17.05.2021 - 12:15 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Brandunterstützungsverein noch immer gefragt: Solidarische Hilfe für Landwirte in Not

Wer kennt den Brandunterstützungsverein Waldsassen? Außerhalb der Landwirtschaft dürfte der Kreis der Wissenden recht begrenzt sein. Dabei leistet der Verein seit fast 100 Jahren Hilfe in der Not. Zuletzt 2020 nach dem Großbrand in Altmugl.

Zuletzt hat der Brandunterstützungsverein Waldsassen nach dem Großbrand in Altmugl im Januar 2020 Hilfe geleistet.
von Konrad RosnerProfil

Brannten früher Bauernhöfe, war das für die Brandleider meist eine große Katastrophe. Vor allem, wenn die in den Scheunen gelagerte Ernte dem Feuer zum Opfer fiel. Die Tiere hatten dann nichts mehr zum Fressen. Daher wurde 1923 ein Brandunterstützungsverein im östlichen Stiftland ins Leben gerufen. Auch heute ist er noch aktiv, wie Schriftführer Konrad Rosner im Gespräch mit Oberpfalz-Medien informiert.

Einstimmiger Beschluss

Es war am 17. Oktober 1923, als auf Einladung von Lagerhausverwalter Karl Vollath die Bürgermeister und Gemeindevertreter von Waldsassen, Kondrau, Pleußen, Konnersreuth, Münchenreuth, Pfaffenreuth, Wernersreuth, Ottengrün, Neualbenreuth und Querenbach zusammenkamen. Entworfen wurde eine Satzung zur Gründung einer Solidargemeinschaft von Landwirten. Diese sah vor, dass durch Feuerschäden in Not geratenen Berufskollegen mit Futtermitteln bis zur nächsten Ernte kostenlos ausgeholfen wird. Die Satzung wurde einstimmig angenommen.

Bald über 600 Mitglieder

Am 22. November 1923 fand die erste Versammlung des "Unterstützungsvereins bei Brandfällen in den Gemeinden des Lagerhausbezirkes Waldsassen" statt. Zum Vorsitzenden wurde Karl Vollath gewählt. 1926 hatte der Verein bereits mehr als 600 Mitglieder. Bei Brandfällen wurden die Brandleider mit Roggen, Heu und Stroh unterstützt. Zur Berechnung der genauen Menge wurde ein Schlüssel eingeführt. Seit der Gründung habe der Verein schon unzählige Male helfen können, wie Konrad Rosner betont.

Im Laufe der Jahre ist es im Zuge vieler Veränderungen in der Landwirtschaft zunehmend ruhiger um den Brandunterstützungsverein geworden. 1995 fand im Gasthof Eckstein in Wernersreuth die bislang letzte Generalversammlung statt. Damals einigte man sich darauf, Mitgliedertreffen nur noch nach Bedarf abzuhalten. Zum Vorsitzenden wurde Josef Ernstberger aus Querenbach gewählt, der auch heute noch im Amt ist. Zweiter Vorsitzender ist Alois Männer aus Zirkenreuth. Konrad Rosner aus Waldsassen hat das Amt des Schriftführer seit 1973 inne. Zum Vorstand zählen auch die Vertrauensleute aus den einzelnen Ortschaften. Rund 100 Mitglieder aus 26 Ortschaften sind aktuell noch dabei.

Schnelle Schadensbegutachtung

Zum Brandunterstützungsverein gehört auch Alois Grillmeier aus Altmugl, auf dessen Bauernhof im Januar 2020 ein Großbrand wütete. Noch am gleichen Tag traf sich der Schätzungsausschuss des Vereins um 15 Uhr am Brandort, um sich ein Bild vom Ausmaß des Schadens zu machen. Vor Ort waren Vorsitzender Josef Ernstberger, der Ortsvertrauensmann von Altmugl, Walter Brucker, der Ortsvertrauensmann aus einer weiter entfernten Ortschaft, in diesem Fall Emmeram Ernstberger aus Münchenreuth, sowie Schriftführer Konrad Rosner. Alois Grillmeier hatte im Verein 40 Hektar Getreideanbau angemeldet, so dass er nach dem Berechnungsschlüssel insgesamt 72 Doppelzentner Getreide erhielt.

"Um die ärgste Not nach einem Brand zu lindern, ist der Brandunterstützungsverein nach wie vor wichtig."

Schriftführer Konrad Rosner

Schriftführer Konrad Rosner

Konrad Rosner betont, dass alle Mitglieder im Verein verpflichtet seien, einem Brandleider zu helfen. Zwar habe der Verein im Laufe der Zeit einiges an seiner früheren Bedeutung eingebüßt. "Um die ärgste Not nach einem Brand zu lindern, ist der Brandunterstützungsverein nach wie vor wichtig", so Rosner. Vor dem Feuer in Altmugl trat der Verein zuletzt 2006 in Aktion. Damals hatte es einen Großbrand auf dem Anwesen von Josef Eckert in Pleußen gegeben.

Altdeutsche Schrift

Jeder Brand, der den Verein auf den Plan ruft, wird genau festgehalten. Das Original-Protokollbuch aus dem Jahr 1923 ist im Waldsassener Lagerhaus untergebracht. Für das Pressegespräch hat es Konrad Rosner eigens geholt. Schnell zeigt sich, dass eine Vielzahl der Einträge in altdeutscher Schrift verfasst wurde. Auf Seite 182 ist das Protokoll zum Brand in Altmugl eingetragen - natürlich handschriftlich, darauf legt Rosner großen Wert.

Der Blick zurück zeigt, dass der Verein besonders nach dem Zweiten Weltkrieg schwer gefordert war. Gemeindevertrauensleute trafen sich am 12. Juni 1945 im Lagerhaus Waldsassen wegen der vielen Brandschäden, die durch Kriegseinwirkung entstanden waren. Allein in Konnersreuth hatte es 29 Brände gegeben. Es folgte Münchenreuth mit 5 Bränden, je zweimal gebrannt hat es in Hundsbach, Mammersreuth, Neudorf, Netzstahl, Schloppach und Waldsassen. Es brannten insgesamt 21 Wohnhäuser, 47 Scheunen, 8 Ställe, 44 Schuppen und 25 Nebengebäude. Für alle diese Brandfälle wurden 3674 Zentner Roggen gesammelt und an die Brandleider verteilt. Zudem wurde Stroh vom Unterstützungsverein angekauft und anteilsmäßig verteilt.

Erinnerungen an Großbrand in Altmugl

Altmugl bei Bad Neualbenreuth
Schriftführer Konrad Rosner blättert im Protokollbuch des Brandunterstützungsvereins Waldsassen.
Im Protokollbuch werden sämtliche Ereignisse festgehalten, auf diesen beiden Seiten etwa Brände in den Jahren 1949 und 1950 in Hatzenreuth und in Groppenheim.
Die Titelseite des Protokollbuches, angelegt am 17. August 1923.
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