06.12.2020 - 15:43 Uhr
WaldsassenOberpfalz

"Co-Working-Space Waldsassen" im ehemaligen Krankenhaus

Zunächst für Studierende und Praktikanten und später eventuell für weitere berufstätige Interessenten ist die Einrichtung eines sogenannten "Co-Working-Space" ab Mittwoch in der Cafeteria des ehemaligen Krankenhauses angedacht.

In der Cafeteria der ehemaligen Reha-Abteilung des Krankenhauses Waldsassen wird ein "Co-Working-Space" für Studenten und Praktikanten eingerichtet. Die Initiatorin Pia Ryba (links) und Bürgermeister Bernd Sommer stellten die im Aufbau befindliche Einrichtung vor.
von hmrProfil

"Mir fehlt einfach der persönliche Austausch mit Kommilitonen, und man möchte auch mal andere Gesichter sehen. Oft können die Studierenden zu Hause nicht konzentriert arbeiten und sich die Vorlesungen ungestört anhören, weil nicht alle ein eigenes Arbeitszimmer haben", so beschreibt die Waldsassener Studentin Pia Ryba die derzeitige Situation durch die reinen Online-Vorlesungen an den Universitäten. Das brachte sie auf die Idee, ob man nicht einen sogenannten "Co-Working-Space" für Studierende einrichten könnte. Sie wandte sich damit an Bürgermeister Bernd Sommer.

Bei diesem fand sie sofort Gehör und stieß sprichwörtlich auf offene Türen. Das Stadtoberhaupt war ja schon länger bemüht, eine sinnvolle Weiterverwendung für das leerstehende Waldsassener Krankenhaus zu finden. Nachdem sich mit dem Impfzentrum für den Landkreis Tirschenreuth bereits eine zumindest zeitweise Teilbelegung ergeben hatte, brachte Sommer die ehemalige Cafeteria der Reha-Klinik als "Co-Working-Space" ins Gespräch. Sofort mietete die Stadt die Räumlichkeiten an und stattete sie mit Tischen und Stühlen aus. Dazu wurden eine leistungsfähige Internetverbindung und ausreichend Stromanschlüsse für die Laptops der Benutzer eingerichtet. Nachdem auch für die Beheizbarkeit und Zugang zu Toiletten gesorgt war, konnte der Bürgermeister mit dem Angebot an die Öffentlichkeit gehen.

Bereits am kommenden Mittwoch sollen die "Heimarbeitsplätze" zunächst für Studierende und Praktikanten kostenlos zur Verfügung stehen und der Testlauf beginnen. "Auch an den Universitäten haben die Studierenden in den Bibliotheken die Möglichkeit ungestört zu lernen, Hausarbeiten zu schreiben und dabei nicht so abgelenkt zu werden wie es oftmals zu Hause der Fall ist", bemerkt Ryba aus persönlicher Erfahrung und ergänzt, dass bei den Online-Vorlesungen sowieso mit Kopfhörern gearbeitet wird.

"Zunächst ist an eine Öffnungszeit jeweils von Montag bis Freitag ab 8 Uhr bis nach Bedarf gedacht. Auch soll mindestens ein Bediensteter oder eine Bedienstete der Stadtverwaltung vor Ort ebenfalls online arbeiten und als direkter Ansprechpartner anwesend sein" beschreibt Sommer die Planungen und erwähnt, dass er auch schon von anderer Seite auf die Schaffung derartiger Arbeitsmöglichkeiten angesprochen wurde.

Bis zu zehn Personen gleichzeitig hat das Gesundheitsamt bei entsprechendem Abstand zueinander erlaubt. Auch an Desinfektionsspender, eine Hausordnung und das Führen einer Anwesenheitsliste ist gedacht. Wegen der Schlüsselgewalt wird noch an einer Lösung eventuell in Zusammenarbeit mit dem Impfzentrum gearbeitet.

Interessierte können sich ab sofort per E-Mail unter bernd.sommer[at]waldsassen[dot]de an den Bürgermeister wenden. Etwaige Nutzer müssen sich dann spätestens am Abend vorher anmelden, damit rechtzeitig entsprechende Vorbereitungen und Platzreservierungen vorgenommen werden können. Lediglich der Abschluss einer Nutzungsvereinbarung ist dabei erforderlich. Geplant ist dann auch die Einrichtung einer gemeinsamen Whatsapp-Gruppe, um untereinander Informationen austauschen zu können und ein Netzwerk aufzubauen. Bis Weihnachten soll eine gewisse Testphase laufen, um entsprechende Erfahrungen zu sammeln, so dass dann im Januar notwendige Optimierungen erfolgen können.

"Natürlich können sich auch andere berufstätige Interessenten oder Unternehmer für die Nutzung unverbindlich melden", bietet Sommer an. Inwieweit das Angebot dann für diese Klientel kostenpflichtig ist, muss zu gegebener Zeit noch abgeklärt werden. "Das Ganze ist ein Experiment, das gegebenenfalls ausgebaut und verfeinert werden muss" betont der Bürgermeister. Der Zugang zum "Co-Working-Space" ist separat über eine vorhandene Tür an der Egerer Straße links neben dem Haupteingang des Gebäudekomplexes möglich. Parkmöglichkeiten sind entlang der Egerer Straße und auf den bestehenden Parkplätzen im Umgriff der Anlage vorhanden.

Wegen der aktuelle Entwicklung in der Corona-Pandemie wird der Start auf Januar verlegt

Waldsassen
Hintergrund:

Co-Working-Space

Co-Working (auch Co-working , englisch für "zusammenarbeiten") ist laut Wikipedia eine Entwicklung im Bereich "neue Arbeitsformen". Freiberufler, kleinere Startups oder digitale Nomaden arbeiten dabei in meist größeren, verhältnismäßig offenen Räumen und können auf diese Weise voneinander profitieren. Sie arbeiten entweder voneinander unabhängig in unterschiedlichen Firmen und Projekten oder entwickeln mit anderen Co-Workern gemeinsam Projekte. "Coworking Space" ist ein Anglizismus für Geschäftskonzepte, die Arbeitsplätze und Infrastruktur (Netzwerk, Drucker, Scanner, Fax, Telefon, Beamer, Besprechungsräume) zeitlich befristet zur Verfügung stellen. Der Unterschied zur Bürogemeinschaft ist die Mischung verschiedener Berufe und die geringere Verbindlichkeit. Die Mehrheit der Co-Working-Räume bieten eine Tages-, Wochen- oder Monatspauschale an. In den Mietkosten sind - soweit vorhanden - meist die Nutzung von W-Lan, Drucker, Küche, WC und manchmal auch eines Konferenz- bzw. Gemeinschaftsraums inbegriffen. Jedem Co-Working-Space liegen die folgenden fünf Kernwerte zugrunde: Zusammenarbeit, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Offenheit und Zugänglichkeit. Neben dem Arbeitsraum steht der Aufbau eines Netzwerkes für Wissensaustausch, Innovation und Weiterbildung im Vordergrund, welches die Co-Worker weiterbringt. Hier treffen Menschen aufeinander, die sich in einzelnen Büros nie gesehen oder kennengelernt hätten. Co-Working ist somit ein Zusammenarbeiten auf flexibler und freiwilliger Basis, mit der Möglichkeit, voneinander zu profitieren.

Warum Co-Working: 42 Prozent der regelmäßig von zu Hause aus Arbeitenden klagen über Schlafstörungen. Ablenkungspotenzial, keine Trennung zum Privatleben und fehlende Bindung zu Kollegen lassen das Homeoffice ganz schön trist werden. Im Co-Working-Space teilen sich viele unterschiedliche Menschen einen flexiblen und kostengünstigen Arbeitsplatz. Neben der Arbeit oder dem Studium kann man hier networken und sein Wissen für neue Ideen und Projekte teilen. 65 Prozent Co-Worker erklären, ihr allgemeines Wohlbefinden habe sich erhöht.

Über einen separaten Eingang an der Straßenseite des Krankenhauses ist der "Co-Working-Space" in der ehemaligen Cafeteria zu erreichen. Bürgermeister Bernd Sommer (links) und Pia Ryba machten sich schon mal ein Bild von den Räumlichkeiten.
Über einen separaten Zugang von der Egerer Straße aus ist der als "Co-Working-Space Waldsassen" bezeichnete großzügige "Heimarbeitsplatz" für die Benutzer zu erreichen. Neben einer Internet-Verbindung, Heizung und Stromversorgung stehen auch Toiletten zur Verfügung.

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