16.11.2020 - 12:50 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Volkstrauertag in Waldsassen: Zusammenhalten gegen die Gefährder der Demokratie

„Jede Zeit hat ihren Fluch, jede Zeit hat ihren Segen“, zitierte Bernd Sommer Kardinal Graf von Preysing. Mit der Erinnerung an den gegen den Nationalsozialismus kämpfenden Bischof von Berlin ging der Bürgermeister auf die Gegenwart ein.

Bürgermeister Bernd Sommer legte am Kriegerdenkmal einen Kranz nieder.
von Konrad RosnerProfil

Bei der Ansprache zum Volkstrauertag verwies Bürgermeister Bernd Sommer auf den aktuell relativ hohen Wohlstand, auf den Frieden und auf die Freiheit in einer funktionierenden Demokratie, „wahrscheinlich der besten Demokratie, die es zur Zeit weltweit gibt“. Als die Pandemie hereinbrach, hätten viele Menschen im Land bewiesen, dass sie sich zum Schutz des Nächsten und sich selbst an die Regeln gehalten haben.

Viele haben in der Krise geholfen – ob medizinisch, in der Pflege, psychologisch, seelsorgerisch. Menschen hätten den Einkaufsdienst organisiert und soziale Kontakte gepflegt, damit niemand vereinsame. Lob zollte Sommer den Lehrern und Betreuern, die den Unterricht am Laufen hielten, ebenso den Beschäftigten im Handel, die an den Kassen standen, um die Versorgung aufrecht zu erhalten.

Ohne Masken, ohne Rücksicht

Dann aber gebe es Menschen, die lautstark bei Demonstrationen darauf hinweisen, dass die Demokratie gefährdet und die Grundrechte in Gefahr seien. „Bei diesen Demonstrationen werden unsere Grundrechte missbraucht und mit Füßen getreten. Ohne Schutzmasken, auf engstem Raum, ohne Rücksicht auf den Nächsten." Dies sei nicht nur unsolidarisch, sondern verletze die Grundrechte, so Sommer.

Natürlich müsse es erlaubt sein, quer zu denken und so manches zu hinterfragen, wie es die Medien auch machten. Wer sich aber bei Demonstrationen nicht bewusst von linken und rechten Extremen und sogar Extremisten distanziere, der lasse sich für deren Zwecke missbrauchen, ja unterstütze sie damit sogar. "Und da kann jeder dreimal behaupten, er wäre nicht links oder rechts. Nein! Sie sind mitten drin im demokratiegefährdeten Milieu.“

Solidarität und Rücksichtnahme

Sommer warb um Vertrauen, "dass die da oben es richtig machen", und meinte weiter: "Haben sie Vertrauen, dass unser Staat mit seiner Gewaltenteilung und den Möglichkeiten der Medien durch die Pressefreiheit demokratisch stabil ist und bleibt.“ Sommer forderte einen solidarischen Zusammenhalt aller gegen diese wenigen Demokratie-Gefährder. Diese könnten mit Fakten und Wahrheiten entlarvt werden.

„Seit 75 Jahren schweigen nun die Waffen.“ Am Volkstrauertag müsse einen wieder bewusstwerden, welche Verantwortung alle zu tragen hätten, so Sommer. Er fragte, was wohl in den Geschichtsbücher einmal über diese Zeit mit dem Corona-Virus stehen würde. "Helfen Sie mit, dass es nicht heißt: Sie hätten es damals merken müssen, was auf sie zukam“, sagte Sommer und zog damit Parallelen zu Aussagen über die Zeit vor der Nazi-Herrschaft. "Arbeiten wir daran, dass diese Zeit als eine Zeit großer Solidarität und Rücksichtnahme in die Geschichtsbücher eingeht. Noch haben wir die Chance dazu.“

Trompetenduo und Böllerschüsse

Abschließend betonte der Bürgermeister die Bedeutung des Volkstrauertages: Dieser erinnere an die Weltkriege und an deren Folgen, an die Opfer und Täter. Dies sei Verpflichtung, es besser zu machen – aus dem Wissen heraus, was passiert sei.

Seine Ansprache hielt der Bürgermeister in der Basilika. Dort und in der evangelischen Friedenskirche wurden Gedenkgottesdienste gefeiert. Danach zogen die Fahnenabordnungen der Vereine zum Kriegerdenkmal. Dort folgte die Kranzniederlegung. Peter Erl und Niklas Hart spielten mit der Trompete das Lied vom guten Kameraden, begleitet von drei Böllerschüssen. Reservistenkameradschaft und Österreichisches Kriegerkorps stellten die Ehrenwache.

Niklas Hart (links) und Peter Erl von der Waldsassener Stadtkapelle spielten auf der Trompete das Lied vom alten Kameraden.
Gedenken am Volkstrauertag in Waldsassen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.