07.12.2020 - 12:52 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Zum "Garten-Concert" nach Bad Kondrau

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In der Region darf den Titel "Bad" nur Neualbenreuth führen. Doch für einen Ort bei Waldsassen wird die Bezeichnung schon lange verwendet. Wie es dazu kam, wird im Buch "Heimatgeschichte der ehemaligen unteren Gemeinde Kondrau" erzählt.

Der Quellenpark des Kondrauer Mineralbrunnens wird auch "Bad Kondrau" genannt. Im Bild ein Lkw mit dem markanten Logo auf dem Betriebsgelände vor den Toren Waldsassens.
von hmrProfil

In der Heimatchronik des Ortsteils Kondrau wird beschrieben, wie es zu der Bezeichnung "Bad Kondrau" kam. Die Geschichte beginnt damit, dass der damalige erste Landrichter von Waldsassen, der Edle Johann Baptist von Pessl, bei dem Kondrauer Sauerbrunnen – auch Säuerling genannt –„ein allgemein wohltätiges Bad emporbringen“ wollte. Er begann 1804 damit, aus eigenen Mitteln ein Brunnengebäude zu errichten.

Durch den plötzlichen Tod des Landrichters bereits im darauffolgenden Jahr konnte das Gebäude jedoch nicht fertiggestellt werden. Der Mitautor der Kondrauer Chronik, der verstorbene Heimatpfleger Robert Treml, fand heraus, dass es nach dem amtlichen Katasterplan aus dem Jahr 1840 zu dieser Zeit nahe der Quelle ein kleines „Badhaus“ gab.

"Reinliche Zimmer mit Badewannen"

Aktuelle Forschungen von Treml ergaben, dass dieses Badhaus auf der Terrasse des späteren Cafés stand. 1829 befand sich jedenfalls neben der Quelle ein kleines Haus für die Kurgäste, das unter anderem „fünf sehr reinliche Zimmer mit Badewannen“ enthielt. Auch bestand eine Vorrichtung zum Erwärmen des Badewassers mittels eines eingemauerten eisernen Kessels.

Nachdem das Badehaus 1831 eingestürzt war, baute man es im folgenden Jahr wieder auf. Im Neubau waren vier kleinere Badstübchen mit einem noch kleineren Vorstübchen und einer kleinen Küche untergebracht. Schon um 1835 brannte das wieder aufgebaute Badehaus nieder. Der erneute Wiederaufbau durch den Kondrauer Landwirtssohn Johann Leonhard Bernreuther wurde von der Regierung jedoch abgelehnt. Bernreuther ließ sich jedoch nicht entmutigen und erbaute 1837 in dem mittlerweile im Sprachgebrauch als „Sauerbrunnen“ bezeichneten und abseits von Kondrau gelegenen Ortsteil eine landwirtschaftliche Hofstelle.

Fehlende Bademöglichkeit

Im Buch ist schließlich zum Thema der seit dem Brand des Badehauses fehlenden Bademöglichkeiten aus einem Schreiben des damaligen königlichen Landgerichtsarztes Dr. Georg Fischer folgende Passage zitiert: „…gegenwärtig lassen sich diejenigen Einwohner Waldsassens, welche im Kondrauer Wasser baden wollen, dasselbe in Fässern heimholen oder sind genöthigt, in einem benachbarten Bauernhaus, wo ein Winkel des Hauses zum Badgebrauch eingerichtet wurde, auf unzweckmäßige Weise zu baden."

Und weiter heißt es: "Eine andere Badegelegenheit gibt es in und bei Waldsassen jetzt nicht mehr. Es wäre demnach im Interesse der Marktsbewohner von Waldsassen sowohl, als auch so mancher Kranker, welchen aus dem Gebrauch der nicht genug zu empfehlenden Kondrauer Mineralquelle Heil entspringen könnte, nicht nur wünschenswerth, sondern sogar nothwendig, daß neuerdings eine Badeanstalt bey Kondrau ins Leben trete.“

Investor aus Regensburg

Wiederum gab es Protest, diesmal durch den Pächter Graf von Holnstein, so dass das Projekt nicht zustande kam. Nachdem man mit der Verpachtung der Quellen samt Umgriff schlechte Erfahrungen gemacht hatte, folgten mehrere Versteigerungsversuche. Schließlich kaufte der Regensburger Kaufmann Johann Wolfgang Neumüller 1858 die Mineralquelle und weitere Grundstücke mit insgesamt 10,32 Tagwerk.

Wie im Buch dargestellt, gab es also im Kondrauer Ortsteil Sauerbrunn um 1858 die von Neumüller erworbene Haupt- und Nebenquelle samt der kleinen Abfüllanlage und wohl auch ein kleines Badehaus sowie das oberhalb davon 1837 neu errichtete, landwirtschaftliche Anwesen Kondrau Nr. 45 im Eigentum des Landwirts Johann Bernreuther.

Erstmals im Frühjahr 1900

Neumüller hat demnach jedoch auch noch das Brunnenhaus mit zwei Anbauten errichtet sowie das Badehaus erneuert. Nach weiteren Besitzer- bzw. Verwalterwechseln sowie dem Bau der Villa, eines neuen Brunnenhauses und dem Umbau des Wohnhauses Nr. 45 zu einer Restauration tauchte offensichtlich erstmals im Frühjahr 1900 offiziell die Bezeichnung „Bad Kondrau“ auf.

Eingeladen wurde zu einem Garten-Concert nach „Bad Kondrau“ mit der Egerer Kapelle Schöner. Der Vorplatz zur Restauration galt nun als „Gesellschaftsplatz“. Im März 1903 schwärmte die Grenz-Zeitung vom freundlichen Bad Kondrau mit seinem wunderschönen Park. Dabei wurde die Anlage als einer der „schönsten Punkte der nördlichen Oberpfalz“ gerühmt.

Verleihung nicht belegt

So wurde der Quellenpark von Bad Kondrau als Naherholungsgebiet genutzt, obwohl der Ortsteil eigentlich „Sauerbrunn“ hieß. Eine Verleihung des Ortsnamens „Bad Kondrau“ kann indes nicht belegt werden und ist auch im Historischen Atlas von Tirschenreuth nicht zu finden. So ist davon auszugehen, dass sich die Bezeichnung „Bad Kondrau“ wohl durch die Restauration ab 1900 eingeführt hat.

Nachdem die Restauration in den frühen 1920er und 1930er Jahren eingestellt wurde, fand erst 1938 eine Wiedereröffnung als Café statt. Nach Renovierung des früheren Restaurationsgebäudes wurde das Anwesen als „Erholungsheim Bad Kondrau“ in der Sommerzeit von den Gästen gut angenommen. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg musste das Café jedoch wieder schließen und konnte erst 1948 erneut eröffnet werden. Im Heimatbuch sind die Pächter bis zur Einstellung der Bewirtschaftung des Cafés im Jahr 1978 namentlich aufgeführt.

Am 13. November 2019 bekam Bad Neualbenreuth den lange ersehnten Titel

Bad Neualbenreuth
Vor der Krippe in der Tourist-Info Waldsassen ist eine Auswahl von Büchern über Waldsassen aufgebaut.
Das Titelblatt des 571 Seiten umfassenden Kondrauer Heimatbuchs.
Hintergrund:

Lesestoff über Waldsassen und übers Kloster

Interessante Geschichten sind im Kondrauer Heimatbuch niedergeschrieben. Daneben bieten sich zahlreich erschienen Bücher über die Region als Lesestoff an.

  • 2008 ist die Gemeindechronik der Ortschaft Münchenreuth erschienen.
  • Über Waldsassen gibt in Kürze das vom Gerwig-Kreis herausgegebene Buch über die „Geschichte der Straßen und Plätze in Waldsassen“.
  • Klösterlichen bzw. kirchlichen Bezug haben die Bücher „Charme hinter Klostermauern“, „Die Zisterzienserinnen in Waldsassen“ und „Himmlische Klänge“, eine Abhandlung über die Kirchenmusik in Waldsassen.
  • Für die jüngeren Leser bieten sich die kürzlich veröffentlichten Kinderbücher von Heilpraktikerin Berta Frank mit Märchenerzählungen und „Friedeline, die Kirchenmaus“ des Waldsassener Schriftstellers Klaus Schwanda an.

Diese und viele weitere Werke sind im Handel, im Klosterladen und in der Tourist-Info Waldsassen im Rathaus erhältlich.

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