25.09.2020 - 12:23 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Ein Kunstwerk im Hundertwasser-Stil in Waldsassen

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Zuerst war nur eine befestigte Fläche geplant, auf der später eine Sitzgelegenheit platziert werden sollte. Das Ergebnis der Aktion war gleich eine Gartenbank. Sie ist ein echter Hingucker und vermutlich einzigartig in der Region.

Klaus Schuster erfüllte sich mit der außergewöhnlichen Gartenbank in der Anlage am östlichen Stadtrand Waldsassens einen lange gehegten Traum. Er und seine Frau Gudrun sind große Fans von Friedensreich Hundertwasser, weshalb der Polizeibeamte in drei Jahren die Sitzgelegenheit im Stile des österreichischen Künstlers errichtete. Besucher, die sich für das Werk interessieren, sind übrigens im Garten willkommen.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Dreieinhalb Tonnen Beton, Eisengeflecht, jede Menge Fliesen und gut drei Jahre Zeit: Dies alles benötigte Klaus Schuster, um sein außergewöhnliches Werk im Stile von Friedensreich Hundertwasser zu verwirklichen.

Klaus und Gudrun Schuster sind Fans des österreichischen Künstlers, dessen Bauwerke etwa in Wien besondere Sehenswürdigkeiten sind. Einen lange gehegten Traum erfüllte sich der Polizeibeamte mit der außergewöhnlichen Gartenbank. Sie wertet das idyllische Gartengrundstück am östlichen Stadtrand Waldsassens deutlich auf. Damit setzt der Waldsassener ein klares Zeichen gegen eine Erkenntnis von Friedensreich Hundertwasser aus dem Jahres 1975: "Das Paradies ist ja da, wir machen es nur kaputt!"

Ein Wall mit einer Terrasse

"Warum machst du nicht gleich eine Bank", fragte Tochter Nathalie, als der Papa vor gut drei Jahren von seinen Plänen im ganz privaten Paradies der Familie erzählte: Hinter den Hochbeeten sollte eine Art Wall entstehen mit einer Art Terrasse. Dort sollte eine Sitzgelegenheit Platz finden. Schuster erzählt, dass diese Anregung der Tochter letztendlich den entscheidenden Impuls ausgelöst hat. "Irgendwann ist Hundertwasser-technisch der Groschen gefallen."

"Es gibt halt beim Hundertwasser keine geraden Linien, sondern alles ist irgendwie im Schwung", erzählt Schuster von der Gestaltung der einzigartigen Gartenbank. "Genauso habe ich das hier auch gemacht."

Der Betrachter ist auf den ersten Blick überwältigt von den Farben und Formen. Die Eindrücke fügen sich beim längeren Hinsehen ganz langsam zum Ganzen. Das Auge, die Tränen und der Mund, der von der Sitzfläche in die Terrasse übergeht und das Labyrinth auf der Fläche.

Goldfarbene Fliesen

Auf die Verwendung von vergoldetem Blech, wie es an Hundertwasser-Bauwerken etwa Wien oder auch in Abensberg zu entdecken ist, hat Schuster verzichtet. Anstelle des Edelmetalls sorgen goldfarbene Fliesen für die besondere Note im Stile des Künstlers.

Die Rückseite – von Klaus Schuster gestaltet in Anlehnung eines bestehenden Hundertwasser-Werks – zeigt einen Blick vom Meer in Richtung Land. Zu entdecken sind ein Seestern, ein Seehund, die Küste mit den Häusern.

Eine Besonderheit sind auch die runden Kieselsteine. "Du findest kein Haus, wo nicht solche Flusssteine drin sind", weiß Schuster über die Hundertwasser-Bauwerke.

Das Material für die Mosaik-Arbeiten hat Schuster gekauft – etwa die in den grellen Farben. Andere Fliesen hat er aber auch geschenkt bekommen. Fliesenlegermeister Adi Mohr etwa stellte die Grundausstattung zur Verfügung. "Plötzlich waren Fliesen vorm Gartentürl gestanden", erzählt Schuster von einem anderen Gönner, der ihm bis heute unbekannt blieb.

Drei Jahre Bauzeit

Etappenweise, sagt Schuster, gingen die Arbeiten voran: Zwei Jahre etwa nahm der Rohbau in Anspruch; die Ausgestaltung ein weiteres Jahr. Dass die Arbeiten erst Anfang September beendet wurden, lassen der Mörtelmischer und die Fliesenkleber-Säckchen erahnen, die auf in der Veranda vor "Schusters Hütte", wie es auf einem Schild heißt, abgestellt sind.

Eigentlich sei die Bank, so Schuster, "ein Ding für die Ewigkeit". Doch der Hobbykünstler hat vorsorgt für den Fall, dass irgendwann in ferner Zukunft vielleicht ein Nachfolge-Pächter die Bank wieder zurückbauen möchte. Schritt für Schritt ist die Entstehung der Bank mit Bildern dokumentiert, "dass er auch weiß, was auf ihn zukommt".

Der Rohbau der einzigartigen Gartenbank.
Die Rückseite der Gartenbank zeigt einen Blick vom Meer aufs Land.
Ein Blick auf das Labyrinth auf der Terrasse der Gartenbank. Gut erkennbar ist der Übergang zum Rasen und die runde Mähkante: "Was gibt es schöneres als Rasenmähen nach der Nachtschicht", verrät der Polizeibeamte.
Das Türmchen der Gartenbank.
Hintergrund:

Kreativer Ausgleich zum Beruf

"Er muss immer etwas tüfteln und bauen", sagt Ehefrau Gudrun über ihren Mann. Die Ausbildung zum Porzellanmaler und Lithograph beendete Klaus Schuster mit der damals deutschlandweit besten Kammerprüfung. Zudem hat Schuster die Prüfung zum Wirtschaftsinformatiker absolviert und ist dann Polizeibeamter geworden – sein Traumberuf, wie er sagt. Doch den kreativen Ausgleich, den Kontrast zu seinem jetzt ausgeübten Beruf, findet Klaus Schuster in seinem Gartengrundstück. Die Bank wird übrigens im Winter abgepackt, damit der Frost keine Schäden hinterlassen kann. Besucher sind gerne im Garten willkommen: "Es haben sich schon einige angemeldet", erzählt Schuster, der Interessierten sein einzigartiges Werk gerne zeigt.

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Kommentare

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Tanja Härtl

Genial! So eine wunderbare Gartenbank hat wirklich nicht jeder, ein Unikat und ein Kunstwerk!

28.09.2020