10.07.2020 - 14:13 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Weihbischof beklagt sich in Waldsassen: Stadien und Clubs waren wichtiger als Kirchen

Trotz der Coronakrise trafen sich die Pfarreien des Dekanats am Donnerstag zum Kapiteljahrtag. Mit Dr. Josef Graf kam diesmal sogar ein Weihbischof als Prediger. Und der nahm kein Blatt vor den Mund.

von Josef RosnerProfil

Windig war's bei angenehmen 25 Grad, als am Donnerstagabend der Festgottesdienst zum Kapiteljahrtag des Dekanates Tirschenreuth stattfand. Wegen der Corona-Auflagen fand die Feier diesmal nicht in einer Kirche, sondern auf dem Pausenhof der Mädchenrealschule statt. 15 Priester aus dem Dekanat feierten mit Weihbischof Dr. Josef Graf, Regionaldekan Georg Flierl aus Tirschenreuth, Dekan Dr. Thomas Vogl aus Waldsassen und Prodekan Martin Besold aus Erbendorf den feierlichen Gottesdienst. Musiker und Sänger der Pfarrei umrahmten die Feier, an der gut hundert Gläubige teilnahmen.

Ist die Kirche systemrelevant

Im Mittelpunkt der Predigt stand die Frage "Ist die Kirche systemrelevant?". Der Weihbischof gab abschließend selbst die Antwort: "Wir sind vielleicht nicht systemrelevant, aber wir sind für die Menschen existenzrelevant."

Die Gläubigen hatten zum Teil selbst Klappstühle mitgebracht und saßen in locker bestuhlten Reihen, was aufgrund der Zahl der Gottesdienstbesucher im Pausenhof kein Problem war. Auch Bannerträger von kirchlichen Verbänden und Organisationen sowie die Klöster Waldsassen, Fockenfeld und Tirschenreuth waren vertreten.

"Das sind die positiven Dinge der Coronakrise, dass jetzt ein Weihbischof kommt, auch wenn er kurzfristig angefragt wird", erklärte Dekan Dr. Thomas Vogl. "Dieser Gottesdienst soll ein Zeichen der Hoffnung sein und uns im Glauben stärken, gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten", wünschte sich der Waldsassener Stadtpfarrer.

Weihbischof Dr. Josef Graf erklärte, dass alleine er heuer 24 Firmungen habe absagen müssen. "Bilden wir jetzt eine Glaubensgemeinschaft, hoffen wir, dass wir weiter gut durch diese Krise kommen und vor allem, dass wir daraus lernen", sagte der kirchliche Würdenträger. Zu Beginn seiner Predigt erinnerte er daran, dass er vor 41 Jahren mit zwei Koffern und einer Umhängetasche mit Büchern und Kleidung zur Fortsetzung des Studiums nach Rom aufgebrochen sei. Bei der ersten Kaplanstelle habe er schon einen VW-Bus voller Bücher gehabt. Beim letzten Umzug im August 2015 seien es dann zwei große Möbelautos voller Möbel, Bücher und Aktenordner gewesen. "Dabei hat Jesus seine Jünger aufgefordert, nichts mitzunehmen. Oftmals kämen wir mit Sicherheit mit weit weniger aus", übte er durchaus leichte Selbstkritik. Eine ideelle und geistliche Ausrüstung sei weit wichtiger als Möbelautos voller Bücher. "Die Jünger Jesu bekamen eine Botschaft anvertraut, die Botschaft vom nahen Himmelreich."

Verbote nicht bedauert

Weihbischof Graf stellte auch die Frage, wozu die Kirche eigentlich da ist. "Als systemrelevant wurden wir von den Menschen in den zurückliegenden Monaten nicht empfunden. Von den meisten wurde das Verbot öffentlicher Gottesdienste im Zuge des Lockdowns nicht bedauert. Ich habe mich über manche Kommentare in den Zeitungen und Medien geärgert, wenn dort die Rede davon war, dass die Kirchen in dieser Zeit versagt hätten. Viele meinten, wir hätten uns weggeduckt und versteckt. Vieles was davon gesagt und berichtet wurde, fand ich unverschämt. Die thüringische CDU-Ministerpräsidentin Lieberknecht meinte gar, die Pfarrer sollten für ein paar Monate auf ihr Gehalt verzichten, sie hätten ja Sonderurlaub gehabt."

Sehr große Mühe gegeben

Der Weihbischof stellte klar, dass der Großteil der katholischen Pfarrer sich sehr große Mühe gegeben habe, die Feste der Kirche unter diesen Umständen zu feiern und das kirchliche Leben aufrecht zu halten. Ganz zu schweigen von den vielen Gesprächen der kirchlichen Einrichtungen in Krisenzeiten. Der Weihbischof zitierte Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer, der gesagt habe: "Wir als Kirche sind nicht systemrelevant, aber heilsrelevant." Vielleicht führten die schmerzlichen Einbrüche und Stillstände die Kirche zurück zur Grundlagenbesinnung. Graf nannte es schmerzlich, dass viele Menschen die geschlossenen Fußballstadien, Freizeitclubs und Diskotheken als schmerzlichere Einschränkung empfanden als die geschlossenen Kirchen. "Gerade jetzt sollten wir als Kirche zeigen, wozu wir eigentlich da sind. Wir müssen dafür sorgen, dass Gott nicht vergessen wird. Dass es einen Gott gibt, der es gut mit uns Menschen meint".

Weiter sagte er: "Glauben heißt, dass das Gute letztlich doch stärker ist." Die Kirche müsse sich weiter nach Kräften bemühen, die Menschen zu erreichen. "Wir brauchen weiter den christlichen Glauben. Verkündigung darf in schwierigen Zeiten nicht nachlassen. In diesem Sinne sind wir tatsächlich nicht systemrelevant, sondern sind für die Glaubenden die letztlich entscheidende Relevanz. Wir dürfen die Hoffnung niemals verlieren."

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