26.11.2020 - 15:16 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Lottner Stubn im Lockdown: "Wir wissen nicht, wie lange wir noch durchhalten"

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Nur acht Wochen lang hatte die Lottner Stubn in Waldthurn wiedereröffnet, dann kam der zweite Lockdown in der Gastronomie. Christian Reichl und Lena Vollath wollten durchstarten. Jetzt wissen sie nicht, wie es weitergehen soll.

Christian Reichl und Lena Vollath von der Lottner Stubn in Waldthurn fürchten wegen des Lockdowns der Gastronomie um ihre Existenz. Wie lange sie noch durchhalten können, wissen sie nicht. Auf eine Entschädigung hoffen sie nach eigener Einschätzung nicht.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Ich sitze nächtelang im Büro und mache mir Gedanken", sagt Christian Reichl, der zusammen mit Lena Vollath erst am 1. September in Waldthurn die Lottner Stubn wiedereröffnet hat. "Wir hatten acht Wochen normal geöffnet, allerdings teilweise schon mit der verkürzten Sperrstunde." Dann kam der am 28. Oktober beschlossene Lockdown der Gastronomie. Seitdem bangen der 40- und die 22-Jährige aus Gösen um ihre Existenz. "Wir wissen nicht, wie lange wir noch durchhalten. Wir leben zurzeit Tag für Tag und Woche für Woche. Wir wollen nicht zusperren, aber wir wissen nicht, wie wir die offenen Rechnungen bezahlen sollen", so der ausgebildete Koch, der drei Jahre lang am "Marktredwitzer Haus" in Waldershof war und zwei Jahre im "Goldenen Löwen" in Floß kochte. Das, was an Geld noch reinkomme, reiche gerade so für den nächsten Einkauf.

"Keine Chance auf Unterstützung"

Der ist trotz Schließung nötig, denn die Lottner Stuben kocht das Mittagessen für die katholische Kindertagesstätte St. Josef in Waldthurn. "Zumindest ein Teil der Pacht kommt so rein", sagt Reichl. 1500 Euro seien jeden Monat für die rund 60 Quadratmeter zu zahlen, hinzu kämen unter anderem offene Brauerei-Rechnungen. "Ich habe schon überlegt, ob ich tagsüber woanders arbeiten soll und wir nur abends kochen. Aber dann hängt die Kita da." Reichl und Vollath bieten stattdessen mittags und abends Pizza, Nudeln oder an das Kitaessen angelehnte Gerichte zum Abholen an oder liefern selbst in die direkte Umgebung. "Wir schauen von Tag zu Tag, wo wir die Ware günstig herbekommen."

Über den Lockdown ärgert sich Reichl: "Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, weil wir alle Auflagen erfüllt haben. Wir sind mit dem Maßband hier durchgegangen, haben an jeder Ecke Desinfektionsmittel aufgestellt." Auf finanzielle Unterstützung aus den Krisentöpfen des Bundes hoffen er und Vollath nicht. Wichtige Papiere wie die dringend benötigte Steuernummer seien auf dem Postweg verschwunden. Überbrückungshilfe oder Novembergeld würden er und seine Kollegin nicht bekommen. "Wir haben keine Chance auf Unterstützung", so Reichl. "Wir haben Privatkredite aufgenommen, um überhaupt aufsperren zu können. Und die können wir jetzt nicht bedienen." Wenn er über die Situation, in der die beiden so kurz nach der Wiedereröffnung stecken, nachdenkt, schießen ihm Tränen in die Augen. "Ich könnte losheulen", sagt er auf die Frage, wie es ihm geht. "Mir wird schon schlecht, wenn ich dran denke, die Miete zahlen zu müssen."

Hoffen auf Ende des Lockdowns

Hilfe bekommen Reichl und Vollath von wohlgesonnenen Menschen aus der Familie und dem Bekanntenkreis sowie von Menschen vor Ort. Zu den Unterstützern gehörten Dr. Nikolaus Globisch aus Waldthurn, der regelmäßig Essen abhole, die Holzstoßbuam aus Waldthurn, Petra Reil von der Verwaltung sowie Bürgermeister Josef Beimler. "Der macht, was er machen kann, hat uns zum Beispiel ein Auto gestellt, um den Pizzaofen abzuholen. Auf sein Wort kann man wirklich zählen." Ein weiterer Lichtblick: Während des Gesprächs mit Oberpfalz-Medien erfahren die beiden von einer Nachbarin, dass sie wohl die Möglichkeit bekommen, ihren Pizzateig in Waldthurn selbst herzustellen. Dieser und der geriebene Käse für die Pizzen werden bislang in einer Pizzeria in Auerbach gefertigt, die die Waldthurner unterstützt. "Wir können nur hoffen, dass wir sobald wie möglich aufsperren können", sagt Reichl. "Wir haben keine Rücklagen mehr und keine Zeit gehabt, uns welche zu schaffen." Er rechnet allerdings damit, erst im Februar wieder normal öffnen zu dürfen.

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Rückblick: Die Wiedereröffnung der Lottnerstubn

Waldthurn

"Wir haben keine Rücklagen mehr und keine Zeit gehabt, uns welche zu schaffen."

Christian Reichl

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