10.07.2020 - 15:37 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Spezielle Hymnen zum Heilige-Leiber-Fest in Waldsassen

Die Idee entstand schon vor Jahren, jetzt steht das Werk kurz vor der Veröffentlichung: Im Buch "Himmlische Klänge" wird die Geschichte der Kirchenmusik in der Klosterstadt aufgearbeitet. Bei der Vorarbeit gab es manche Überraschung.

Die Autoren des neuen Buchs über Kirchenmusik in Waldsassen auf der Empore der Basilika, von links Andreas Sagstetter, Georg Schrott und Josef Reindl.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Andreas hat gesagt, man müsste mal die Entstehungsgeschichte aufarbeiten", erzählt Georg Schrott im Gespräch zusammen mit den weiteren Autoren Andreas Sagstetter und Josef Reindl. Das Buch sei keine reine Fachpublikation, sondern sehr vielseitig, erklärt Sagstetter. "Es ist für jeden etwas dabei."

Vor allem der neuzeitliche Teil enthalte viele allgemein interessante Informationen, etwa über die Konzertreihe und über den Basilikachor. Schrott bei den Recherchen in der Provinzialbibliothek in Amberg eine Besonderheit herausgefunden: Zum Fest der Heiligen Leiber, das seit 1756 regelmäßig am ersten August-Sonntag in Waldsassen gefeiert wird, sind spezielle Hymnen handschriftlich dokumentiert worden – von den Novizen im Kloster. Die Festgesänge wie andere Hörbeispiele sind auf eine CD gepresst, die als Dreingabe im Buchumschlag steckt.

Der aus Waldsassen stammende Historiker Schrott übernahm den älteren geschichtlichen Part, Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter widmete sich der jüngeren Vergangenheit. Josef Reindl, pensionierter Rektor und versierter Kenner des Pfarrarchivs, kümmerte sich um die Epoche vom späten 19. Jahrhundert bis zu den 1950er Jahren, als Viktor Ballon Regionalkantor und Kirchenmusiker an der Stiftskirche gewesen war.

Josef Reindl springt kurzfristig ein

Reindl kam dabei eher überraschend zu dieser Aufgabe: Diese sollte Stadtheimatpfleger Robert Treml, der aber Anfang April plötzlich verstarb. "Dann hat er losgelegt und es ist eine E-Mail nach der anderen gekommen", so Schrott über die wertvolle Arbeit. Reindl hatte etwa die Grenzzeitung der Jahrgänge 1898 bis 1937 ausgewertet und dort viele Beiträge gefunden.

"Seit ich da bin, suche ich nach Noten", sagt der aus der Nähe von Straubing stammende und seit dem Jahr 2000 in Waldsassen wirkende Sagstetter. Der Kirchenmusikdirektor verrät, dass er vor allem an Werken aus der Zeit vor der Säkularisation interessiert sei. "Aber ich habe keine gefunden." Die Literatur enthalte einige wenige Arbeiten, von denen vermerkt sei, sie wären "am Chore Waldsassens" gewesen. "Aber die sind von Komponisten, die von irgendwo herkommen."

Kirchenmusiker-Ausbildung

Andererseits sei die Pflege hochstehender Musikkultur im Kloster Waldsassen belegt. Schrott erklärt, dass früher am Kloster feierliche Messen mehrstimmig und instrumental begleitet wurden. "Es wäre schön gewesen, wenn sich belegen ließe, dass die Arbeiten extra für besondere Anlässe entstanden sind", so der Historiker. "Aber wir haben nichts gefunden."

"Wir wissen, dass hier auch Kirchenmusiker ausgebildet wurden", ergänzt Sagstetter. Die Ausbildung damals sei aber nicht zu vergleichen mit einem Musikstudium heute, eher schon mit einer intensiven schulischen Förderung. "Im Prinzip war das wie bei einem Jesuitengymnasium", ergänzt Schrott: Bei mehrstimmiger Musik hätten die hohen Frauenstimmen, also Sopran und Alt, die Knaben übernommen.

Verlegt wird das Buch, vom Verlag Pustet in Regensburg. "Der ist am schnellsten darauf angesprungen und hat gesagt, das würde genau in sein Programm passen. Inzwischen steht fest, dass das Buch 260 Seiten umfassend wird; dennoch ist noch viel Material übrig. Es soll in nächster Zeit in anderen Publikationen veröffentlicht werden.

Voraussichtlich im Herbst soll das Buch über die Kirchenmusik in Waldsassen erscheinen. Es wird 24,95 Euro kosten; eine Audio-CD mit Hörbeispielen zu den einzelnen Kapiteln gibt es als Dreingabe.

Im Buch enthalten ist auch die Geschichte des Chores der Basilika:

Waldsassen
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Hörbeispiele zu den Kapiteln im Buch

"Es war ein Gemeinschaftswerk", sagen die drei Autoren übereinstimmend. Als organisatorischer Koordinator fungierte Andreas Sagstetter und als inhaltlicher Georg Schrott. "Er hatte die meiste Arbeit", so Sagstetter; Schrott unterstreicht die Untersützung von Josef Reindl, der seinen Part durch die besonderen Umstände binnen drei Monaten zu schultern hatte. Auf der dem Buch beiliegenden CD sind Tonbeispiele enthalten, die chronologisch angeordnet einen Bezug zu den jeweiligen Kapiteln im Buch bilden: Die Festhymnen, gesungen von der Choralschola der Basilika, Aufnahmen des Kirchenchores unter Leitung von Viktor Ballon und Anton Zimmert, Klangbeispiele der Orgeln vor und nach der Renovierung, gespielt von Günther Kaunzinger, Otto Rieger und Edgar Krapp. Zuletzt sind aktuelle Aufnahmen des Basilikachors dabei – von den Aufführungen des Weihnachtsoratoriums von Bach oder aus dem Brahms-Requiem, beim Herbstkonzert aufgeführt zusammen mit dem Partnerchor Rastislav aus Brünn/CZ. Das Buch kostet voraussichtlich 24,95 Euro und soll im Herbst erscheinen.

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Festgesänge zum Stundengebet an besonderen Tagen

"Heute sprayt man, früher hat man einen Schwamm oder einen Pinsel genommen", erklärt Schrott über das besondere Verfahren: Die im Archiv entdeckten Noten für die Choräle zum Heilige-Leiber-Fest in Waldsassen sind mit Schablonen geschrieben. "Das war Teil der monastischen Übungen", erklärt Schrott über die Arbeit der jungen Ordensleute im Verlauf des einjährigen Noviziats. "In dieser Zeit mussten sie es geschafft haben." Im Anklang an die mittelalterliche Handschriftenpraxis hätten die Novizen den Aufbau der Choralbücher und Inhalte erlernt und Buchstabe für Buchstabe erarbeitet. An den Büchern haben den Forschungen zufolge mehrere Novizen gleichzeitig gearbeitet; dabei seien wohl zuerst einzelne Blätter gefertigt und dem Abt bei der Profess als Geschenk überlassen worden – so die Vermutung. Die Melodien der Festhymnen kommen aus der traditionellen Gregorianik. "Aber sie haben spezielle Waldsassener Texte dazu gedichtet. Drei habe ich gefunden." Sehr wahrscheinlich seien aber mehr entstanden – als Gesänge für das Stundengebet an besonderen Festtagen.

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