19.10.2020 - 17:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Aktive Mittagspause in Weiden trotz Corona: Verdi bereit zum Streik

Beschäftigte im öffentlichen Dienst treffen sich an der Max-Reger-Halle, um den stockenden Tarifverhandlung Nachdruck zu verleihen. Die Corona-Pandemie macht die Veranstaltung zum Spagat für die Gewerkschaft.

Mit Maske und dem vorgeschriebenen Abstand: Dem Aufruf von Verdi zur „Aktiven Mittagspause“ in Weiden sind rund 80 Personen gefolgt.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Es war eine etwas andere Verdi-Kundgebung vor der Max-Reger-Halle in Weiden. Unter strengen Auflagen, in gebührendem Abstand zueinander und Mund-Nase-Masken, auf denen zahlreich der Verdi-Schriftzug zu lesen war, folgten etwa 80 Beschäftigte im öffentlichen Dienst am Montag dem Aufruf zur aktiven Mittagspause.

„Wir lassen uns von diesem Virus nicht abschrecken, die Arbeit niederzulegen“, erklärte Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner und ließ dabei anklingen, dass manche durchaus darauf gehofft hatten. Zur aktiven Mittagspause in Weiden habe die Gewerkschaft aufgrund der Corona-Pandemie mit „viel Augenmaß“ aufgerufen. „Wenn es um die Beschäftigten im öffentlichen Dienst geht, sind immer auch die Bürger direkt betroffen. Und wegen der Pandemie ist es noch schwieriger“, sagt er.

Daher verzichtete Verdi auf einen Aufruf der Angestellten der Kitas in Weiden, um die Eltern nicht noch mehr zu belasten. Gefolgt waren der Aufforderung dann doch rund 80 Personen. Darunter Beschäftigte der Stadt und Stadtwerke Weiden, der Max-Reger-Halle, der Kliniken Nordoberpfalz AG sowie der Sparkassen. Aufgrund der Pandemie habe man sich entschieden, die aktive Mittagspause auf Beschäftigte zu beschränken, die sowieso in Weiden arbeiten. Auch der Markt Wernberg und die Stadt Tirschenreuth inklusive der Stadtwerke dort waren ursprünglich aufgerufen worden zu kommen. Sie führten ihre Aktionen vor Ort durch.

Öffentlicher Dienst: Verdi-Warnstreik auch in Amberg

Amberg

Das vorliegende Angebot in der aktuellen Tarifrunde nannte Gröbner in seiner Ansprache eine „Mogelpackung“. Es sei „respektlos“ gegenüber den Beschäftigten und „nicht tragbar“. In dem Angebot ist lediglich eine Gehaltssteigerung von je einem Prozent für 2021 und 2022 sowie von 1,5 Prozent für 2023 vorgesehen. Eine Corona-Zulage von 300 Euro soll mit der bereits vorhandenen verrechnet werden.

Mit diesem Vorschlag der Arbeitgeber ist laut Gröbner kein positives Ergebnis der Verhandlungen zu erwarten, die am Donnerstag in Potsdam in die dritte Runde gehen werden. „Wenn sich hier nichts bewegt, werden wir nicht vor Warnstreiks zurückschrecken. Diese können auch länger ausfallen. Dann werden wir in Zukunft vielleicht einen größeren Platz brauchen, um die Abstandsregeln einzuhalten“, kündigte Gröbner an.

Dass die Veranstaltung auch für die Gewerkschaft ein Spagat ist, gibt er zu: „Gerade in der Kommunikation in den Betrieben setzen wir schon vermehrt auf Video-Chats. Wir versuchen, Veranstaltungen wie diese zu entzerren. Aber wir brauchen auch die Öffentlichkeit solcher Kundgebungen.“

Info:

Die Forderungen der Gewerkschaft

Im Mittelpunkt steht unter anderem der Gesundheitsbereich, aber auch Beschäftigte aus Gemeinde- und Stadtverwaltungen, Müllabfuhr, Straßenreinigung und Kläranlagen, Bauhöfen, Gartenämtern und der Energie- und Wasserversorgung in Stadtwerken, Bäderbetrieben, Sparkassen sowie Bundesdienststellen wie der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Bundesagentur für Arbeit bis hin zu Jobcentern.

  • Erhöhung der monatlichen Entgelte um 4,8 Prozent, mindestens aber um 150 Euro
  • Laufzeit von zwölf Monaten
  • Vergütung der Auszubildenden soll um 100 Euro steigen
  • Verbesserungen bei den Altersteilzeitregelungen
  • Arbeitszeit im Osten (durchschnittlich 40 Stunden) soll an die im Westen (39) angeglichen werden
Eine Anspielung auf die Aktion, bei der zu Beginn des Jahres minutenlang für Beschäftigte in medizinischen und pflegenden Berufen geklatscht wurde. Arbeitnehmer der Kliniken Nordoberpfalz AG wollen, dass sich diese Wertschätzung auch auf dem Gehaltszettel niederschlägt.
"Aktive Mittagspause" von Verdi vor der Max-Reger-Halle in Weiden.
Alexander Gröbner, Bezirksgeschäftsführer Verdi Oberpfalz.

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