23.08.2020 - 17:08 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Ghost und die Radl-Revolution: Bikes, die jedem perfekt passen sollen

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Maßgeschneiderte Fahrräder in Serie verspricht Ghost mit seiner neuen Super-Fit-Technologie. Die "Wohlfühl-Bikes" der Waldsassener sollen den Fahrern perfekt passen und weniger Schmerzen verursachen. Die Firma will die Branche umkrempeln.

Christian Morgenroth (links) und Thomas Wickles sind stolz auf die Super-Fit-Räder von Ghost.
von Julian Trager Kontakt Profil

Die Kleinstadt Waldsassen gilt als kulturelles Zentrum des Oberpfälzers Stiftlands, ist aber trotzdem eine Geisterstadt. Eine Ghost-Stadt. Fährt man durch, sieht man viele Menschen auf einem Radl - natürlich fahren alle eins vom Hersteller aus dem eigenen Ort. Die Waldsassener sind stolz auf ihre Firma, die zu den größten Fahrradproduzenten Deutschlands gehört. In der Ghost-Zentrale ist man gerade mindestens genauso stolz auf das eigene Schaffen. Mitarbeiter sprechen von einem "einzigartigen Ansatz", von einer "neuen Ära", vom "großen Ding". Ghost erfindet zwar das Rad nicht neu, revolutioniert aber gerade die Bike-Entwicklung.

Die Waldsassener stellen jetzt quasi maßgeschneiderte Fahrräder in Serie her. "Wir bauen Räder, die wirklich jedem passen. Egal wie groß man ist oder welches Geschlecht man hat", sagt Brandmanager Christian Morgenroth, der sich um die Marke Ghost kümmert. "Der Rahmen ist schon auf den Fahrer zugeschnitten. Und aus dem Karton kommen fertig passende Räder raus." Morgenroth sagt aber auch, dass die neue Super-Fit-Technologie kein Fittingsystem ist. Das Rad ist also nicht speziell individualisiert.

Wie beim T-Shirtkauf

Stattdessen gibt es die Räder in fünf verschiedenen Größen, von XS bis XL. Auch Lenker, Kurbel, Laufrad oder Pedale sind auf die jeweilige Größe angepasst. Dazu ist der Sattel in der Breite veränderbar. "Das alles ist einzigartig", sagt Morgenroth. "Der Kunde muss nur seine Körpergröße oder T-Shirtgröße wissen, schon hat er einen sehr guten Indikator auf die Größe, die er bei Super-Fit-Rädern braucht."

So funktioniert die Super-Fit-Technologie

Möglich macht das "Big Data". Ein riesiger Datensatz, gekauft von der WHO und US-Armee, die laut Morgenroth seit Jahren weltweit Menschen vermessen. "Das war ein Riesenaufwand, ein komplexer Prozess: Welche Maße sind für die Radgeometrie wichtig? Die Fingerlänge, die Oberarmlänge und so weiter." Ein Algorythmus hat dann fünf verschiedene Größen ausgespuckt. "Die Geometrie des Rads wird speziell auf die einzelne Gruppe anhand der Propositionen der Gruppe angepasst", erklärt Thomas Wickles von der Sport-Marketing-Abteilung von Ghost. Das Spektrum reicht von 1,56 bis 1,96 Metern.

Gesündere Sitzhaltung

"Schwierig wird es halt, wenn du hauptberuflich Basketballspieler und 2,24 Meter groß bist. Dann könnte es sein, dass du kein passendes Fahrrad findest", sagt Wickles. Aber 90 Prozent der Menschen sollten keine Probleme haben. Wer mit seiner Größe - es gibt auch Überschneidungen in den jeweiligen Rastern - zwischen zwei Gruppen schwankt, muss ans "Feintuning", sagt Christian Morgenroth. Dann geht's um die Beinlänge. Oder, noch besser: Beim Händler vor Ort beide Größen testen. Dazu unterscheidet die neue Technologie auch drei Fahrstile: Tour, Trail, Race. Dabei geht es um die Ergonomie, wie aufrecht man auf dem Rad sitzt.

Ghost hat die Radgeometrie vor drei Jahren noch mal komplett hinterfragt. Markenmanager Morgenroth blickt in die Mountainbike-Geschichte zurück. Am Anfang, vor 30 Jahren, haben die Hersteller oft nur einen Rahmen gehabt. An den Rennradrahmen wurden dann einfach andere Reifen angebracht. Auch später gab es "ganz verrückte Lösungen", um die Sitzposition irgendwie bequem hinzubekommen. Hat meistens nicht geklappt. "In 30 Jahren Mountainbike-Geschichte, haben sich die Themen Erschöpfung, Schmerz und Ermüdung so normalisiert, dass jeder meint, dass das halt dazu gehört", sagt Morgenroth. "Wir haben gedacht, dass das ja nicht unbedingt richtig sein muss."

Die Super-Fit-Räder sollen das ändern, sollen "Wohlfühl-Bikes" sein. Zum ersten Mal stehe der Fahrer selbst im Vordergrund der Rad-Entwicklung. Die Folgen: Man sitzt aufrechter, souveräner auf dem Fahrrad, kann angenehmer atmen, erklärt Morgenroth. "Wenn du anatomisch richtig auf dem Rad sitzt, dann hast du weniger Schmerzen, weniger Ermüdungserscheinungen, bist ausbalancierter, ein sicheres Gefühl. Das zieht einen ganzen Rattenschwanz hinterher ."

Auch die Profis überzeugt

Morgenroth ist sich sicher: "Das wird ein voller Erfolg." Die Super-Fit-Technologie sei das patentierte Alleinstellungsmerkmal von Ghost. Auch im Weltcup hätten sich die Räder bereits ausgezeichnet. "Wir haben mit Prototypen bereits Siege eingefahren", sagt Morgenroth. "Der Wechsel auf die neue Geometrie kann ja nur gut sein, wenn die Erfolge nicht ausbleiben." Gerade für Profis ist so ein Wechsel bedeutend, sie sitzen ja jeden Tag auf dem Mountainbike. "Ich habe mich auf einem Rad noch nie so wohl und sicher gefühlt", wird die Ghost-Profifahrerin Anne Terpstra in einer Pressemitteilung zitiert.

Für Morgenroth ist es wichtig, dass die Räder nicht nur den Profis taugen, sondern auch den ganz normalen Fahrern, die ähnlich begeistert seien. "Das ist die beste Bestätigung und zeigt, dass es nicht nur Marketing-Blaba ist", sagt Morgenroth. Sein Tipp: Einfach mal testen.

Mehr über Ghost-Mountainbikerin Anne Terpstra

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Corona: Krise und Boom bei Ghost:

KRISE: Die Krise traf zu Beginn auch Ghost, sagt PR-Mitarbeiterin Jasmin Schejbal. Zeitweise gab es Kurzarbeit, die Produktionsbänder standen zwei Wochen komplett still.

BOOM: Von der Krise sei aber jetzt nichts mehr zu spüren. „Es läuft wieder Vollgas, mehr als vorher.“ Im Mai sei die Krise bereits vergessen gewesen. „Auch wir spüren den E-Bike-Boom sehr stark, der durch Corona verstärkt wurde.“

VERKAUFSZAHLEN: Ghost gibt als Teil eines börsennotierten Unternehmens dazu keine Details heraus. Nur so viel: Pro Jahr produziert die Firma Räder im sechsstelligen Bereich. Tendenz – vor allem bei E-Bikes – steigend. Aber auch die normalen Räder werden nicht weniger. Darauf ist man bei Ghost stolz.

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