14.05.2021 - 16:21 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kraftakt Testen: BRK-Mitarbeiterinnen erzählen von ihrem Arbeitsalltag

Nicht nur das Impfen hilft gegen die Pandemie, auch das Testen durchbricht Infektionsketten. Drei BRK-Mitarbeiterinnen im Testzentrum Waldsassen geben Einblicke in ihre Arbeit, die einem ständigen Wandel unterliegt.

Svenja Ernst arbeitet seit Februar im Testzentrum in Waldsassen und nimmt dort regelmäßig Abstriche, die auf das Coronavirus getestet werden.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Michaela Treml nimmt Platz auf ihrem Stuhl im Büro im ehemaligen Krankenhaus Waldsassen. An ihrem Laptop kümmert sich die Teamleiterin für das Corona-Testzentrum vor Ort und in Tirschenreuth um die Materialbeschaffung und koordiniert die Einsätze der mobilen Teams. "Wenn Not am Mann ist, bringe ich mich auch direkt ein", sagt sie. Viel Organisation laufe digital. Seit Oktober 2020 ist die 42-Jährige für den BRK-Kreisverband tätig und hat seither viele Stationen im Bereich Testen durchlaufen. Angefangen hat sie als Abstrichnehmerin, dann wurde sie Teil des mobilen Teams.

Michaela wollte helfen, die Pandemie zu bekämpfen. "Wir haben Anfragen aus dem Gesundheitsamt übernommen und waren in Einrichtungen, wo viele Personen zusammen sind", erklärt sie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Darunter waren Altenheime, Schulen, Asylbewerberunterkünfte und später auch Firmen. Als die 7-Tage-Inzidenz hoch war, wurden mehrere Stationen an einem Tag angefahren. "Wir waren oft zu dritt unterwegs. Die Resonanz war meist positiv. Viele waren dankbar, auch weil wir flexibel reagieren konnten." Michaela ist staatlich examinierte Krankenschwester. Bevor sie als Teilzeitkraft zum BRK kam, lag ihr Beruf auf Eis. "Ich war Hausfrau und Mutter." Inzwischen hat sie sich eine Vollzeitstelle mit viel Verantwortung erarbeitet.

Schnelltests als gute Alternative

Da sie selbst viel Erfahrung gesammelt hat, kann sie gut einschätzen, wie viel Material wie Schutzkleidung und Testes gebraucht wird. "Ich versuche, dass die Mitarbeiter für mindestens eine Woche gut arbeiten können." Das sei nicht immer einfach, da manche Dinge wie Schutz-Overalls, Masken oder Einweghandschuhe gefragt sind. Den Einsatz von Schnelltests bewertet sie positiv. "Das ist eine gute Alternative, um etwa Besuche in Pflegeheimen zu gewährleisten. Manchmal braucht man ein schnelles Ergebnis."

"Jeder Tag ist anders"

Die 22-Jährige Sandra Schiffl unterstützt Michaela als Orga-Kraft und Abstrichnehmerin. An diesem Tag steht sie hinter der Plexiglasscheibe an der Anmeldung. Nach und nach kommen Menschen herein. Ein Grenzpendler hält ihr einen Smartphone-Bildschirm mit QR-Code und seinen Ausweis hin. Mit einem Lesegerät erfasst Sandra alle Daten und schickt den Mann hinter eine Trennwand. "Ich bin dabei, seit die Teststation vor einem halben Jahr geöffnet hat", sagt die Tirschenreutherin.

„Jeder Tag ist anders. Man muss sich hier ständig auf etwas Neues einstellen.“

Sandra Schiffl, Orga-Kraft und Abstrichnehmerin im Testzentrum Waldsassen

Ihr Dienstbeginn ist um 9.45 Uhr. Obwohl sie geimpft ist, macht sie täglich einen Schnelltest, ein Mal pro Woche auch einen PCR-Test. Bevor um 10 Uhr das Zentrum öffnet, wird alles vorbereitet. "Die Schnelltests werden mit QR-Codes beklebt, die Systeme gestartet und die Ampel muss eingeschalten werden." Diese zeigt an, wie viel im Testzentrum gerade los ist. Häufig kommen Personen, die sich vorab nicht online registriert haben. "Das übernehmen wir dann zusätzlich. Das dauert oft dann etwas", sagt sie. Mittwochs macht Sandra Inventur und fordert dann Material an. Dass ständig gesetzliche Änderungen seitens der Politik kommen, sei sie inzwischen gewohnt. "Jeder Tag ist anders. Man muss sich hier ständig auf etwas Neues einstellen."

Sandra ist gelernte Einzelhandelskauffrau und Pflegehelferin. Das Unternehmen, in dem sie zuvor gearbeitet hat, ging nach Frankreich. "Ich wollte aber in der Heimat bleiben", sagt sie. Über eine Freundin kam sie zum BRK-Kreisverband. Zwischen 500 bis 1000 Tests werden pro Tag in Waldsassen gemacht. An Spitzentagen wurden in Tirschenreuth und Waldsassen bis zu 3000 Tests abgenommen. Darunter auch von vielen Grenzpendlern aus Tschechien. "Für Kinder gibt es Tests, die im vorderen Bereich der Nase abgenommen werden. Bei Erwachsenen geht es bis zum Anschlag in den hinteren Bereich. Das ist nicht immer angenehm", weiß die 22-Jährige. "Es gibt Leute, die dankbar sind, manche bringen Geschenke." Andere seien schlecht drauf und "pampen" die Abstrichnehmer an. "Man lernt damit umzugehen", sagt Sandra.

Drei Schichten Handschuhe

Ihre Kollegin Svenja Ernst aus Konnersreuth packt einen Corona-Schnelltest aus. Sie bittet einen Mann, sich vor ihr auf einen Stuhl hinter die Trennwand zu stellen. Die 22-Jährige trägt einen Ganzkörperschutzanzug, Face-Shield. FFP2-Maske und drei Paar Einweghandschuhe übereinander. "Ist ihnen die linke oder rechte Seite lieber?", fragt sie. "Rechts", sagt der Mann. Svenja fährt mit dem Stäbchen tief in das Nasenloch des Mannes und nimmt den Abstrich.

Sie arbeitet seit Februar von Montag bis Freitag bis 18 Uhr im Testzentrum. Zuvor war sie Verkäuferin in einem Supermarkt. Über die sozialen Medien, hat sie entdeckt, dass das BRK Mitarbeiter suchte und sich dann beworben. „Ich mag es, mit Menschen zu arbeiten“, sagt sie. Sobald eine neue Person zum Testen kommt, wechselt sie die oberste Schicht Handschuhe und desinfiziert darunter. „Unter der Schutzkleidung wird es warm und man schwitzt“, gibt sie zu.

"Man muss auch Geduld haben und mit den Leuten reden." So testet sie Menschen jeden Alters. Bei Kindern dauere es länger, da sie oft freiwillig den Mund nicht aufmachen. Bei ihrer Tätigkeit hat sie das größte Risiko sich zu infizieren. Tatsächlich hat sie eine Coronainfektion hinter sich. "Ich habe aber keine Antikörper und konnte mich auch wegen der Infektion noch nicht impfen lassen." Erst nach einem halben Jahr darf sie sich eine Dosis verabreichen lassen.

BRK-Mitarbeiter sprechen über ihre Tätigkeit im Impfzentrum Waldsassen

Waldsassen

Weitere Informationen zu den Testmöglichkeiten im Landkreis Tirschenreuth gibt es hier

Info:

So wird in Tirschenreuth und Waldsassen getestet

  • Personen, die Krankheitssymptome haben, werden in Tirschenreuth mit Termin getestet. In Waldsassen werden Personen mit Krankheitssymptomen abgewiesen.
  • Wer keine Symptome hat, benötigt keinen Termin, muss sich aber zuvor registieren. Ohne Registrierung kann es zu Wartezeiten kommen.
  • Eine Ampel zeigt an, wie die Auslastung der Testzentren ist und wie viel aktuell los ist.
  • Zur Anmeldung benötigen die Mitarbeiter einen QR-Code, der dann mit dem Test verknüpft wird.
  • Im Testzentrum gilt FFP2-Maskenpflicht.
  • Das Ergebnis des Schnelltests erhält man in der Regel eine halbe Stunde nach dem Test per E-Mail. Bei einem PCR-Test folgt das Ergebnis innerhalb von 48 Stunden.

 

 

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