02.12.2020 - 17:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Alternativen geprüft: Gewerbegebiet Weiden-West IV bester Standort

Für West IV muss viel Wald gerodet werden. Doch auch nach Prüfung weiterer Standortalternativen in Weiden scheint sich die 47 Hektar große Fläche an der B 470 am besten für ein Gewerbegebiet zu eignen.

Anton Kohl (rechts) von TNL Umweltplanung, Weiden, und Matthias Rühl, Arbeitsgemeinschaft Stadt & Land, Neustadt/Aisch, stellen dem Stadtrat die ersten Ergebnisse der Standortalternativen-Prüfung für Weiden-West IV vor.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Bis spät in die Nacht feilten die Planer an der Standortalternativen-Prüfung für das Gewerbegebiet Weiden-West IV, um am Montag in der Sondersitzung des Stadtrats zumindest einen Zwischenstand zu präsentieren. Denn fertig ist die von allen Beteiligten mit Ungeduld erwartete Untersuchung noch immer nicht. Die Planer hängen nochmal zwei Monate dran, um vor allem beim Thema Schallschutz nachzuarbeiten.

Das sei unumgänglich, denn Rechtssicherheit gehe vor Schnelligkeit, betonte Oberbürgermeister Jens Meyer mit Nachdruck. Das ganze Verfahren rund um West IV sei höchst kompliziert. Besondere Anforderungen (Arbeitsplätze, Klimaschutz), das Bürgerbegehren und Änderungen in der Rechtsprechung erforderten ständige Anpassungen. "Darauf stellen wir uns ein, aber wir müssen gewaltige, dicke Bretter bohren."

Welche Alternativen es für die Fläche im Weidener Westen geben könnte, stellten Anton Kohl vom Umweltplanungsbüro TNL, Weiden, und Stadtplaner Matthias Rühl von der Arbeitsgemeinschaft Stadt & Land, Neustadt/Aisch, näher vor. Nach Ausschluss problematischer Bereiche wie Überschwemmungsgebiete, Biotope oder nicht geeigneter Topographie kristallisierten sich sechs Alternativen heraus:

  • A 93 nördlich Mooslohe
  • West IV
  • nördlich Neunkirchen und Flugplatz Latsch
  • südwestlich Neunkirchen
  • Mallersricht und Maierhof
  • westlich Rothenstadt
  • südwestlich Rothenstadt
Neben West IV haben die beauftragten Planungsbüros weitere sechs Alternativstandorte für ein Gewerbegebiet in Weiden geprüft.

Für jede dieser Flächen wurden verschiedene Fragenkataloge abgeklopft und die Ergebnisse in einer sogenannten Bewertungsmatrix dargestellt. „Dabei haben wir für uns in der Werteskala die Bereiche Umwelt, Lärm und Landschaftsbild besonders wichtig eingestuft“, erklärte Kohl. Denn, so der Planer, für West IV werde schon viel Wald gerodet, was sich somit eher negativ auf die Umweltverträglichkeit auswirke. Positiv sei hingegen die stadtnahe Lage, die gute Verkehrsanbindung an eine leistungsfähige Straße und die leicht erhöhte Lage auf einem Plateau (Topographie).

Freileitungen im Weg

Auch bei der Prüfung des künftigen Erweiterungspotenzials schnitt West IV besser ab. Dass es hier bei der Eigentümerstruktur nur einen Ansprechpartner (Bayerische Staatsforsten) gebe, erleichtere die Lage zudem. „Bei den Alternativen seien das zum Teil viel mehr“, sagte Anton Kohl. Zum Beispiel dort, wo Flächen landwirtschaftlich genutzt würden wie im Bereich Rothenstadt. Freileitungen (wie bei Neunkirchen) und großflächige Photovoltaikanlagen (unter anderem westlich von Rothenstadt) erschwerten ebenso die Ausweisung für Gewerbe.

Letztendlich kamen die Planer zu dem Ergebnis, dass West IV sich am besten für den Standort eines Gewerbegebietes eignen würde. Bis in zwei Monaten soll die endgültige Analyse dem Stadtrat präsentiert werden. Bis dahin werde beim Schallschutz nachgebessert, sagte Matthias Rühl. Hintergrund sei, dass die jetzt untersuchten Alternativflächen nicht deckungsgleich mit den später bebauten Gebieten sein müssen. Es könne Abweichungen im Bebauungsplan geben. „Für West IV gibt es bereits ein ausführliches Schallschutzgutachten. Das muss nun auch für die Alternativflächen nachgeholt werden.“ Damit folge man dem Rat des Rechtsbeistands, Rechtsanwalt Dr. Florian Seebauer aus München.

Freileitungen stören

„Das Nachschärfen muss sein“, sagte Oberbürgermeister Jens Meyer. Das sei dem komplizierten Verwaltungsverfahrensrecht geschuldet. Zum Ergebnis merkte er an, dass er sich nicht vorstellen könne in Maierhof, Latsch oder Neunkirchen ein Gewerbegebiet zu schaffen. Auch Roland Richter, Fraktionsvorsitzender der SPD, hielt Rothenstadt angesichts der vielen Haupterwerbslandwirte und wertvollen Äcker für schwierig. Der Grüngürtel sei unter anderem eine wichtige Frischluftschneise für die Stadt. Der "Königsweg" zu neuen Gewerbeflächen sei natürlich, Brachen zu reaktivieren. „Schauen Sie doch mal nach Altenstadt/WN und den Leerstand der ehemaligen Bleikristallindustrie.“ Aber für die meisten Gemeinden werde das zu teuer. „Uns gehen die Flächen aus. Und ich bin froh, dass wir jetzt nochmal die Bestätigung bekommen haben, dass West IV der beste Standort ist.“

Karl Bärnklau (Grün.Bunt.Weiden) befürchtete eine Zunahme der Einpendler nach Weiden und eine entsprechend hohe Verkehrsbelastung.

Gisela Helgath (ÖDP) hakte beim Standort Flugplatz Latsch nach. Der sei damals von den Grünen im Stadtrat als Alternative vorgeschlagen worden. „Latsch wurde von uns bewertet, fiel aber dann aufgrund der Bauhöhenbeschränkungen (Einflugschneise) raus“, erklärte Kohl.

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