06.08.2020 - 10:19 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Sieben Kräuter mit magischen Kräften

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Lange Tradition hat das Binden und Weihen von Kräuterbuschen an Mariä Himmelfahrt. Getrocknet sollen die ausgewählten Kräuter für das Wohl von Mensch und Tür sorgen, aber auch zum Schutz von Haus und Hof dienen.

Traditionell werden noch heute im Vorfeld von Mariä Himmelfahrt in der katholischen Kirche eine bestimmte Anzahl an ausgewählten Heilkräutern sowie Getreideähren und wohlriechende Blumen in Gärten, an Wegrändern, Wiesen und Feldern gesammelt, zu Büschel gebunden und am Hochfest in den Messen in den Kirchen geweiht. Die Zusammenstellung der Kräuterbuschen variiert von Ort zu Ort ein wenig.
von Adele SchützProfil

Seit dem 7. Jahrhundert feiert die katholische Kirche am 15. August mit Mariä Himmelfahrt das älteste und bekannteste der vielen Marienfeste im Jahresablauf. Gedacht wird an diesem Tag der Aufnahme Mariens in den Himmel. Die Wurzeln der Kräuterweihe reichen weit bis zu den Ur-Mysterien der Menschheit zurück, wo mit einem Kräuterbusch Natur- und Erntedankfeste zu Ehren verschiedener Götter gefeiert wurde.

Traditionell werden noch heute im Vorfeld von Mariä Himmelfahrt in der katholischen Kirche eine bestimmte Anzahl an ausgewählten Heilkräutern sowie Getreideähren und wohlriechende Blumen in Gärten, an Wegrändern, Wiesen und Feldern gesammelt, zu Büschel gebunden und am Hochfest in den Messen in den Kirchen geweiht.

Zuwendung Gottes

In der Kräuterweihe mischen sich Tradition und Frömmigkeit, Volksglaube und Religiosität. Sie ist Ausdruck für die Achtung vor der Schöpfung und der Heilkraft der Kräuter, die als Symbol für die Zuwendung Gottes an die Menschen interpretiert wird. Der Zusammenhang zwischen Maria und den Kräutern hat ihren Ursprung in Legenden aus der Frühzeit der Kirche. Sie berichten, wie der Gottessohn seine Mutter in den Himmel aufgenommen hat und die Apostel beim Öffnen des Grabes statt des Leichnams von Maria dort Rosen und Lilien fanden. Vor dem Grab blühten die Lieblingskräuter der Gottesmutter.

"Wir haben in unserer schönen Heimat kraftvolle und heilbringende Pflanzen in Fülle vor der Haustür und brauchen keine importierten Wellnessprodukte aus Übersee", betont die zertifizierte Kräuterführerin Johanna Zettl. "Das sollten wir uns an Mariä Himmelfahrt immer wieder bewusstmachen." Die Waldsassenerin ist durch ihre Ausbildung bestens vertraut mit der Fülle der Sommerkräuter und deren Wirkung. Eine gezielte Auswahl findet für die Kräuterbüschel zu Mariä Himmelfahrt Verwendung.

7, 9 oder 12?

Grundsätzlich müsse die magische Anzahl der Kräuter für den Kräuterbüschel beachtet werden: "Mindestens sieben Kräuter muss der Büschel enthalten, wobei die Zahl sieben für die Zahl der Schöpfungstage der Erde steht." Sie weiß, dass es auch Kräuterbüschel mit neun Kräutern für die dreimalige Anzahl der Dreifaltigkeit Gottes oder die Zahl zwölf für die Anzahl der Apostel gibt.

Sie selbst sammelt traditionell sieben - von Aussehen, Duft, Eigenschaft und Wirkung faszinierende - Heilkräuter für den Kräuterbüschel: Schafgarbe, Johanniskraut, Königskerze, Rainfarn, Frauenmantel, Dost und Labkraut - Kräuter, die in der Natur, am Wegrand und teils im Hausgarten überall zu finden sind.

Johanna Zettl erläutert, warum genau diese Kräuter ihren berechtigten Platz im Kräuterbüschel haben: Die Schafgarbe sei eine faszinierende und wunderbare Heilpflanze für die Verdauung aufgrund ihrer Gerbstoffe. Jedes Blatt dieses Korbblütlers bestehe aus 1000 Blättchen, aus denen ein besonderes ätherisches Öl gewonnen werde. "Schafgarbe ist überall am Wegesrand zu finden und erfreut das Herz des Wanderers", so Johanna Zettl.

Herzerfrischend, wärmend und wohltuend für das Gemüt sei die Wirkung des Johanniskrauts, das "in seinen kleinen Ölfässchen das Sonnenlicht speichert, das es uns bei der Verwendung in Tees oder als hautfreundliche Creme zurückgibt".

Königskerze

Die Mitte des Kräuterbuschen ist die majestätische Königskerze, die nur auf kargen Boden gedeiht. "Sich aber erstaunlicherweise hoch und erhaben in den Himmel streckt." Sie finde Einsatz bei Husten und Bronchien-Beschwerden und wirke schleimlösend.

Der Rainfarm entfaltet seine Wirkung vor der Blüte. "Ein Blatt im Tee verwendet hilft vorbeugend gegen Atemwegsinfekte."

Der Frauenmantel erinnert vom Aussehen an den Mantel einer Frau. "Die Heilpflanze entfaltet ihre Wirkung bei Frauenleiden", sagt Johanna Zettl. Das Kraut produziere seine eigenen "Tautropfen". "Der Frauenmantel ist aufgrund seiner faszinierenden Tauperlen eine geheimnisvolle Pflanze, die ihr Geheimnis nicht preisgibt."

Duft des Sommers

Außerdem gehört in ihren Kräuterbuschen als Küchenkraut der blau-lila Dost mit seinen vielen Inhaltsstoffen, den auch Insekten lieben. "Das Kraut besticht durch Farbe, Duft und Blüten", schwärmt sie. Das Labkraut bildet den Abschluss der Zusammensetzung ihres Kräuterbüschels. Es enthalte "den Duft des Sommers und viele Heilwirkstoffe".

Johanna Zettl macht darauf aufmerksam, dass mit Mariä Himmelfahrt für 30 Tage die beste Erntezeit für die Sommerkräuter sei. Eine Ausnahme bilde das Johanniskraut, das bereits zur Sonnenwende seine volle Blütenpracht entfalte.

Nach der Kräuterweihe wurden die Kräuterbüschel früher meist im Herrgottswinkel aufgehängt. Die Kräuter fanden übers Jahr bei den unterschiedlichsten Beschwerden ihre Verwendung als Tee. Geräuchert schützen die Kräuter das Haus vor Blitz, Donner und Hagel. Auch das Vieh bekam von den geweihten Kräutern zum Fressen etwas in seinen Trog zur Kräftigung.

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