27.03.2020 - 12:08 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kirchenmusik in Corona-Zwangspause

"Der ganze Rhythmus ist gestört", gesteht Andreas Sagstetter, dass er sich an die Situation erst gewöhnen muss. Auch der Kirchenmusikdirektor an der Basilika Waldsassen befindet sich im Home-Office. Aber es gibt auch Unterbrechungen.

Kirchenmusiker Andreas Sagstetter an seinem Arbeitsplatz in der Basilika Waldsassen.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Zeit zum Musizieren, etwa an seiner großen Orgel daheim in seinem Musikzimmer, hat Sagstetter zurzeit aber weniger. "Im Moment sitze ich mehr am Schreibtisch", erzählt der 46-Jährige am Telefon im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Doch auch in die Basilika kommt Sagstetter noch regelmäßig.

Sein gewohnter Arbeitsplatz sind die großen Orgel-Spieltische, entweder auf der Empore oder am vorderen linken Seitenaltar. Sonntags begleitet Sagstetter in der Kirche den Gottesdienst. Der muss bekanntlich hinter verschlossener Tür stattfinden. Am vergangenen Mittwoch, als die Katholiken das Fest der "Verkündigung des Herrn" feierten, gestaltete Sagstetter den Festgottesdienst.

Den Großteil seiner Arbeitszeit ist Sagstetter in diesen Tagen aber mit organisatorischen Dingen beschäftigt. Dazu gehören auch die Bestätigungen für die Profimusiker, die in den nächsten Wochen in Waldsassen bei den Konzerten auftreten sollten.

Belege für Konzertabsagen

"Alle Profimusiker versuchen, Ausgleichszahlungen zu bekommen", sagt der Kirchenmusikdirektor über die Hilfe von staatlicher Seite. Um diese zu bekommen, werden Bestätigungen der Veranstalter für die Konzert-Absagen gebraucht, die Sagstetter schreiben muss. Dazu gehören weitere Rückabwicklungen, die nötig sind, wenn eine seit vielen Monaten geplante Veranstaltung plötzlich nicht mehr stattfinden kann.

"Das liegt nicht in unserer Hand", bedauert Sagstetter, dass er im Moment überhaupt nicht weiß, wie es mit der Kirchenmusik in der Basilika über die Zeit nach Ostern weitergeht. "Da gibt es noch ein großes Fragezeichen."

Basilikachor auf Entzug

In die Corona-Zwangspause geschickt wurde der Chor der Basilika, der in normalen Zeiten den Hauptgottesdienst gestaltet. Sonntag für Sonntag, zum Teil mit Werken, die andernorts in Konzerten zu hören sind, für stolzes Eintrittsgeld. Bei den Sängern kommt inzwischen Wehmut auf, vor allem auch im Hinblick auf die Kar- und Osterfeiertage. Die müssten, so Pfarrer Thomas Vogl am Sonntag in seiner Predigt, in diesem Jahr anders gefeiert werden. "Entzugserscheinungen", so heißt es unter den Frauen und Männern des rund 40 Leute starken Chores, seien bereits spürbar.

Sie treffen sich in aller Regel sonntags zum Singen und daneben jeden Donnerstag zur Probe. Die Chormitglieder halten den Kontakt auf anderen Wegen aufrecht - übers Telefon und über soziale Medien. "Ich finde toll, dass der Zusammenhalt so gut funktioniert", freut sich der Chorleiter über den Austausch untereinander. Die Hotelzimmer für den Chorausflug nach Berlin Ende Oktober hat Sagstetter schon reservieren lassen. "Wir müssen sehen, ob der auch so stattfinden kann."

Hintergrund:

Andreas Sagstetter seit einem Jahr Diözesanpräses

Abgesagt worden ist auch die Karwochentagung des Referats für Kirchenmusik Regensburg in Zusammenarbeit mit dem Diözesan-Cäcilienverband in Regensburg. Dort kommen alljährlich kurz vor Ostern alle Kirchenmusiker aus dem Bistum zusammen. Wegen der Coronakrise muss der Traditionstermin dieses Jahr entfallen. Bei dem Treffen wären "mehrere Hundert Teilnehmer im Saal", so Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter. Er ist bei der Tagung 2019 zum Diözesanpräses des Diözesan-Cäcilienverbands Regensburg gewählt worden, als Nachfolger von Kirchenmusikdirektor Erich Weber. Dieser hatte das Amt seit 50 Jahren inne und gehört auch dem Kuratorium der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen an. Als Diözesanpräses ist Sagstetter Ansprechpartner für Kirchenmusiker und -chöre in der Diözese Regensburg. In seiner Eigenschaft als Dachverband vertritt der ACV die Kirchenmusik gegenüber der Bundesregierung, der Evangelischen Kirche sowie im Deutschen Musikrat und in der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände (BDC). Auch fördert er das Verständnis für Kirchenmusik in der Öffentlichkeit.

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