25.09.2020 - 18:11 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Abgesagte Evakuierung: Finanzieller Knalleffekt für Stadt Weiden

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Nach der Bombe ist vor dem Kassensturz: Die Suche nach einem möglichen Blindgänger nahe des Stadtfriedhofs mit Beinahe-Evakuierung eines Stadtteils kostet bis zu 300000 Euro. Auf einem Gutteil bleibt die Stadt sitzen.

Was daherkommt wie ein paniertes XXL-Schnitzel ist der Grund für die Aufregung rund ums Wasserwerk: Dieser leere Abwurfbehälter ließ bis Donnerstag eine scharfe Fliegerbombe im Untergrund vermuten.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Auch wenn es nun definitiv nur ein Bombenbehälter und kein Sprengsatz war, der mehrere Dezernate der Stadt und Rettungskräfte in der ganzen Oberpfalz wochenlang beschäftigt hat, ist das Thema im Rathaus und in anderen Institutionen noch nicht durch.

Erst recht nicht in der Kämmerei, wo Chefin Cornelia Taubmann bislang nur wenige Rechnungen vorliegen. Sie hat jedoch vorab Kostenzusagen für knapp 300000 Euro erteilt. "Wir stehen wegen der Absage aber mit allen Kostenträgern in Verhandlungen, was eventuell doch noch entfallen kann."

Mehr zur abgesagten Bombenentschärfung

Weiden in der Oberpfalz

Können Fonds angezapft werden?

Dennoch: Taubmann rechnet damit, dass die Stadt für zwei Drittel der Summe geradestehen muss. Denn auch wenn beispielsweise Hoteliers Rabatte für angemietete Zimmer einräumen, fällt eine Fülle von Einzelposten an. Das fängt bei der Verpflegung an. Über die VHS-Küche hat die Stadt Wurst und Schnittkäse eingekauft, aus Hygienegründen alles verschweißt. Für Babys wären Gläschen bereitgestanden. "Das versuchen wir jetzt über die Tafel zu verteilen," erklärt die Kämmerin. Sie will zudem weitere Quellen anzapfen, etwa Katastrophenschutzfonds des Bundes oder des Landes. Auch im bayerischen Innenministerium will sie anklopfen, ob es eventuell für die eine oder andere Ausgabe einspringt.

Denn der ganze Aufwand habe einen positiven Nebeneffekt für ganz Bayern, betont Weidens Finanzchefin: "Das Geld war nicht vergebens. Es war das erste Mal, dass eine komplette Integrierte Leitstelle im Freistaat evakuiert werden musste. Diese Erfahrungen helfen auch anderen."

So sieht es auch ILS-Chef Jürgen Meyer, der mit seiner Truppe in München Unterschlupf fand. "Bei uns kann sich jetzt jeder erkundigen. Wir waren sogar bundesweit die ersten, die so etwas erlebt haben." Dabei lerne man, welche Rädchen ineinandergreifen müssen, welche Kleinigkeiten wichtig sind, aber leicht vergessen werden und vieles mehr. Wissen, dass die Weidener nun gern teilen.

Freilich: Laut Taubmann schlägt allein der ILS-Umzug mit 176000 Euro ins Kontor. "Aber wir werden der Stadt keine Personalkosten verrechnen, wir sehen es als Übung", sagt Meyer. Was die Sache kostspielig gemacht habe, sei der Aufbau der Funkanbindung in München gewesen. Die 26 Leitstellen-Zentralen in Bayern verfügten zwar alle über die gleiche Technik, dennoch müsste vieles neu programmiert werden. Das betrifft rund 20 Schnittstellen: zum Wetterdienst, zum Hubschrauber-Tracking, zur Polizei, zu Brandmeldeanlagen und, und, und.

Danke Ehrenamt weniger Kosten

Ebenfalls ein teurer Posten bleibt die abgeblasene Evakuierung des BRK-Altenheims. Dabei habe auch das Rote Kreuz von Anfang an ein Auge darauf gehabt, die Sache finanziell nicht ausufern zu lassen, erklärt Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer. Das liege daran, dass sich viele ehrenamtliche Kräfte im Vorfeld bereiterklärt hatten, mitzuhelfen. "Leute aus der ganzen Oberpfalz und Niederbayern. Darauf bin ich wirklich stolz."

Weg frei für Kunstrasenplätze

Stutzen lässt bei der Altenheim-Räumung zunächst, dass 26 Einsatzfahrzeuge vorgehalten worden wären. "Wir haben Bewohner, die nur liegend transportiert werden können oder nicht mehr gehfähig sind. Das geht nicht mit einfachen Bussen", betont Galitzdörfer. Zudem dürften wegen der Corona-Gefahr nicht zwei Bewohner im Einsatzfahrzeug nebeneinander sitzen. Also wären 26 Fahrzeuge mit den Senioren zum Notquartier in der Turnhalle der Europa-Berufsschule gefahren, drei Busse der Firma Wies hätten die übrigen, rüstigeren Senioren gebracht. Auch dies sei kostenmäßig überschaubar. "Die Fahrtpauschale unserer Fahrzeuge liegt unter zwei Euro pro Kilometer." Ohne die vielen Helfer wäre es heftiger, sagt der BRK-Chef. Das Essen für die betagten Schützlinge sei zum Glück auch nicht eingekauft gewesen. "Das hätten wir erst am Freitag gemacht."

Aufatmen auch bei der SpVgg SV Weiden. Weil die Umgebung nunmehr nicht mehr als explosiv gilt, kann ihr Kunstrasenplatz planmäßig fertiggebaut werden.

Doch keine Sprengbombe

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