08.12.2019 - 10:28 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Realschule im Stiftland ist "Digitale Schule"

Darauf ist die Realschule im Stiftland stolz: Als eine von 42 Schulen in Bayern erhielt sie die Auszeichnung "Digitale Schule". Ein Wermutstropfen ist die Ankündigung, dass die Ausbildungsmesse nicht mehr in Waldsassen stattfinden soll.

Gäste und Schulleitung beim Anbringen des Schildes für die Auszeichnung als „Digitale Schule“: (von links) Bernd Sommer, Reiner Summer, Stephan Drexler, MdL Anna Toman, Roland Grillmeier und MdL Tobias Reiß
von Redaktion ONETZProfil

Engagiert erläuterten Schulleiter Stephan Drexler und sein Stellvertreter Reiner Summer den Landtagsabgeordneten Anna Toman und Tobias Reiß sowie stellvertretendem Landrat Roland Grillmeier und Bürgermeister Bernd Sommer die Gründe für die Auszeichnung. In einem Klassenzimmer präsentierte Summer die vielfältigen Möglichkeiten digitalen Unterrichts.

Vom digitalen Schulbuch über Listening-Unterricht per Laptop und CD bis zur Projektion mittels Beamer und Digitalkamera stellte der Konrektor anschaulich moderne Unterrichtsmethoden dar. Selbst Liveschaltungen zu augenblicklich relevanten Schauplätzen, beispielsweise Webcams in London oder New York, sind jederzeit möglich. Das digitale Schulbuch steht den Schülern nach Freischaltung über das Internet auch zu Hause zur Verfügung. Mittels Digitalkamera können gemeinsam Aufgaben gelöst oder Hausaufgaben verbessert werden. Durch visuelle Darstellung, so Summer, werde die bei mündlich vorgetragenem Lehrstoff erreichte Aufnahmefähigkeit von 50 Prozent nochmals deutlich gesteigert.

"Digitale Medien müssen sinnvoll eingesetzt werden", betonte Schulleiter Stephan Drexler. "Das alleinige Vorhandensein gewährleistet noch keinen Mehrwert." Die Realschule im Stiftland habe schon lange Erfahrung mit der Digitalisierung und nutze diese auch bei der Schulverwaltung. Wichtig sei jedoch die Unterstützung durch IT-Firmen, weil die Lehrkräfte die Systembetreuung aus Kapazitätsgründen und wegen teils fehlendem Spezialwissen nicht leisten könnten. Die Landkreisförderung sei hier ein wesentlicher Bestandteil und müsse zielgerichtet eingesetzt werden. "Die Homepage ist die Visitenkarte der Schule", stellte Summer heraus. Die müsse professionell von externen Spezialisten erstellt und betreut werden.

Stellvertretender Landrat Roland Grillmeier bedauerte, dass es keine einheitlichen Vorgaben seitens des Kultusministeriums gebe. So entwickle jede Schule mehr oder weniger ihre eigenen Pläne. Bürgermeister Bernd Sommer sagte, er sei "kein Freund von engen Vorgaben" und sprach sich für ausreichend Spielräume aus.

Die Anwesenheit der Politiker nutzten die Schulleiter, um auf aus ihrer Sicht notwendige Verbesserungen hinzuweisen. So verfüge die Realschule mit ihren 301 Schülern nur über einen Leiter und einen Konrektor. An anderen Schulen sei ein zweiter Konrektor und eine erweiterte Schulleitung mit bis zu fünf Lehrkräften bewilligt. Dies ermögliche eine wesentlich bessere Bewältigung der vielfältigen Aufgaben unter anderem in der individuellen Betreuung der Schüler bei Problemen. Nicht zu verstehen sei auch, warum die Realschule im Gegensatz zu Grundschulen keine Jugendsozialarbeiter erhalte. Man würde sich eine derartige Fachkraft auch gerne beispielsweise mit der Mädchenrealschule teilen. Mittlerweile kooperierten die beiden Waldsassener Realschulen auf vielen Gebieten. So belegten Schüler den Ausbildungszweig Sozialwesen oder den fremdsprachlichen Zweig mit Französisch an der Mädchenrealschule und Schülerinnen den mathematisch-naturwissenschaftlichen oder handwerklichen Zweig an der Realschule im Stiftland.

Bevor das bei der Auszeichnung in München durch Digital-Ministerin Judith Gerlach übergebene Schild an der Schule angebracht wurde, kam noch ein Problem zur Sprache. So sei beabsichtigt, die Ausbildungsmesse im Frühjahr nicht mehr an der Realschule, sondern auf dem Gelände der Berufsschule in Wiesau abzuhalten. "Das ist ein Schlag ins Gesicht", kommentierte Bürgermeister Sommer eine entsprechende E-Mail vom Wirtschaftsförderer des Landkreises. Die als Grund angeführten Platzprobleme ließen sich nach Aussage der Schulleitung lösen. Gerade an den Real- und Mittelschulen sei es wichtig, den jungen Leuten berufliche Perspektiven aufzuzeigen. In Waldsassen habe man schon einige praktische Projekte mit ortsansässigen Firmen durchgeführt. Einhellig war man der Meinung, dass zum Veranstaltungsort der Ausbildungsmesse noch nicht das letzte Wort gesprochen sein sollte. Im Kreisausschuss könnte das Thema auf den Tisch kommen.

Hintergrund:

Insgesamt gibt es in Bayern laut Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales nun 87 "Digitale Schulen". Diesen Schulen wurde es durch einen Kriterienkatalog ermöglicht, eine Standortbestimmung sowie eine Selbsteinschätzung zum Thema "Digitalisierung" vorzunehmen und Anregungen umzusetzen. Bei Vorliegen einer entsprechenden Profilbildung kann von einer digitalen Schule gesprochen werden. Die Kriterien sind orientiert an der Kultusministerkonferenz-Strategie "Digitale Bildung" und wurden von Experten und Wissenschaftlern aus Fachverbänden entworfen. Die Ehrung "Digitale Schule" wird wissenschaftlich basiert, verbandsneutral und unabhängig vergeben. Der Kriterienkatalog "Digitale Schule" umfasst fünf Bereiche, die alle von den ausgezeichneten Schulen nachgewiesen werden: Pädagogik und Lernkulturen, Qualifizierung der Lehrkräfte, Regionale Vernetzung, Konzept und Verstetigung, Technik und Ausstattung

Schild „Digitale Schule“
Die „Schüler“ bei der Präsentation der vielfältigen Möglichkeiten des digitalen Unterrichts: (von links) Stephan Drexler, Roland Grillmeier, Bernd Sommer, Tobias Reiß und Anna Toman.
Vorführung der CNC-Fräsmaschine.
Das von den Realschülern mit der Firma Kassecker angefertigte Tor.

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