01.09.2020 - 16:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Agenturbezirk Weiden bei Kurzarbeit mit an der Spitze

Gerade wegen der hohen Kurzarbeiterzahlen im Bereich Weiden, rechnen Arbeitsmarktexperten damit, dass die Region mit einem blauen Auge davonkommen könnte. Denn dafür ist die Arbeitslosenzahl im Bayernvergleich deutlich weniger gestiegen.

Der Handel mit Autoteilen und Kraftfahrzeugen ist nicht nur in der Region Weiden besonders stark von Kurzarbeit betroffen.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Der Arbeitsagenturbezirk Weiden ist von Kurzarbeit besonders stark betroffen. Seit Dienstag liegen die konkreten Zahlen für den Monat April vor. Demnach befanden sich 23276 Arbeitnehmer in 1656 Betrieben in Kurzarbeit. Im März – quasi zu Beginn der Corona-Krise - waren es noch 6414 Arbeitnehmer in 887 Unternehmen.

Die Nordoberpfalz zählt damit zu den Regionen in der Bundesrepublik, in denen "der Anteil von Kurzarbeitergeld tatsächlich überproportional hoch ist", bestätigt Claudia Wildenauer-Fischer, die Stellvertreterin von Agenturchef Thomas Würdinger. Was zunächst negativ klingt, hat nach ihren Worten allerdings auch einen positiven Effekt: "Dafür hat sich bei uns die Arbeitslosigkeit nicht so drastisch erhöht wie es in anderen Agenturbezirken der Fall war."

Keine Zahlen für Stadtgebiet

Ob das Stadtgebiet Weiden im Bundesvergleich tatsächlich Spitzenreiter ist, wie es eine von der Süddeutschen Zeitung im August veröffentlichte Grafik des Ifo-Instituts auswies, kann Wildenauer-Fischer nicht bestätigen. Zum einen würden die Kurzarbeiterzahlen der Arbeitsagentur nicht auf das Stadtgebiet heruntergebrochen, sondern betreffen den gesamten Agenturbezirk, also auch die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth. Zum anderen dürfte die Grafik ihren Worten nach auf einer Hochrechnung basieren, weil erst jetzt die konkreten Zahlen für April vorliegen.

Das liege daran, dass die Betriebe zwar vorab anzeigen, mit welcher Dimension von Kurzarbeit sie rechnen. Die tatsächliche Abrechnung – also, wie viele Arbeitnehmer wie lange verkürzt gearbeitet haben – werde in der Regel aber erst mit einigen Monaten Verspätung eingereicht.

Sitz der Zentrale zählt

Dazu kommt, laut Wildenauer-Fischer: "Wenn ein Unternehmen mit bundesweiten Filialen sein Lohnbüro in Weiden sitzen hat, werden alle seine Kurzarbeiter dem Agenturbezirk Weiden zugerechnet." Wie viele dieser Arbeitnehmer tatsächlich in der Region beschäftigt sind, lasse sich aber nicht feststellen.

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Weiden in der Oberpfalz

Von der Kurzarbeit im April besonders stark betroffen war unter anderem der Handel mit Kraftfahrzeugen und Kfz-Teilen. Firmennamen darf die stellvertretende Agenturchefin nicht nennen. Aber dass mit ATU ein großer Autoteile-Handel seine Zentrale in Weiden hat, ist allgemein bekannt. Auch das verarbeitende Gewerbe (Metall und Elektro) sowie das Gastgewerbe meldeten häufig Kurzarbeit an.

Wie enorm sich die Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt hat, zeigt laut Wildenauer-Fischer auch ein Vergleich der Kurzarbeiterzahlen von März und April mit Januar 2020: Im Januar gab es im Agenturbezirk 446 Kurzarbeiter in 11 Betrieben. Deutlich weniger also als mit Beginn der Corona-Krise. "Dabei ist der Januar eigentlich sonst die Spitzenzeit wegen des Saison-Kurzarbeitergelds in der Baubranche." Verglichen mit der Finanzkrise 2009 seien bundesweit sogar mehr als das Zehnfache an Kurzarbeitsanzeigen eingegangen.

Kurzarbeit kontra Arbeitslosigkeit

Dass viele Unternehmer der Region das Instrument der Kurzarbeit nutzen, ist nach den Worten der Expertin genau richtig. "Weil Arbeitslosigkeit schlimmer ist als vorübergehende Kurzarbeit." Ziel sei es ja, damit Arbeitslosigkeit zu verhindern. Und in diesem Punkt schneidet der Agenturbezirk Weiden auf Landesebene gut ab: In der Nordoberpfalz stieg die Arbeitslosigkeit im August 2020 verglichen mit August 2019 um 17,1 Prozent, bayernweit dagegen wurde hier ein Anstieg von 40,5 Prozent festgestellt.

Und wie schätzt die Expertin die weitere Entwicklung ein? "Erste Hinweise sprechen dafür, dass die Spitze bei der Kurzarbeit im April oder Mai erreicht wurde." Angesichts der spät eintreffenden Zahlen könne sich da aber noch viel ändern. Aktuell geht Wildenauer-Fischer davon aus, "dass wir mit einem blauen Auge davon kommen". Denn die Region verfüge über einen homogenen Arbeitsmarkt. "Wir haben auch viele moderne Unternehmen, beispielsweise im Bereich der Digitalisierung. Die sind von der Krise weit weniger betroffen." Eine konkrete Zukunftsprognose sei jedoch nicht möglich. "Das ist derzeit wie ein Blick in die Glaskugel."

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