20.09.2021 - 11:08 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Wallfahrtstag zum Geschändeten Heiland mit Zisterzienserabt Nikolaus Thiel in Waldsassen

Als Zeichen des Glaubens und als Symbol der Hoffnung stellte der Prediger das Kreuz heraus und nannte das Gnadenbild in der Basilika "gewöhnungsbedürftig und unscheinbar". Vorm Festgottesdienst stand noch ein anderer Termin auf dem Plan.

von hmrProfil

Zahlreiche Gläubige nahmen am Sonntag an der Wallfahrt zum Geschändeten Heiland in Waldsassen teil. Hauptzelebrant und Prediger beim feierlichen Gottesdienst in der Basilika war Abt Nikolaus Thiel vom Stift Schlierbach in Oberösterreich.

Der Wallfahrtstag zum Geschändeten Heiland begann mit der Segnung des neuen Flurkreuzes an der Neualbenreuther Straße durch Zisterzienserabt Nikolaus Thiel. Das Doppelbalkenkreuz war auf Initiative der Kolpingsfamilie von Schreinermeister Wolfgang Seiler aus Lärchenholz neu angefertigt und gestiftet worden. Stadtpfarrer Dr. Thomas Vogl bedankte sich bei Willi Härtl, Georg Koch und Rudolf Rüth, die sich hauptsächlich um die Erneuerung und Pflege des Kreuzstandortes kümmerten. "Das Flurkreuz dient seit jeher als Station bei der alljährlichen Flurprozession. Das soll auch weiterhin so sein", betonte der Pfarrer.

Aus drei Richtungen zogen vor dem Gottesdienst die Gläubigen zur Basilika. Die Kolpingsfamilie kam vom Flurkreuz in der Neualbenreuther Straße, die KAB von der Rosenkranzstation in der Chodauer Straße und der Katholische Deutsche Frauenbund mit der Vita-Gruppe vom Seniorenheim St. Martin in der Eichendorffstraße. Gemeinsam mit dem liturgischen Dienst zogen die drei Vereinsfahnen in die gemäß den Hygieneregeln gut besetzte Basilika ein.

Gäste aus Dresden und Regensburg

Als Konzelebranten wirkten Stadtpfarrer Dr. Vogl, die Pfarrvikare John Gali und Dr. Timon Ochieng Odeny mit sowie Pfarrer André Lommatzsch, der mit einer Gruppe seiner Ortsgemeinde St. Martin aus Dresden gekommen war, und Kolpingbezirkspräses Pfarrer Michael Alkofer, der mit 50 Mitgliedern des Kolpingbezirksverbandes Regensburg teilnahm. Musikalisch gestalteten der Basilikachor mit Blechbläsern und Franz Ballon an der Orgel unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter den Gottesdienst.

In seiner Predigt ging Abt Thiel auf das, wie er sagte, "sehr gewöhnungsbedürftige und unscheinbare Bild des geschändeten Heilands" ein, das an diesem Tag im Mittelpunkt der Feier stand. "An viele Dinge im alltäglichen Leben hat man sich mit der Zeit gewöhnt. So auch an das Bild eines schönen Kreuzes". Doch man dürfe nicht vergessen, dass das Kreuz eigentlich nie schön sei, sondern immer ein Mordwerkzeug bleibe. "Es ist auch Inbegriff menschlicher Ohnmacht und Niederlage. Haben wir uns zu sehr an das Kreuz Christi gewöhnt?", fragte der Prediger.

Das Zeichen des Glaubens

"Hier sehen wir eine Darstellung Christi ohne Arme, ein Opfer von Hass und Ungerechtigkeit, einer ohne Platz in der Welt. Dieses Bild darf nie zur Gewohnheit werden, denn es ist die Darstellung einer geschehenen Wirklichkeit", mahnte der Abt. Gott lasse einen nicht allein, auch nicht im Leid. Das Zeichen des Glaubens sei nicht der Jesus mit dem Lorbeerkranz, sondern das Kreuz mit dem geschändeten Heiland.

"Das Christentum zeichnet sich dadurch aus, dass es den Tod nicht verdrängt, denn das Kreuz ist ein Hoffnungszeichen und nicht das Ende. Das grausame Zerteilen hatte nicht das letzte Wort. Das Kreuz ist Erniedrigung und Erfüllung. Es gibt uns die Hoffnung, dass am Ende alles heil wird", verband Thiel seine Ausführungen mit dem zentralen Wort "Heiland" am Wallfahrtstag. Nach dem Festgottesdienst nahmen zahlreiche Gläubige die Gelegenheit der Einzelsegnung mit dem Kreuzreliquiar wahr.

Der Platz für den Geschändeten Heiland in der Basilika ist neu gestaltet worden

Waldsassen

"Hier sehen wir eine Darstellung Christi ohne Arme, ein Opfer von Hass und Ungerechtigkeit, einer ohne Platz in der Welt. Dieses Bild darf nie zur Gewohnheit werden, denn es ist die Darstellung einer geschehenen Wirklichkeit."

Abt Nikolaus Thiel

 

 

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