23.10.2020 - 17:45 Uhr
WaldsassenOberpfalz

"Stiftland-Bier" aus Waldsassen in der Warteschleife

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Der Hinweis auf die neue Brauerei steht schon seit vielen Monaten am Stationsweg. Und viele Waldsassener fragen sich deshalb: Was wird nun eigentlich aus dem markanten Gebäude mit dem auffälligen "Ziegler-Bräu"-Logo?

Ein großes Hinweisschild lässt vermuten, dass am Stationsweg bald wieder Bier gebraut werden soll.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Wir haben uns dort hinten schon im Biergarten sitzen sehen", wundern sich viele Waldsassener, dass nichts mehr passiert im Zusammenhang mit der früheren Ziegler-Brauerei. Denn frühzeitig machten vielversprechende Bilder aus dem Computer die Runde und vermittelten erste Eindrücke von den Veränderungen auf dem Brauereigelände. Auch ein Bauantrag war schon eingereicht worden. Sogar das "Stiftland-Bier" gab es schon, wenn auch in Hamburg gebraut. Premiere beim Bürgerfest 2018: Investor Oliver Nordmann war zur Eröffnung auf der Bühne mit dabei und assistierte Bürgermeister Bernd Sommer beim Anzapfen. Auch 2019 wurde beim Bürgerfest das künftige Waldsassener Bier ausgeschenkt.

Viele Verhandlungen

"Was wir da schon für Runden gedreht haben", sinniert Bernd Sommer im Gespräch mit Oberpfalz-Medien leicht resignierend. Der Bürgermeister, der auf dem Brauereigelände aufgewachsen ist, engagiert sich stark dafür, dass dort wieder Waldsassener Bier gebraut wird. Dies aber, sagt Sommer, sei alles andere als einfach. "Wir haben verschiedene Konzepte miteinander fertiggestellt", erzählt Sommer von vielen gemeinsamen Verhandlungen. "Dann kam wieder etwas dazwischen." Es sei erneut von vorne losgegangen.

"Eigentlich war im Februar alles bereit für einen Spatenstich dort hinten", verrät Sommer und meint mit "dort hinten" das brachliegende Brauereigelände am Stationsweg. Dass es anders kam, lag nicht primär an der Corona-Pandemie: Es seien plötzlich Probleme mit der Finanzierung des Vorhabens aufgetreten.

Nach diesen Erfahrungen kann sich Bernd Sommer gut in die Lage von jungen und engagierten Unternehmern und Firmengründern hineinversetzen. In die Geschehnisse um die neu gegründete Firma ist der Bürgermeister auch als Gesellschafter eingebunden - mit einem relativ geringen Betrag, wie er unterstreicht.

Gespräche mit regionalem Partner

Von einem "Hin und Her" berichtet Sommer seither im Zusammenhang mit den Bemühungen um den Neubeginn am Stationsweg. Inzwischen laufen Gespräche mit einem regionalen Partner. "Der ist durchaus interessiert", weiß Sommer, will aber dazu noch keine Einzelheiten preisgeben.

So wenig das Gelingen des lange Zeit favorisierten Konzepts durch die Pandemie verhindert wurde: Inzwischen stagniert die Sache tatsächlich wegen Corona. "Nordmann ist in erster Linie Gastronom", sagt Sommer über den Hamburger Investor. Diese Branche habe es zurzeit nicht leicht. "Da hat jeder im Moment andere Sorgen." Nun müssten die Dinge weiterentwickelt werden, wirbt der Bürgermeister um Geduld. "Das Projekt ist nicht gestorben." Denn unter normalen Umständen hätte alles wie geplant funktioniert. "Wahrscheinlich hätten wir jetzt um diese Zeit das erste echte in Waldsassen gebraute Bier."

Das Projekt ist nicht gestorben.

Bürgermeister Bernd Sommer über die künftige Brauerei

Oliver Nordmann wird auf der Internetseite seiner Unternehmensgruppe als "Visionär" beschrieben. "Wir sind dran", ist auch Bernd Sommer zuversichtlich, dass "Stiftland-Bier" bald in der Region aus Zapfhähnen fließen wird. "Ich wollte schon hinschmeißen", gesteht Sommer andererseits: Denn es sei schon so viel Energie in das Projekt gesteckt worden.

Aber Sommer sieht nach wie vor Chancen, dass in dem nunmehr brachliegenden Brauereikomplex am Stationsweg wieder Leben einkehrt. "Ich will vermeiden, dass ich das Ding trotzdem noch wegräumen lassen muss", erklärt Sommer seine besondere Motivation als Bürgermeister, nicht zuletzt auch aus städtebaulicher Sicht. "Ich wollte halt dort hinten eine Immobilie wieder ins Leben rufen. Aber das ist wahnsinnig schwer."

Die Brauerei ist vor zwei Jahren verkauft worden

Um das Brauereigebäude am Stationsweg und um die Pläne für eine Reaktivierung ist es still geworden.
Um das Brauereigebäude am Stationsweg und um die Pläne für eine Reaktivierung ist es still geworden.
Hintergrund:

Jungunternehmer mit Problemen nicht allein

"Für Start-ups ist es manchmal schwierig, an die entsprechenden Kredite zu kommen", lässt Bürgermeister Bernd Sommer die Problematik um einen Neubeginn in der Zieglerbrauerei durchblicken. Früher sei dies viel einfacher gewesen. "Da hat der Bank-Chef gesagt: Ich vertraue dir." Nun aber müssten Firmen die gesamten Unterlagen beibringen - mit einer finanziellen Konsequenz: "Wenn du kein Geld auf dem Konto hast, kriegst du auch kein Geld geliehen." Sommer sieht hier auch viele andere Start-ups in der Klemme. "Nicht jede Idee lässt sich einfach umsetzen.

Sommer ist davon überzeugt, dass dies auch die Ursache sei, warum viele Gründerinitiativen nicht mehr funktionierten. Deshalb komme laut Sommer dem Gründerzentrum Waldsassen mit seinen Beratungsangeboten eine besondere Bedeutung zu. Gründer dürften sich dort mit ihren Problemen nicht alleine gelassen fühlen.

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