06.11.2020 - 11:22 Uhr
WaldsassenOberpfalz

"Himmlische Klänge" in Waldsassen

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Das Deckenfresko von Jakob Steinfels mit den musizierenden Engeln auf dem Titel weist auf den Inhalt hin: Das Buch des Autorenteams Georg Schrott, Andreas Sagstetter und Josef Reindl erzählt die Geschichte der Kirchenmusik in Waldsassen.

Die Geschichte der Kirchenmusik im Kloster und in der Basilika (Bild) arbeitet das Buch von Georg Schrott, Andreas Sagstetter und Josef Reindl auf.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Himmlische Klänge" lautet der Titel des Buchs, in dem die Kirchenmusik in Waldsassen damals und heute dokumentiert ist. Der Verein „Freunde der Basilika Waldsassen“ ist Herausgeber. „Das Buch passt ja in gewisser Weise zu unserer Zielsetzung“, so Willi Prechtl und nennt dazu die Förderung der Kirchenmusik in der Basilika. „Wir bedanken uns bei den Autoren, Sponsoren und dem Verlag für ein sehr gelungenes Werk“, so der Zweite Vorsitzende der Basilika-Freunde.

Das Bild des "Stationenwegs durch die Waldsassener Kirchenmusikgeschichte" erscheint beim Durchblättern durchaus treffend: Behandelt werden Kirchenmusik vom Mittelalter bis zum Beginn der Zeit nach der Klostergründung, die Kirchenmusik der evangelischen Epoche sowie im 17. und 18. Jahrhundert, als das Kloster zum zweiten Mal gegründet wurde. Breiten Raum nimmt der Abschnitt vom 19. bis 21. Jahrhundert ein, der die Sakralmusik in bürgerlicher Trägerschaft aufarbeitet.

Lesenswert und unterhaltsam ist etwa das "Tischgespräch" über den früheren Knabenchor von Viktor Ballon, den der damalige Kirchenmusiker 1951 gründete. Der Sängerschar gehörten damals auch Herbert Weiß und der im Sommer 2019 verstorbene Siegfried Achatz an. Beide erzählten im Oktober 2018 den Autoren Georg Schrott und Andreas Sagstetter interessante Einzelheiten über das Wirken des Chores, den Viktor Ballon nach dem Vorbild der Regensburger Domspatzen etablierte. Die Zeilen geben interessante Einblicke und erzählen von der täglichen Probenarbeit und der morgendlichen Gestaltung der Gottesdienste etwa im Advent.

Die Basilika-Konzertreihe

Der Abschnitt über die jüngere Geschichte der Waldsassener Kirchenmusik behandelt unter anderem die Basilika-Konzertreihe. Sie war 1967 anlässlich der Orgelweihe in der Basilika von Anton Zimmert begründet worden; zusammen mit dem Organisationsteam – Annemarie Zimmert und Otto Rieger – wurden die Konzerte "kulturelles Aushängeschild der Region", wie es heißt. Erwähnt werden auch Gerda und Walter Sperl, die über lange Zeit den Kartenvorverkauf organisierten. Ein längeres Kapitel mit interessanten Bildern, unter anderem auch aus dem NT-Archiv, ist den Konzerten mit Leonard Bernstein im Jahre 1990 gewidmet. Eine Liste mit allen Basilika-Konzerten seit 1967 rundet die Dokumentation ab.

"Es ist viel mehr geworden, als wir am Anfang dachten", resümiert Georg Schrott über die Arbeit für das Buch und stellt im Rückblick fest: "Die Geschichte hat weniger hergegeben, als wir uns gewünscht hätten, aber dann doch deutlich mehr, als wir erwartet hatten." Der Verlag habe das Material sehr ansprechend gestaltet. "Ich erhoffe mir, dass viele Leser Freude daran haben: Musikbegeisterte, Heimatverbundene, historisch Interessierte, aktive und ehemalige Sänger."

Format als Kostenfaktor

Josef Reindl freut sich darüber, dass er einen kleinen Beitrag zu dem Werk leisten durfte. "Mir war ja gar nicht bewusst, welchen thematischen Umfang dieses Werk haben sollte." Erst beim ersten Durchblättern und Durchlesen des Vorabdrucks sei die Tragweite deutlich geworden. Mit einem anderen Format (DIN A4) wären die Fotos besser zur Geltung gekommen und die Schrift besser lesbar gewesen, so Reindl im Hinblick auf die Bedürfnisse älterer Leser. "Natürlich weiß ich auch, dass der Kostenfaktor hier eine große Rolle gespielt hat."

Reindl empfand bei der Arbeit den enormen Zeitdruck als besonders belastend. "Mitte April habe ich angefangen und Ende Mai sollte ich schon meinen Artikel abgeben. Unmöglich!", so Reindl. Er "sammelte was ging", wie er sagt. Nachts gingen die Mails an Georg Schrott, der das Gefundene in seine Unterlagen einfügte.

Für Schrott bleibt als Schwierigkeit die Entfernung von seinem Wohnort in Nordrhein-Westfalen sowohl zu Waldsassen als auch zu den Archiven in Amberg und Regensburg in Erinnerung. "Wegen der Auslagerung dortiger Bestände musste ich bis nach Passau fahren, um an Material zu kommen." Ohne die Co-Autoren vor Ort, so Schrott über Andreas Sagstetter und Josef Reindl, wäre es ganz unmöglich gewesen, ein halbwegs seriöses Werk zu erstellen. Die digitalen Möglichkeiten hätten ebenfalls die Arbeit begünstigt.

Zeitdruck und Abhängigkeit

Gegenüber Oberpfalz-Medien äußert Reindl als Schwierigkeiten vor allem den großen Zeitdruck sowie die Abhängigkeit von anderen Personen und Institutionen: "Wenn du ein Archiv angeschrieben hast, bekamst du irgendwann die Antwort, dass das Archiv am Ende des Krieges abgebrannt ist." Gewährsleute mussten wiederholt kontaktiert werden, ehe Antworten eintrafen.

Das Autorentrio würdigt im Rückblick die völlig reibungslose Zusammenarbeit. Von einer "wunderbaren Erfahrung" spricht Georg Schrott: "Es gab keine Eitelkeiten oder Eigenheiten, alle haben sachbezogen, locker und kameradschaftlich zusammengewirkt, jeder hat eingebracht, was er konnte und draufhatte."

Waldsassen
Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter am Orgelspieltisch in der Basilika.
Der gebürtige Waldsassener Dr. phil Georg Schrott ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen zur Geschichte Waldsassens und zur klösterlichen Kulturgeschichte.
Josef Reindl ist ehrenamtlicher Betreuer des Pfarrarchivs.
Hintergrund:

Forschungslücken und weitere Projekte

  • Als markanten und tiefen Einschnitt während der Arbeit für das Buch empfanden die Autoren den plötzlichen Tod von Robert Treml, der zunächst als Autor vorgesehen war. Josef Reindl erinnert sich noch gut an eine Mail von Treml im Jahr 2015 mit der Bitte, ihn bei der Überarbeitung des Pfarrarchivs zu unterstützen. Nach Tremls Tod am 3. April 2020 "stand ich alleine da", so Reindl, auf dessen Schultern nun die gesamte Verantwortung für das Pfarrarchiv ruhte. Eine Woche später hatte Andreas Sagstetter Reindl – er ist ehrenamtlich tätiger Archivar des Männergesangvereins – gefragt, ob er nicht den Teil von Robert Treml übernehmen würde. "Mit mulmigem Gefühl sagte ich nach einiger Zeit zu, ohne zu ahnen, was da auf mich zukam." Bei der Recherche wurden Reindl in Coronazeiten bald die Grenzen aufgezeigt. „Es stand mir also nur das Pfarrarchiv und das Stadtarchiv zur Verfügung.“ Eine große Hilfe sei das Buch „150 Jahre Allgemeiner Cäcilien-Verband“ von Erich Weber gewesen – ein Geschenk von Andreas Sagstetter.
  • Georg Schrott nennt es ein Glück, dass Reindl gewonnen wurde, sich durch die Unterlagen zu wühlen. "Wir ahnten zunächst gar nicht, mit welchem Materialpool er es zu tun hatte", so Georg Schrott über Robert Treml.
  • Bei der Recherche für das Buch fanden die Autoren zur Pflege der Kirchenmusik in bürgerlicher Verantwortung zwischen der Säkularisation und dem Ende des Zweiten Weltkrieges unerwartet viel Material. Dies bedeutete, "dass wir da einen Schatz heben konnten, von dessen Existenz man kaum etwas wusste", so Georg Schrott. Der letzte Quellenfund war buchstäblich in den Tagen vor der Drucklegung eingefügt worden.
  • Bei der Arbeit für das Buch haben die Autoren eine kleine Forschungslücke gefunden. Einzelheiten sollen aber noch nicht verraten werden. Bei den Recherchen stießen Schrott, Sagstetter und Reindl auch auf einiges Material, das die weltliche Musik betrifft. "Ein Aufsatz über den Waldsassener Kantor Edmund Schiffmann, der etwas ausführlicher ist als das Kapitel in unserem Buch, wird daher demnächst in der Landkreis-Schriftenreihe erscheinen", kündigt Georg Schrott an. Auch die Musikerin Wally Simeth soll noch einmal ausführlicher porträtiert werden. "Jetzt fehlt mir nur noch der Ort, wo sie begraben wurde", erzählt Reindl vom Stand der Forschung. "Ein Foto von ihr wäre natürlich die Krönung der Suche."
  • Die Arbeit im Pfarrarchiv liegt nach den Worten von Josef Reindl nun schwerpunktmäßig in der Durchsicht der Unterlagen über das Kinderheim. "Leider konnten wir bisher keine Personalakten der Kinder finden." Außerdem beschäftigt sich der Archivar mit den Mesnern der Pfarrei Waldsassen; wegen der Pandemie müsse die Arbeit aber nun einige Wochen ruhen.
  • Das neue Buch „Himmlische Klänge – Eine Geschichte der Waldsassener Kirchenmusik“ ist im Pustet-Verlag in Regensburg (ISBN 978-37917-3189-6) erschienen. Es umfasst 208 Seiten. Als Herausgeber fungiert der Verein „Freunde der Basilika“. Erhältlich ist das Buch im Handel und vor Ort in Waldsassen im Pfarrbüro und in der Tourist-Info. Außerdem verweisen Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter und Willi Prechtl, stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Freunde der Basilika“, auf den Sonderverkauf in Waldsassen am Wochenende (7. und 8. November): Die Basilika-Freunde werden das Buch nach den Gottesdiensten in der Basilika verkaufen, für 24,95 Euro.

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