25.08.2020 - 17:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ärger unter Jagdgenossen vor Gericht

Vor dem Landgericht Weiden streiten zwei Jagdgenossen aus dem Kreis Tirschenreuth. Es geht um Morddrohung, Stalking und Beleidigung. Vor Gericht sagen vier Zeugen für den Beklagten aus. Dabei treten einige Unstimmigkeiten zutage.

Zwei Jagdgenossen aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth stehen vor Gericht. Die Verhandlung ist der Höhepunkt eines jahrelangen Streits.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Für Richter Josef Hartwig ist es offensichtlich, "dass sich sowohl Kläger als auch Beklagter seit Jahren in einer erbitterten und (...) mit allen erlaubten und auch unerlaubten Mitteln ausgetragenen Feindschaft befinden". So steht es in dem Urteil vom 24. Juli, das Oberpfalz-Medien vorliegt. Beide Kontrahenten, die damals vor dem Weidener Landgericht stritten, sind Jagdgenossen aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth.

Ständig fotografiert?

Für den Kläger begann der Streit mit einem Schreiben des Beklagten vom November 2017. Dabei handelte es sich um eine Reaktion auf einen Bußgeldbescheid. Der Brief ging damals an das Bayerische Polizeiverwaltungsamt Straubing sowie an verschiedene Behörden im Landkreis. Darin machte der Beklagte seinen 78-jährigen Kontrahenten für den Bußgeldbescheid verantwortlich und stellte mehrere Behauptungen über diesen auf. Unter anderem berichtete der 61-Jährige, dass der Kläger ihm gedroht habe, ihn zu erschießen. Zudem hätte dieser unerlaubt Gewerbemüll auf seinem eigenen Grundstück entsorgt.

Der Beklagte behauptete auch, dass der Kläger ihn ständig beobachte, gar fotografiere. 2019 forderte der 78-jährige Rentner den Beklagten auf, eine Unterlassungsverpflichtungs-Erklärung in Bezug auf die verschiedenen Äußerungen zu unterschreiben. Dem Kläger seien deswegen bereits Verstöße gegen verschiedene Strafgesetze zur Last gelegt worden. Ihm hätte die waffenrechtliche Erlaubnis und das Jagdrecht entzogen werden können.

Unter Beweispflicht

Für den Beklagten beginnt die Geschichte bei einem Streit um einen öffentlichen Feldweg Ende der 1980er Jahre. Im Zuge des Ausbaus seines Grundstücks habe der Kläger nach Aufschüttung des Geländes dieses und auch den Weg einheitlich überpflastert. Dabei hätte er "einige Grenzsteine verschwinden lassen". Für den Beklagten seien alle Aussagen aus dem Schreiben von 2017 zutreffend.

Er stand vor Gericht unter Beweispflicht. Aus den Aufzeichnungen des Protokolls von der Verhandlung am 6. Juli gehen die Aussagen von vier Zeugen hervor. Diese sollten die Behauptungen des 61-Jährigen bestätigen. Insbesondere ging es um den Vorwurf, ob der Kläger den Beklagten stalken würde. Als erstes wurde der 68-jährige Nachbar des Beklagten befragt. Er berichtete von einem Ereignis im Jahr 2019. Damals habe der Beklagte Holz gemacht. Von seinem Anwesen hätte der 68-Jährige nach oben gesehen und auf dem Grundstück des Klägers eine Person entdeckt, die beide Arme zum Gesicht erhoben hatte. Der Zeuge interpretierte die Situation, als ob die Person etwas filmt oder mit einem Fernglas beobachtet. Dabei könnte es sich um den Kläger gehandelt haben.

Der Anwalt des Klägers, Lutz Freiherr von Hirschberg, geht auf eine schriftliche Aussage des Zeugen ein, die im Vorfeld an das Gericht gesendet wurde. "Diese Aussage habe ich unterschrieben", gibt der Zeuge zu. Verfasst wurde sie jedoch vom Beklagten. Weiterhin wird ein 34-Jähriger befragt. Der Zeuge sei mit einem Traktor des Beklagten gefahren. Dabei sei er an einem Haus vorbeigekommen, wo ein Mann auf dem Balkon stand und ein Foto machte. Auch er wird zu seiner schriftlichen Erklärung befragt. Diese wurde ebenfalls vom Beklagten verfasst.

Keine Morddrohung gehört

Zum Schluss spricht ein 47-Jähriger. Er sagt aus, dass er mit dem Beklagten auf dem Feld gearbeitet habe. Wiederum sei der Kläger in etwa 50 Meter Entfernung gewesen und habe den Traktor fotografiert. Zudem wird der Zeuge zu der Morddrohung befragt. Ihm wird seine Aussage vor der Polizei vorgelesen. "Ich muss heute angeben, dass diese Angaben so nicht zutreffen." Damals sagte der 47-Jährige aus, dass er die Morddrohung gehört hätte.

In seinem Urteil gibt Richter Hartwig dem Kläger in zwei Punkten recht. So darf der Beklagte nicht mehr behaupten, dass der Kläger ihn habe erschießen wollen und, dass dieser Gewerbemüll auf seinem Grundstück entsorgt habe. Als Begründung nennt der Richter, dass der Beklagte mit dem Schreiben von 2017 bezwecken wollte, dass gegen den Kläger ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Daher habe er es auch an mehrere Behörden geschickt.

Zudem habe der 64-jährige Zeuge seine Aussage revidiert, dass er die Morddrohung gehört hätte. Weiterhin haben alle vernommenen Zeugen angegeben, dass ihre schriftlichen Erklärungen durch den Beklagten verfasst wurden. Demzufolge liege der Schluss nahe, dass auch der 64-Jährige in seiner Aussage beeinflusst wurde.

Verhalten überrascht nicht

In allen weiteren Punkten wurde die Klage durch das Landgericht Weiden abgewiesen. In Bezug auf das "Stalking" ist Richter Hartwig der Ansicht, dass diese Aussage des Beklagten nicht zu beanstanden sei. Das hätten wiederum die Zeugenaussagen bestätigt und auch vorgelegte Bilder, die der Kläger selber mitbrachte.

"Im Hinblick auf die erkennbar seit Jahren zwischen den Parteien praktizierten gegenseitigen Vorwürfe und Anfeindungen überrascht ein derartiges Verhalten des Klägers nicht. Wer sich in einzelnen Situationen immer wieder so verhält, ohne dass er nachweisen kann, dass sein Gegenüber ihm dazu berechtigten Anlass gegeben hat, muss es auch tolerieren, dass eine derartige Äußerung über ihn von dem Betroffenen verbreitet wird", resümiert der Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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