09.07.2020 - 18:13 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Chor der Basilika Waldsassen: In kleiner Besetzung vorm Hochaltar

Der Chor der Basilika Waldsassen gestaltete jeweils sonntags den Hauptgottesdienst um 9.30 Uhr. Mitte März kam die Corona-Zwangspause. Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter wagt nun den Neubeginn. Ganz einfach ist das aber nicht.

Stadtpfarrer Thomas Vogl (links) und Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter halten vorm Hochaltar in der Basilika jeweils an den Enden einen Zwei-Meter-Stab. So viel Abstand müssen die Chorsänger voneinander einhalten.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Der Chor der Basilika Waldsassen muss für seinen Wiedereinstieg einiges beachten: Sieben Seiten füllt das "Hygienekonzept für die Durchführung von Chorproben kirchlicher Chöre" in der Diözese Regensburg. Durch Auflagen und Vorschriften hindurch gilt es, Proben und Aufführungen zu manövrieren.

Für Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter war schnell klar: Sonntags wie gewohnt mit dem 50 Frauen und Männer starken Chor auf der Basilika-Empore singen – das geht nicht. Auch die Proben in der Mittelschule jeweils donnerstags werden nicht wie üblich zu bewerkstelligen sein.

Zwei Meter Abstand

Deshalb müssen Chormitglieder, die künftig sonntags mitsingen wollen, schnell sein und sich für einen der zehn verfügbaren Plätze melden. "Mehr geht leider nicht", sagt Sagstetter im Hinblick auf das Hygienekonzept. "Ich habe es ausgemessen", sagt der Kirchenmusikdirektor und hält den Bereich vorm Hochaltar für die beste Variante.

Wegen der möglichen Infektionsgefahr durch Aerosole müssen die Chorsänger jeweils zwei Meter Abstand zum nächsten einhalten, in alle Richtungen. Auf der obersten Stufe könnten zwei Mal zwei Männer für Tenor und Bass sowie vor der Treppe zwei mal drei Frauen für die hohen und tieferen Frauenstimmen singen. Eine größere Besetzung sei nicht möglich.

Windhundprinzip

Sagstetter hält das "Windhundprinzip", bei dem die Schnellsten zum Zuge kommen, für eine faire Variante. "Ich will da keinen aussuchen." Jeder müsse sich selbst melden – je nachdem, wie er Zeit und Lust hat. "Es geht halt nur in dieser kleinen Besetzung."

Bei einer Besprechung vor einer Woche trafen sich die Chormitglieder erstmalig seit Mitte März – ebenfalls in der Basilika. Dort war es relativ einfach, Abstandsregeln und Hygienevorgaben gut einzuhalten. Die Resonanz der Chormitglieder auf die Einladung war überwältigend. "Wir haben durchgezählt, es waren 40", sagt Sagstetter und weist darauf hin, dass sich einige Sänger wegen Terminüberschneidung entschuldigt hatten.

Pfarrer froh und dankbar

Auch Stadtpfarrer Thomas Vogl war bei dem Treffen dabei und zeigte sich froh und dankbar darüber, dass der Chor mit dem Singen wieder anfängt. Und dass der Kirchenmusikdirektor in der Pfarrei bemüht ist, die Auflagen zu berücksichtigen und das Konzept gut umzusetzen. „Bin sehr erfreut, dass das wieder passiert“, sagt der Pfarrer über den kirchenmusikalischen Neubeginn – übrigens mit der Messe brève No. 7 von Charles Gounod. Bei der Gestaltung der Gottesdienste sei aber auch in der Vergangenheit schon vieles möglich gemacht worden. "Auch mit Rücksicht darauf, dass man nicht so viel singen soll."

Die Proben werden übrigens vorerst ebenfalls in der Basilika gehalten, jeweils donnerstags am Abend: Einzelne Stimmen wechseln sich wöchentlich ab. Wie für die Aufführungen sind auch für die Proben Hygienebeauftragte zu benennen: Diese achten etwa darauf, dass die Sänger die Spende mit dem Desinfektionsmittel am Eingangsportal der Basilika benutzen.

Zur musikalischen Gestaltung Sonntag für Sonntag kommen noch Sondereinsätze:

Waldsassen
In normalen Zeiten gestaltet der Chor der Basilika zusammen mit Partnerchören und -ensembles herausragende kirchenmusikalische Ereignisse.
Im Blickpunkt:

Kirchenmusik in Waldsassen mit langer und kostbarer Tradition

"Es ist eigentlich ein Dilemma", sagt Stadtpfarrer Thomas Vogl über die aktuelle Situation im Hinblick auf das pfarrliche Leben allgemein: "Je länger man zuwartet, um so mehr habe ich den Eindruck, dass vieles verloren geht und einschläft." Dabei verweist der Stadtpfarrer auf die lange und kostbare Tradition der Kirchenmusik in Waldsassen. "Das muss man mit allen Bemühungen, Kräften und mit dem Verständnis auch der Ausführenden so gut als möglich aufrecht und lebendig erhalten." Zum Themenkomplex "Singen und Infektion" gebe es verschiedenste Meinungen. "Nichtsdestotrotz sollte man im Rahmen der Möglichkeiten tun, was möglich ist."

Hintergrund:

"Selbstrechtfertigung" in der Krise leichter

Stadtpfarrer Thomas Vogl befürchtet, dass in der aktuellen Situation sich viele Christen von der Kirche abkehren. "Die Abwanderungs- und Abbruchstendenzen sind durch Corona beschleunigt worden", so der Dekan. "Da ist etwas angestoßen worden von einer ganz anderen Seite her, wo wir als Kirche gar nichts dafür können." Die, so Vogl, "Selbstrechtfertigung" sei leichter geworden. Deshalb dürften Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen, Gremien und Verbänden nicht vergessen, "dass wir weiter gefordert sind und dass es darauf ankommt, das gemeinsam durchzustehen".

Denn gemeindliches Leben werde von vielen verschiedenen Leuten mitgetragen. "Wir müssen aufpassen, dass uns das nicht verloren geht." Vieles habe sich in der Krise als überholt erwiesen. "Aber da müssen wir dann auch sehen, wo wir die Kraft nutzen können für etwas anderes."

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