30.07.2021 - 16:12 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Ghost-Fahrerin Anne Terpstra kommt mit einem fünften Platz bei Olympia nach Waldsassen zurück

1 Minute 16 Sekunden fehlten Anne Terpstra im Cross-Country-Rennen der Mountainbikerinnen bei den Olympischen Spielen in Tokio zur Bronzemedaille. Enttäuscht ist die Holländerin, die in Waldsassen lebt, aber deswegen überhaupt nicht.

Die Niederländerin Anne Terpstra macht bei einer Trainingsausfahrt Pause. Im Hintergrund Japans höchster Berg, der Fuji mit 3776 Metern Höhe.
von Armin Eger Kontakt Profil

Müde sei sie von den ganzen Strapazen, sagt Anne Terpstra am Donnerstag am Telefon. Erst wenige Stunden vorher war sie von den Olympischen Spielen aus Tokio zurückgekehrt. Eine Medaille hat die 30-Jährige, die beim Ghost-Racing-Factory-Team in Waldsassen unter Vertrag steht, beim Cross-Country-Rennen nicht gewonnen, aber: "Ich bin überhaupt nicht enttäuscht", sagt sie über ihren fünften Platz. "Ich muss das emotional erst alles noch verarbeiten."

Schon zehn Tage vor dem Rennen reiste das niederländische Mountainbike-Team nach Japan an. "Das war wichtig für die Akklimatisation und dass man sich an den Zeitunterschied gewöhnt", erzählt Anne Terpstra. "Das habe ich gebraucht. Es war die ganze Zeit sehr heiß."

Nur zum Training aus dem Hotel

Untergebracht waren die vier Fahrer (zwei Frauen, zwei Männer), die zwei Mechaniker, der Nationalcoach, zwei Teammanager und ein Physiotherapeut in einem Hotel, vier Fahrstunden von Tokio entfernt, auf der Halbinsel Izu. Speziell wegen Corona fand die Wahl-Oberpfälzerin das ganz gut, denn das beschränkte die Kontakt auf ein Minimum. Frei bewegen war aber sowieso nicht drin. Das Hotel durfte das Team nur zum Training verlassen. "Wenn wir Milch gebraucht hätten, hätten wir jemanden schicken müssen", beschreibt die 30-Jährige die Situation. Zum Training musste die Erlaubnis eingeholt werden und es war immer eine japanische Begleitung dabei. Aber eine gute Vorbereitung für das Cross-Country-Rennen sei trotzdem möglich gewesen.

Einige Tage vor dem Rennen durfte die Strecke auf der Izu-Halbinsel besichtigt werden, zu Fuß, ohne Rad. "Ich habe aber davon schon eine Vorstellung gehabt, da wir im Oktober 2019 zu einem Testevent dort waren", sagt Terpstra. Den Rundkurs mit vier Kilometern Länge fand sie "richtig cool und es hat Spaß gemacht." Während bei den Olympischen Spielen in Rio 2016, da war die Niederländerin ebenfalls am Start, die Strecke relativ einfach war, war der Kurs in Japan um einiges anspruchsvoller. "Mehr Anstiege, unterschiedliche technische Passagen und Sprünge und auch Laufstrecken, die gar nicht meins sind", beschreibt die 30-Jährige das Rund.

Regen am Renntag

Während es an den Vorbereitungstagen trocken war, fing es pünktlich vor Rennbeginn zu regnen an. "Das hat die Strecke nochmals total verändert", blickt die Niederländerin zurück. Sie sei vor dem Start raus, was sie sonst nicht mache, und einiges am Ghost-Olympia-Rad musste verändert werden. "Wenn es trocken geblieben wäre, hätte es vielleicht ein anderes Ergebnis gegeben. Es ist bei uns so, dass viele gewinnen können."

So machten drei Schweizerinnen die Medaillen unter sich aus. Jolanda Neff holte Gold vor Sina Frei, die bis voriges Jahr in Waldsassen noch eine Ghost-Team-Kollegin von Anne Terpstra war. Dritte wurde Linda Indergand. Terpstras Waldsassener Ghost-Kollegin Caroline Bohé aus Dänemark kam als 13 ins Ziel. "Ich habe Sina gratuliert und auch mit Caroline gesprochen", sagt Terpstra, aber viel Zeit blieb nicht. Auf ihren fünften Platz ist sie sehr stolz. "Es war das beste Ergebnis dieses Jahr."

Rückflug nach Wettbewerb

Um 15 Uhr Ortszeit war der Start, danach Dopingkontrolle. Um 19 Uhr war Anne Terpstra zurück im Hotel, um 4.30 Uhr saß sie im Flieger, der sie von Tokio über Amsterdam zurück nach München brachte. "Zwei Tage brauche ich jetzt zum Umschalten. Ich werde mich nicht aufs Rad setzen", sagte sie am Telefon. "Ich nehme mir die Zeit, um mich wieder mental aufzuladen."

Das ist bei dem Restprogramm der Mountainbikerin sicher notwendig. In zwei Wochen ist die Europameisterschaft, danach die Weltmeisterschaft, Weltcups und die holländischen Meisterschaften folgen. An Japan behält sie auf jeden Fall gute Erinnerungen. "Ich möchte nochmals ohne Rad zurückkommen und mir einiges anschauen", blickt die 30-Jährige voraus.

Rede und Antwort stand die Niederländerin in der Rubrik Kein Wort zum Sport

Waldsassen

Voriges Jahr wurden die Olympischen Spiele wegen Corona abgesagt

Waldsassen
Anne Terpstra auf dem anspruchsvollen Rundkurs.

„Zwei Tage brauche ich jetzt zum Umschalten. Ich werde mich nicht aufs Rad setzen. Ich nehme mir die Zeit, um mich wieder mental aufzuladen.“

Anne Terpstra

 

 

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