger Straße. Die Stadt Weiden hat auch die Ampelanlage umgestellt. Dadurch wird der Moosbürger Straße nun Vorzug gewährt. Mit der grünen Welle auf der Süd-Ost-Tangente ist es daher erstmal vorbei“, erklärt er. Die Sperrung der Brücke löste aber kein Chaos aus. „Einzelne Fahrzeuge, die trotz der Schilder versuchen wollten, die Brücke zu überqueren, müssen wenden, ansonsten läuft alles reibungslos“, zieht Wurm eine erste Bilanz. Ob es in den nächsten Tagen, vor allem am Morgen, etwas chaotischer wird, bleibe abzuwarten. (msh)

Kommentar:

Autofahrer werden sicher noch fluchen

Pendler dürften nicht gerade frohlocken, wenn es um eine weitere Ampel an der Süd-Ost-Tangente in Weiden geht. Die Maßnahme wird aber unter anderem damit begründet, dass hier ein weiterer Unfallschwerpunkt entschärft wird. Persönlich habe ich inzwischen ausreichend Erfahrung mit der Ampelanlage bei Weiden-West, und bin nach anfänglicher Skepsis ein Befürworter. Gerade das Einfädeln von den Autobahnabfahrten in den laufenden Verkehr wurde hier enorm erleichtert. Da kam es immer wieder zu Problemen. Schuld war immer der andere.
Davon, dass es eine Ampel auch bei Weiden-Süd braucht, bin ich noch nicht überzeugt. Das Abbiegen in den laufenden Verkehr ist aufgrund der kleinen Kuppe zwar nicht immer angenehm, aber machbar. Die Hoffnung besteht allerdings, dass sich auch diese Baumaßnahme als Erfolg erweist und den Straßenverkehr nicht enorm bremst, ganz nach dem Vorbild Weiden-West. Dass der ein oder andere Autofahrer dennoch über die Baustelle oder die Ampel fluchen wird, lässt sich wohl kaum vermeiden.

Matthias Schecklmann

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